Nach dem schrecklichen Terroranschlag

Wien zwischen Trauer, Schock und Trotz: „Schleich di, du Oarschloch...“

Wien Stephansdom nach Terroranschlag
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Nach dem Terroranschlag in Wien: Die österreichische Hauptstadt zwischen Trauer, Schock und Trotz.

Wien - Auch am Tag nach dem schrecklichen Terroranschlag sitzt der Schock in Wien tief. Die Menschen können es immer noch nicht fassen, was am Montagabend, 2. November, im Herzen der österreichischen Hauptstadt passiert ist.

Ausgerechnet an einem milden Abend in den letzten Stunden vor dem zweiten Corona-Lockdown in Österreich, ausgerechnet in der Ausgehmeile zwischen Wiens historischer Altstadt und dem Donaukanal - der Attentäter Kujtim F. hätte kaum einen belebteren Ort für seine schrecklichen Taten finden können. Die Terrassen der Lokale sind voll, scharenweise stehen Menschen an so einem Abend um die Würstelstände am trubeligen Verkehrsknoten Schwedenplatz.

Wiener Anschlag mitten ins Wiener Herz

Ein Wiener Anschlag mitten ins Wiener Herz - trotz aller Fassungslosigkeit reagierte die Stadt auf ihre eigene Art und Weise. „Schleich di, du Oarschloch“, rief ein Wiener aus seinem Fenster dem schießenden Attentäter hinterher, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) nun berichtet. Der Moment, auf Video eingefangen, ging viral als Symbol für die Widerstandsfähigkeit der Stadt. Ein anderer Mann soll einem der Terroristen sogar eine Vase nachgeworfen haben.

Inzwischen haben sich auch weitere Augenzeugen der Terror-Nacht geäußert. Demnach feuerte ein Mann gegen 20 Uhr wahllos in die Lokale, ehe er durch verschiedene Straßen weiterzog. „Plötzlich fielen Schüsse, erst so 20, dann acht und dann wieder 20“, schildert ein Augenzeuge gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Er habe das Geschehen anfangs gar nicht einordnen können. „Wer denkt denn in Wien an einen Anschlag?“

„Es ist eine völlige Katastrophe“

„Wir sind losgerannt“, sagte eine 30-Jährige, die am Montagabend nur ein paar Gassen entfernt mit drei Freunden vor einer Bar saß. Im Chaos habe sie ein Mann in ein Bürogebäude gewunken, etwa zu zehnt harrten sie dort bis in die frühen Morgenstunden aus. Zuvor hätten schwerbewaffnete Polizisten die Passanten wiederholt lautstark aufgefordert, die Straßen schleunigst zu verlassen.

„Schockiert sind wir, es ist eine völlige Katastrophe“, sagte unterdessen ein 45-jähriger Gastwirt, der in seinem Lokal nach dem Rechten schaute, nachdem am Terrorabend etwa 35 Gäste und Kellner bis um 2 Uhr morgens bei ihm ausgeharrt hatten. „Wir alle wollten doch noch ein bisschen Freiheit vor dem Lockdown genießen. (...) Es kann überall passieren, damit muss man rechnen“, erläuterte eine ältere Frau auf dem Weg ins Büro. Angst scheint sie keine zu haben: „Ich habe den Eindruck, dass das Innenministerium und die Polizei das gut im Griff haben.“

Großeinsatz nach Anschlag in Wien

Großeinsatz nach Anschlag in Wien
Anschlag in Wien © picture alliance/Ronald Zak/AP/dpa
Großeinsatz nach Anschlag in Wien
Anschlag in Wien © picture alliance/Ronald Zak/AP/dpa
Großeinsatz nach Anschlag in Wien
Anschlag in Wien © picture alliance/Georg Hochmuth/APA/dpa
Großeinsatz nach Anschlag in Wien
Anschlag in Wien © picture alliance/Roland Schlager/APA/dpa
Großeinsatz nach Anschlag in Wien
Anschlag in Wien © picture alliance/Herbert Neubauer/APA/dpa
Großeinsatz nach Anschlag in Wien
Anschlag in Wien © picture alliance/Georg Hochmuth/APA/dpa
Großeinsatz nach Anschlag in Wien
Anschlag in Wien © picture alliance/Georg Hochmuth/APA/dpa
Großeinsatz nach Anschlag in Wien
Anschlag in Wien © picture alliance/Roland Schlager/APA/dpa
Großeinsatz nach Anschlag in Wien
Anschlag in Wien © picture alliance/Roland Schlager/APA/dpa
Großeinsatz nach Anschlag in Wien
Anschlag in Wien © picture alliance/Georg Hochmuth/APA/dpa

Vier Tote und über 20 Verletzte

Bei dem Anschlag am Montagabend gegen 20 Uhr wurden insgesamt vier Passanten getötet, darunter eine Deutsche (News-Ticker zum Nachlesen). Einer der Attentäter, der 20-jährige polizeibekannte Kujtim F., wurde neun Minuten nach dem ersten Schuss von der Polizei erschossen. Insgesamt 22 Personen wurden zum Teil schwer verletzt, einige schweben auch am Mittwochmorgen noch in Lebensgefahr. Schlagzeilen machte anschließend auch der heldenhafte Einsatz zweier junger Männer, die am Schwedenplatz einer älteren Frau und einem angeschossenen Polizisten das Leben retteten.

Nach der Tat herrschte in der Stadt bis zum nächsten Morgen der absolute Ausnahmezustand. 1000 Polizisten waren im Einsatz, es gab Hausdurchsuchungen und am folgenden Morgen weitere Festnahmen. Was bleibt, ist eine schwarze Nacht mit „widerwärtigen Terroranschlägen“, die, wie Kanzler Kurz (ÖVP) es formulierte, auf traurige Weise in die Geschichte Österreichs eingehen wird. Eine Nacht, an die man sich nicht nur in Wien lange erinnern wird...

mw (mit Material der dpa)

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