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Urteil in Salzburg gefallen

Acht Schüsse auf Unternehmer in Zell am See: 32-Jähriger muss 20 Jahre in den Knast

Angeklagter vor Gericht
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Der Angeklagte zeigte sich vor Gericht wenig aussagefreudig.

Wegen insgesamt acht Schüssen auf einen Wiener Geschäftsmann mit arabischen Wurzeln in der Zeller Innenstadt musste sich seit Mittwoch (13. Oktober) ein 32-jähriger Niederländer wegen Mordversuch vor einem Geschworenengericht verantworten. Nun ist das Urteil gefallen.

Update, 16. Oktober, 9.45 Uhr - Urteil gefallen

Ein am Mittwoch in Salzburg gestarteter Prozess gegen einen Niederländer ist am Freitag (15. Oktober) mit einem Schuldspruch wegen versuchten Mordes zu Ende gegangen. Der 32-Jährige wurde von den Geschworenen für schuldig erkannt und zu 20 Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Zudem soll er in eine Anstalt für zurechnungsfähige, geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Erstmeldung:

Zell am See - Der angeklagte, sehr wortkarge Holländer mit 14 Vorstrafen, davon fünf einschlägige Gewalttaten, sagte bei seiner Einvernahme am Vormittag nur, dass er das spätere Opfer erst am 7. Juli kennengelernt habe, sie hätten dann gemeinsam Wodka getrunken und der Wiener solle ihn dann gefragt haben, ob er denn Kokain hätte. Er habe ihm daraufhin ein halbes Gramm gegeben, der Wiener sei in der Folge sehr emotional geworden und habe ihm weinend von einem geschäftlichen Konkurrenten in Zell am See erzählt, der ihm das neu begonnene E-Scooter Geschäft abluchsen wollte. 

Der Wiener soll den Angeklagten dann gefragt haben, ob er eine Schusswaffe habe, dieser habe ihm daraufhin am Handy ein Foto gezeigt und gemeint, für 850 Euro könnte er die Waffe mit Munition haben. Sie seien dann nach Mitternacht in das Auto des Wieners gestiegen, dort habe sich der Wiener die Waffe genauer angeschaut, „das hat ihm sehr imponiert dass er eine Waffe in der Hand hat“, so der angeklagte Holländer. Plötzlich habe der Wiener nicht weiterfahren wollen, „dann gib mir meine Waffe zurück“, soll der Holländer gesagt haben, der Wiener soll dann aber die Waffe auf den Holländer gerichtet haben, bei einem Handgemenge im Wagen des Opfers soll sich dann der erste Schuss gelöst haben. Der Holländer soll dann die Waffe in die Hände bekommen haben und mehrmals auf den Wiener geschossen haben, insgesamt drei Mal im Auto und weitere drei Mal von außen, also insgesamt sieben Mal, „aber ich wollte ihn nicht töten, sonst hätte ich ja ins Gesicht schießen können, ich habe nur auf seine Beine geschossen“. Später habe er den Wiener in den Kofferraum gelegt und gemeint, dass er nicht mehr lebe. Dann habe er noch einmal auf die vermeintliche Leiche geschossen. Soweit die Version des Angeklagten, die von der Version des Opfers deutlich abweicht. 

Opfer mit ganz anderer Version

Das Opfer, der 41-jährige Wiener schildert die Ereignisse am 7. und 8. Juli vergangenen Jahres zum Teil ganz anders: Er habe den Angeklagten erst am 7. Juli 2020 kennengelernt, dieser sei in sein Geschäft gekommen und habe gefragt, wo der nächste Western Union-Shop sei, „dann brauchte er Hilfe um Geld abzuheben, er wollte sich ein Auto leihen um einen Freund in Flintsbach abzuholen“. Später am Abend sei der Holländer wieder in sein Geschäft gekommen, es habe sich eine Art Trinkgelage entwickelt haben, die Frage, ob auch Drogen konsumiert wurden beantwortete der Wiener nicht.

„Habe mich tot gestellt“

Der Angeklagte habe ihn schon im Geschäft plötzlich mit der Waffe bedroht, „ich sollte ihn nach Bayern fahren, es war mehr als eine Bedrohung für mich“. Er hätte dann mit dem Angeklagten in das Auto steigen müssen und dort seien dann die ersten Schüsse gefallen als er dem Holländer die Waffe entreißen wollte. Nach insgesamt sieben Schüssen in der Straße vor seinem Geschäft habe er sich tot gestellt in der Hoffnung, dass der Holländer verschwinden werde. Doch dieser ging nur kurz in sein nahes Appartement, lud die Waffe nach und kam zum Auto mit dem schwer verletzten Wiener zurück. Er gab noch einen Schuss auf den am Boden liegenden Wiener ab, dann hatte die Waffe eine Ladehemmung. Daraufhin soll der Holländer den Wiener in den Kofferraum gelegt und in einen Wald gefahren sein, dort habe er sich der vermeintlichen Leiche entledigt. 

Opfer war klinisch tot

Sowohl der Gerichtsmediziner, als auch der Wiener selbst schildern ausführlich die schweren Verletzungen nach den acht Schüssen. „Das Opfer hatte einen mehrfachen Herzstillstand bei der ersten Operation in Zell am See, er war tot, konnte dann aber reanimiert werden“. Am Morgen sei er dann in das Landeskrankenhaus nach Salzburg geflogen worden, wo er über einen Zeitraum von drei Monaten insgesamt lang elf Mal operiert wurde. Es kam zu zahlreichen Komplikationen wie einer Blutvergiftung. Das Opfer berichtete, das er seit der Tat insgesamt acht Monate in Kliniken war, „ich hatte zwei Mal ein Hirnversagen und habe heute nur eine Herzkapazität von 40 Prozent, zwei der acht Projektile sind noch in meinem Körper“. Außerdem sei er in 

psychotherapeutischer Behandlung und könne den Alltag alleine nicht bewältigen. 

Psychologe: Weitere, schwere Straftaten möglich

Der psychologische Gutachter stellte zusammenfassend eine dissoziale Entwicklungsstörung beim Angeklagten fest, der immer wieder Probleme mit der Polizei und der Justiz habe und erst wenige Wochen vor der Tat in Zell am See von einer langjährigen Haftstrafe freikam. „Wie kann aus dem Betreten eines Geschäfts mit der Frage „Wo gibt’s Western Union“ am Ende so eine Bluttat entstehen? Das ist fast Gleichzusetzen mit einer geistigen Abartigkeit“, so der Gutachter, und weiter an die Geschworenen gerichtet, „wenn sie am Ende seine Version der Tat glauben dann wäre dies auch mit der Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher zu beantworten“.

hud