Biathlon: Fast jeder 2. glaubt an Doping

Leipzig - Jeder Zweite glaubt, dass es im Biathlon-Sport nicht ganz sauber zugeht. Das ist das Ergebnis einer neuen Umfrage, die aber auch positive Resultate im Hinblick auf die Heim-WM bringt.

25 Jahre, Superstar - und keine Lust mehr: Magdalena Neuners Entscheidung, im besten Sportler-Alter dem Biathlon-Zirkus servus zu sagen, stößt bei den Deutschen auf Respekt. Doch mehr als jeder Dritte wünscht sich, dass die Sportlerin des Jahres ihr Gewehr noch nicht in die Ecke stellt und wenigstens bis zu den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi weitermacht. Das gaben 37 Prozent in einer Befragung des Marktforschungsinstituts YouGov an.

Erstaunlich: Mit 43 Prozent sprachen sie deutlich mehr Männer als Frauen (32 Prozent) dafür aus, dass die hübsche Wallgauerin noch nicht aufhört. Immerhin 36 Prozent haben Verständnis für den frühen Rücktritt der Rekordweltmeisterin. 27 Prozent hatten dazu keine Meinung.

Geht es nach den 1060 Befragten, wird die am 29. Februar in Ruhpolding beginnenden Heim-WM aus deutscher Sicht erfolgreich. 35 Prozent trauen den Athleten um Neuner und Sprint-Weltmeister Arnd Peiffer in den elf Wettbewerben mindestens vier bis sechs Medaillen zu. 31 Prozent setzen auf den Gewinn von ein bis drei Plaketten, zehn Prozent hoffen auf sieben bis acht. Der unwahrscheinliche Fall, dass alle 33 Medaillen in Deutschland bleiben, ist nur für ein Prozent vorstellbar.

Trotz des Karriereendes von Magdalena Neuner bleibt Biathlon auch in Zukunft die Wintersport-Art Nummer eins - das ist das herausragende Ergebnis der Umfrage. 76 Prozent sind der Überzeugung, dass auch in fünf Jahren der Biathlon-Boom anhält. “Es gab schon auch ganz große Athleten, die irgendwann ihre Karriere mal beendet haben. Und es wird auch danach wieder Athleten geben, die sicherlich solch eine Lücke schließen können“, sagte Damen-Coach Ricco Groß.

Nur neun Prozent glauben, dass die Faszination nachlässt und Biathlon im Fernsehen nicht mehr so präsent sein wird. Eindeutig ist auch: Im Sommer hat Biathlon keine Chance. Lediglich 12 Prozent würden sich auch Rennen auf Skirollern anschauen, eine deutliche Mehrheit von 76 Prozent hat daran kein Interesse.

Doch Popularität schützt vor Misstrauen nicht. 47 Prozent sind sich sicher: Die Biathleten sind nicht ganz sauber und helfen mit Mittelchen zur Leistungssteigerung nach. Hier sind es mit 50 Prozent auch mehr Männer als Frauen (44), die davon überzeugt sind. Nur 18 Prozent glauben an einen dopingfreien Biathlon-Sport. 35 Prozent haben zu diesem Thema keine Meinung.

Von ungefähr kommt das Meinungsbild nicht. Seit 2006 wurden vier russische Spitzen-Athleten des Dopings überführt und gesperrt. Die Finnin Kaisa Varis wurde 2008 als Wiederholungstäterin lebenslang vom Sport ausgeschlossen. Auch die Österreicher Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann wurden wegen Blutdopings gesperrt.

Die Deutschen waren in der Saison 2007/08 von Dopingverdächtigungen betroffen, als es um den Skandal mit einer Wiener Blutbank ging. Aber weder Namen noch konkrete Beweise wurden veröffentlicht. Vor dem Beginn der WM 2008 in Östersund versicherten die Deutschen in einer eidesstattlichen Erklärung, nie Kontakt zu der verdächtigten Blutbank gehabt zu haben.

“Die IBU führt unterschiedliche und komplexe Tests sowie Kontrollen während und außerhalb der Wettkämpfe durch. Ergänzend gibt es die weiteren nationale Kontrollmaßnahmen und Tests der einzelnen NADAs. Wenn ein Sportler dopt, werden wir dies herausfinden“, teilte der Weltverband IBU auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.

dpa

Doping: Die merkwürdigsten Ausreden

Alberto Contador erklärte seine positive Doping-Probe mit verunreinigtem Essen. Er wurde daraufhin freigesprochen. Es ist nicht die erste merkwürdige Erklärung in der Geschichte des Dopings. © AP
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Der Klassiker: Wer hat die Dopingmittel in Dieter Baumanns Zahnpastatube deponiert? © ots/dpa/Getty
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Adrian Mutu: Der rumänische Fußballspieler sagte 2004 nach einer positiven Dopingprobe, er habe lediglich ein Mittel zur “Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit“ genommen. Zuvor hatte er zugegeben, Kokain genommen zu haben, dieses Geständnis wenige Tage später jedoch widerrufen. © Getty
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Die Lebensmittelvergiftung der anderen Art: Ex-Sprinter Linford Christie beteuert: „Ich habe nicht gedopt, ich habe nur Avocados gegessen!“ © Getty
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Gefährliche Mitbringsel: Die aus Südamerika importierten Bonbons sollen mit Koks verseucht gewesen sein, meint Straßenrad-Star Gilberto Simoni. © Getty
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Justin Gatlin gab einem Masseur die Schuld. Der soll ihn nämlich mit einer testosteronhaltigen Salbe bearbeitet haben. Es soll sich sogar um eine fiese Retourkutsche des Profikneters gehandelt haben, meint Gatlin. © Getty
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Christian Henn, ehemals Radprofi, wollte eigentlich nur der eigenen Libido auf die Sprünge helfen. Ein Spezialtee wurde ihm zum Verhängnis. © Getty
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Zu tief ins Glas geschaut und damit den Testosteronspiegel erhöht. Floyd Landis schiebt‘s auf den Whiskey  © Getty
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Jan Ullrich ließ sich in einer Disco Ecstacy andrehen. „Ulle“ schluckte die Tabletten, ohne sich dabei etwas gedacht haben zu wollen. “Ich war den Abend ziemlich mies drauf. Das waren zwei Tabletten, wo mir bestätigt wurde, (...) und dass das eigentlich harmloses Zeug ist.“ Wer ihm die Tabletten gab, sagte er nicht. “Zu den Tabletten kann ich gar nichts sagen, ich kenn' kein Ecstasy. Ich weiß nicht wie das aussieht. Ich bin um die Ecken gezogen und war in verschiedenen Läden. Ich möchte keinen Unschuldigen da mit reinziehen.“ © Getty
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Claudia Pechstein: “Ich weiß nun, dass ich eine Blutmacke habe, aber nicht krank bin“, sagte die Eisschnellläuferin. Die Sportlerin war 2009 wegen auffälliger Blutwerte gesperrt worden. Später erklärten Ärzte, ein von ihrem Vater vererbter Gen-Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte verantwortlich. © dpa
Ivonne Kraft: Den positiven Test auf das Asthma-Mittel Fenoterol erklärte die Mountainbikerin 2007 mit einer explodierten Sprühflasche. Ihre Mutter habe Asthma-Spray benutzen wollen, dann sei die Flasche explodiert und sie habe die Substanz offenbar eingeatmet. © Getty

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