Anschütz-Thoms schielt auf das Treppchen

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Daniela Anschütz-Thomas.

Hamar - Titelverteidigerin Claudia Pechstein sitzt frustriert vor dem Fernseher, die Vorjahrs-Zweite Daniela Anschütz-Thoms ist auf Olympia fixiert: Bei den zum vierten Mal in Hamar stattfindenden Eisschnelllauf-Europameisterschaften droht eine lange deutsche Gold-Serie zu reißen.

 1994 gewann Gunda Niemann im “Wikingerschiff“ den Titel, 2000 war Anni Friesinger nicht zu schlagen, 2006 dominierte die seit Juli 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrte Pechstein.

“Natürlich schiele ich mit einem Auge aufs Treppchen. Aber mein Trainer meint, das macht keinen Sinn“, sagte Team-Olympiasiegerin Daniela Anschütz-Thoms angesichts des heftigen Trainingsprogramms der vergangenen Wochen. “Ich bin selber gespannt, was rauskommt. Eigentlich darf ich aber wirklich nicht zu viel erwarten, schließlich habe ich nicht einen Schritt für die 500 Meter getan“, sagte die 35 Jahre alte Erfurterin, die nach ihre zweiten Plätzen 2005 und 2009 nun bei ihrem zwölften EM-Start in Serie die größten deutschen Hoffnungen trägt.

Ihr routinierte Trainer Stephan Gneupel hat in Newcomerin Stephanie Beckert und deren 19-jährigen Bruder Patrick sowie Sprinterin Judith Hesse drei weitere Olympia-Eisen im Feuer. “Es geht für “Schützi“ um eine Olympia-Medaille, egal ob über 3000 oder 5000 Meter. Was da bei der EM rauskommt, ist eigentlich Wurst“, meinte der Erfurter. “Auch wenn es für Daniela ein bissel schwierig ist, denn sie hat ja einiges zu verteidigen“, räumte Gneupel ein.

Hinter seinen Schützlingen liegen die härtesten zwei Wochen des Winters. Sogar am ersten Weihnachtstag und zu Neujahr absolvierte die Gruppe je zwei aufwendige Trainingseinheiten. “Ich war selber erstaunt über meine Sportler, die das ohne Murren verkrafteten. Und alle kamen nüchtern zum Training“, berichtete Gneupel, der mit seinem harten Programm bei zurückliegenden Spielen mit Gunda Niemann oder Sabine Völker überaus erfolgreich war.

Als Top-Favoriten auf den Allround-Titel sieht Daniela Anschütz- Thoms Weltmeisterin Martina Sablikova aus Tschechien und Olympiasiegerin Ireen Wüst: “Die hat gerade die Olympia-Qualifikation in den Niederlanden hinter sich. Sie ist in Topform.“ Ob ihre zwölfte EM auch ihre letzte sein wird, will die Thüringerin noch nicht verkünden. “Es werden meine letzten Olympischen Spiele, aber über alles andere entscheide ich erst nach der Saison“, sagte sie.

Ohne Chance im Vierkampf ist aufgrund ihrer Sprintschwäche Stephanie Beckert, die in diesem Winter mit zwei Weltcupsiegen über 3000 Meter aufhorchen ließ und als Medaillen-Kandidatin bei Olympia gilt. Bei ihrer EM-Premiere im Vorjahr belegte die heute 21-Jährige Rang 12, eine Top-10-Platzierung ist ihr diesmal durchaus zuzutrauen.

Höhergesteckt sind die Ziele des Erfurters Robert Lehmann, der nach verpasster Norm nur noch geringe Hoffnungen auf einen Olympia- Start hegt. Der EM-Sechste des Vorjahres will mindestens wieder in die Top Acht, während seine für Olympia nominierten Teamgefährten Marco Weber und Patrick Beckert unter die besten 12 kommen wollen, um den dritten EM-Startplatz auch für 2011 zu sichern. Haushoher Favorit auf seinen vierten EM-Erfolg in Serie ist der Niederländer Sven Kramer, der bei Olympia viermal an den Start gehen will.

dpa

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