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„Es wird kein euphorischer Winter werden“

Wintertourismus braucht knapp ein Prozent von Österreichs Energie

Schneekanonen am Kitzsteinhorn
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Seit 7. Oktober ist das Skifahren am Kitzsteinhorn möglich

Nach zwei Corona-Wintern beherrscht der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die daraus folgenden, wirtschaftlichen Folgen schon jetzt die bevorstehende Wintersaison. „Es wird kein euphorischer Winter werden“, so Norbert Karlsböck von den Bergbahnen am Kitzsteinhorn, die seit Anfang Oktober schon in Betrieb sind.

Saalbach/ Kaprun/ Zell am See – „In Krisen wächst die Sehnsucht nach einem unbeschwerten Leben, nach Natur, Sport und sozialen Kontakten. All das bieten wir beim Skifahren“. Die Tageskarte mit 66 Euro sei teurer geworden, und ja, man könne bis zu 15 Prozent Energie einsparen, aber alle Bergbahnen hätten schon seit Jahrzehnten auf Energieeffizienz gesetzt. Die Bergbahnen Kaprun haben zum Beispiel ein eigens Wasserkraftwerk mit drei Turbinen. 

Bereits einen Meter Neuschnee meldet das Gletscher-Skigebiet am Kitzsteinhorn seit Mitte September. „Wir konnten wie gewohnt am zweiten Oktoberwochenende unseren Skibetrieb starten und wir alle haben bei den Skifahrern die Sehnsucht nach Natur und Sport gemerkt“, so Karlsböck. Es könne eine gute Wintersaison werden, „aber es wird kein euphorischer Winter“. Maßgebend dafür sind nicht nur die steigenden Energiepreise, sondern auch eine Pandemie, die nur gefühlt zu Ende ist.

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache. So haben sich die Infektionszahlen im Bundesland Salzburg auf einem sehr hohen Niveau eingependelt. Das gesamte Land meldet eine Inzidenz von 1144. Der Pinzgau liegt mit 927 nicht sehr viel darunter. Der österreichische Gesundheitsminister Johannes Rauch schließt aber eine neuerliche Maskenpflicht derzeit aus. Die Bergbahnen im Salzburger Pinzgau sind aber auf mögliche, neue Corona-Maßnahmen vorbereitet: „Wir haben seit 2020 alle Varianten der Corona-Maßnahmen mitgemacht, von Maske tragen bis Zusperren. Wir sind gewappnet“, so Erich Egger, Vorstand der Schmittenhöhe Bahn Zell am See.

Der vergangene Winter 2021/2022 sei nach dem Ende der Maßnahmen ab Februar 2022 sehr gut gelaufen. Bis dahin hinderte besonders eine deutsche Quarantänevorschrift für Kinder nach der Rückkehr aus dem damaligen Virusvariantengebiet Österreich deutsche Familien am Skiurlaub in Österreich. 

Wintertourismus im Energiesparmodus

Nach den Corona-Jahren dachten viele Seilbahner, diese Herausforderungen seien nicht mehr zu toppen, doch sie seien jetzt noch größer geworden. In diesem Winter sind die Inflation und die hohen Energiepreise die bestimmenden Themen, in der (grünen) Öffentlichkeit wurden sofort Österreichs Seilbahnen in den Mittelpunkt gerückt, mit den Fragen, ob es einen Nacht-Skilauf mit Flutlicht, beheizte Sitze und Kunstschnee auf jeder noch so abseits gelegenen Piste wirklich brauche.

„Dabei verbraucht der Wintertourismus nur knapp ein Prozent oder 2780 Gigawattstunden Energie pro Jahr“, zitiert Erich Egger aus Zell am See eine aktuelle Aufstellung des Umweltbundesamtes. Mit Energie ist allerdings nicht nur Strom gemeint, sondern auch Öl, Gas, Wärme und Biogene. Monika Mörth vom Umweltbundesamt in Wien bestätigt: „Unsere Analyse zeigt auch eine drastische Reduktion des Energieverbrauches im Tourismus in den Jahren von 2008 bis 2019. In diesem Zeitraum konnten die Nächtigungen um rund 20 Prozent gesteigert, aber der Energieverbrauch um 44 Prozent gesenkt werden, konkret bedeutet das eine Senkung des Energieverbrauchs um mehr als 50 Prozent pro Nächtigung. Damit ist der Tourismus ein Vorbild“. Egger konnte sich einen Seitenhieb an die Stromwirtschaft in diesem Zusammenhang nicht verkneifen: „Stromversorger und andere Branchen hätten also durchaus von uns lernen können“. 

Karlsböck ergänzt, dass Stromerzeugung und Energiesparen bei allen Bergbahnen schon seit Jahren vorrangig bespielt würden. „Wir haben zum Beispiel ein eigenes Wasserkraftwerk mit bald drei Turbinen, anfangs wurden wir dafür belächelt.“ Auch die Abwärme von Motoren werde genutzt. Alle Seilbahnen könnten schon zehn bis 15 Prozent eigenen Strom produzieren. „Wenn alle Branchen so sparen würden, dann würden wir die Krise unter Kontrolle bringen“, ist sich Karlsböck sicher. 

Wer kann sich Skifahren noch leisten?

Die zum Teil vervierfachten Kosten für den zugekauften Strom müssten aber auch die Seilbahnen weitergeben. Die Pinzgauer Seilbahnen haben ihre Preise zwischen 6,5 bis 11 Prozent angehoben. In der medialen Öffentlichkeit wird zum Vergleich immer der Preis für die Tagesskikarte herangezogen, obwohl sie in allen Skigebieten beim Verkauf mit nur fünf Prozent Anteil kaum eine Rolle spielt. Sie kosten heuer in Saalbach-Hinterglemm, Zell am See und Kaprun 66 Euro. „Das ist ein fixer Preis“, so Isabella Dschulnigg von den Bergbahnen Saalbach. Ein flexibles Preissystem, also wer früher online bucht, bekommt ein günstigeres Ticket, wollte man im Pinzgau bewusst nicht: „Es gibt schon so viele Unsicherheiten in dieser Zeit für die Gäste, da wollten wir zumindest beim Preis eine Art Sicherheit bieten“.

Andere Skiverbünde wie das Ski Amadé-Gebiet, darin zum Beispiel Flachau, Altenmarkt oder das Gasteinertal, setzen sehr wohl auf variable Preise, je nach Auslastung und Nachfrage kostet das Tagesticket bis zu 68,50 Euro, also knapp unter der 70-Euro-Schmerzgrenze.

hud

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