Österreichs "abtrünnige Provinz" ist nun Risikogebiet

Zigtausende Deutsche fragen sich: Wo liegt eigentlich dieses ominöse „Vorarlberg“?

Blick über Bregenz-Vorkloster
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Ein Blick über Bregenz-Vorkloster hin zum Bodensee.

Berlin/Bregenz - Die Deutsche Regierung hat vor wenigen Tagen weitere Regionen Österreichs als Risikogebiet ausgewiesen - darunter Vorarlberg. Doch wo liegt das eigentlich? Die Suchanfragen schnellten in die Höhe.

Die Corona-Infektionszahlen in Österreich sind in der letzten Zeit wieder stark angestiegen. Die Deutsche Regierung hat deshalb mehrere Regionen als Risikogebiete ausgewiesen - neben Tirol und Wien auch Vorarlberg.

Während Tirol und Wien den allermeisten Deutschen ein Begriff sein dürften, scheint dies bei Vorarlberg nicht der Fall gewesen zu sein, wie „vol.at“ berichtet. Binnen kürzester Zeit schnellten die Suchanfragen - etwa auf Wikipedia - hoch, wie dieser Tweet zeigt:

Und wo liegt dieses „Vorarlberg“ nun wirklich? Bei dem knapp 400.000 Einwohner zählenden Vorarlberg handelt es sich um das westlichste Bundesland Österreichs. Es grenzt an die Schweiz, Liechtenstein und an Deutschland - genauer gesagt sogar an Bayern. Rein historisch besehen ist Vorarlberg eines der jüngsten Bundesländer Österreichs, war es doch jahrhundertelang Teil Tirols und erlangte erst 1918 seine „Unabhängigkeit“.

Ein österreichischer Sonderfall

Vorarlberg ist eine Art österreichischer Sonderfall. Denn während das restliche Österreich zum bajuwarischen Sprachgebiet gehört, wird in Vorarlberg - von den Einwohnern des Bundeslandes auch „Ländle" genannt - alemannisch gesprochen. Im nördlichen Landesteil geht das Idiom eher in Richtung des Südschwäbisch-Allgäuerischen, während in westlichen und südlichen Landesteilen Übergänge zum Schweizerischen hörbar sind. Das führt auch dazu, dass die kulturellen Bezugspunkte der Bevölkerung zum allemannischsprachigen Bodenseegebiet und der Ostschweiz stärker sind als zum restlichen Österreich.

Sezessionistische Tendenzen in der Vergangenheit

Die kulturelle Andersartigkeit der Vorarlberger führte in der Vergangenheit oft zu Autonomie- und gar Sezessionsbestrebungen der Bevölkerung. Nach dem 1. Weltkrieg wurde eine Abstimmung über einen Anschluss an die Schweiz abgehalten, über 80 Prozent der Bevölkerung votierten dafür.

Umfragen beweisen: Anschluss an Schweiz ist populär

Dass diese Gedanken in der Bevölkerung immer noch Anklang finden, beweisen Umfragen. In einer nicht repräsentativen Umfrage des Vorarlberger Nachrichtenportals „VOL.AT" etwa sprachen sich vor zwei Jahren über 65 Prozent der teilnehmenden User für einen Anschluss an die Schweiz aus. Eine Umfrage eines regionalen Radiosenders ergab zwar niedrigere Zustimmungswerte, aber immer noch eine Mehrheit, die das Ansinnen befürworteten.

Die Ergebnisse der Umfragen wurden auch in der Eidgenossenschaft registriert. Ein Ostschweizer Politiker brachte die Möglichkeit eines Anschlusses Vorarlbergs aufs Tableau - ein Antragstext wurde verfasst, der Kantonsrat St. Gallen mit der Thematik befasst. In Österreich und internationalen Medien schlug die Causa hohe Wellen. Unter dem Eindruck der Berichterstattung gaben Vorarlberger Politiker Stellungnahmen ab. Fast einhelliger Tenor: Ein Staatenwechsel komme nicht in Betracht. Auch von Schweizer Seite wurde der Vorstoß nicht weiter verfolgt.

Wirtschaftlich dynamische Region

In wirtschaftlicher Hinsicht gilt Vorarlberg als eine der dynamischsten Regionen in Europa. Zahlreiche exportorientierte und international tätige Unternehmen sind hier ansässig, so etwa die Firmen Rauch, Pfanner, Gebrüder Weiß, Grass, Blum, Doppelmayr, Zumtobel, die Rhomberg-Gruppe sowie Alpla.

Vorarlberg liegt im äußersten Westen Österreichs

*Bild: Andreas Griessner, lizensiert unter CC BY-SA, File:Austria vbg.svg 

Kultur: Festspiele und Angelika-Kauffmann-Museum

Auf kulturellem Gebiet kann Vorarlberg vor allem mit den Bregenzer Festspielen aufwarten, die weit über die Grenzen bekannt sind. Selbiges lässt sich auch vom Angelika-Kauffmann-Museum in Schwarzenberg behaupten. Und wenngleich sich Vorarlberg in erster Linie als modernes Industrie-Bundesland versteht, so genießt der Tourismus doch eine weit zurückreichende Tradition im „Ländle".

-dp-

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