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„Wie Mamas und Papas Waffe“

„Kleiner, sicherer, leichter“: US-Waffenhersteller entwickelt neues Gewehr - für Kinder

Symbolbild: Der Umgang mit scharfen Waffen ist in den USA immer wieder Thema von hitzigen Debatten.
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Symbolbild: Der Umgang mit scharfen Waffen ist in den USA immer wieder Thema von hitzigen Debatten.

Dass die allgemeine Öffentlichkeit in den USA Schusswaffen anders wahrnimmt, als es die deutsche tut, ist nichts neues. Doch das neue Angebot eines amerikanischen Waffenherstellers bringt viel Kritik mit sich. Es geht nämlich um ein Gewehr, das für die Nutzung durch Kinder entwickelt wurde.

USA - Wer sich mit Schusswaffen ein wenig auskennt, dem sagt der Name „AR-15“ wahrscheinlich etwas. Dieses ist ein leichtes halbautomatisches Gewehr. Das „AR“ steht für ArmaLite Rifle (Anm. d. Red.: Bedeutung der Abkürzung korrigiert von „Assault Rifle“). Es ist eine Waffe, die sich bei geneigten Amerikanern großer Beliebtheit erfreut. Wohl auch wegen dieser Beliebtheit entschied sich nun der US-Waffenhersteller WEE1 Tactical, das Erfolgskonzept umzumünzen und seine Zielgruppe zu erweitern - hin zu den Jüngeren.

Mit den Worten „Get em one like yours“ (Holt ihnen eines wie eures) preist der Hersteller den kleineren, leichteren und als sichereren Ableger der „AR-15“ an. Der Name des als kindgerecht beworbenen Gewehres ist ein Wortspiel mit dem Namen des großen Bruders: „JR-15“

Logo: Totenkopf mit Schnuller - Kleinerer „AR-15“ Ableger „JR-15“ als Einstiegswaffe für Kinder?

Doch abseits des Namens hat sich WEE1 Tactical Gedanken gemacht, wie das Gewehr den Geschmack der Zielgruppe treffen soll. Mit zwei Varianten des Logos wird nochmals klargestellt, dass es darum geht, eine junge Gruppe anzusprechen: jeweils ist ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen hinterlegt, einmal in grün für die Jungs und einmal in rosa für die Mädchen - beide mit Schnuller und Fadenkreuz im Auge. Dass dieses unmissverständliche Anpeilen junger potentieller Waffenbesitzer Kritik nach sich zieht, dürfte klar sein.

Das ist niederträchtig“, schreibt Kaliforniens Gouverneur, Gavin Newsom, auf Twitter. „Ein Totenkopf und ein Knochenkreuz mit einem Schnuller auf einer Kriegswaffe. ‚Süß‘ gestaltet, um Kinder anzusprechen. Der Hersteller nennt das eine ‚JR-15‘. Jeder von der NRA unterstützte Politiker sollte das verurteilen.“

Die Organisation „Newton Action Alliance“, die sich dem Ziel verschrieben hat, Waffengewalt in den USA zu beenden, pflichtet dem Politiker bei: „Wir stimmen zu Gouverneur. Leider hat die NSSF (Anm. d. Red.: National Shooting Sports Foundation) WEE1 Tactical erlaubt, die „JR-15“ auf seiner SHOT Show zusammen mit Ghost Guns (Anm. d. Red.: Waffenbausätze, die funktionsfähige Schusswaffen bilden, deren Herkunft aber nicht nachzuvollziehen ist) vorzustellen. Was noch schlimmer ist, ist dass die Bundesregierung und das Department of Veteran Affairs mit der NSSF bei Programmen zusammenarbeitet. Die NSSF ist die NRA. Die Bundesregierung sollte die Verbindung abbrechen.“

Kein Spielzeug, sondern eine echte Waffe

Vom Marketing des Herstellers WEE1 Tactical sollte man sich nicht täuschen lassen. Auch wenn das Gewehr als „kleiner, sicherer und leichter“ angepriesen wird, darf neben den bissig-kindlich anmutenden Logos nicht vergessen werden, dass es sich immer noch um eine Waffe handelt. Die „JR-15“ dürfte in Deutschland nicht ohne entsprechende waffenrechtliche Erlaubnis erworben, besessen oder benutzt werden. Das bedeutet, ohne eine Mitgliedschaft im Schützenverein, einem Jagdschein oder einer Waffenbesitzkarte, wäre hierzulande kein Erwerb möglich.

Aufschrei in den sozialen Medien und Mahnen vor Amokläufen an Schulen

Während sich Enthusiasten in den sozialen Medien mit Zuspruch äußern und fragen, wo sie eine solche Waffe kaufen können, finden sich zahlreiche Bekundungen von Entrüstung. „Das ist krank“, schreibt ein Nutzer. Ein weiterer schreibt nach Verweis auf die Sprüche, mit der die „JR-15“ beworben wird: „Mir fehlen die Worte.“

Anklagende Worte findet Po Murray, die Vorsitzende der Waffengegnervereinigung „Newton Action Alliance“: „Die Herzlosigkeit der NSSF, eine Kinderversion desselben Waffentyps zu bewerben, der in einem grausigen Amoklauf verwendet wurde, bei der 20 Erstklässler und sechs Lehrer starben, ist der aktuellste Beweis, dass die Organisation und die Waffenhersteller alles tun werden, um weiter Profit zu machen.“ Ihre Aussage bezieht sich auf den Amoklauf an der Sandy Hook Elementary Schule in Connecticut im Jahr 2012.

mda