Hinter den Kulissen des Biathlon-Weltcups

Stadionsprecher in Ruhpolding: "Du bist hier, damit du Stimmung machst..."

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Karlheinz Kas ist nun im 18. Jahr als Stadion- und Streckensprecher in Ruhpolding aktiv.

Vielen kennen ihn aus der Radiosendung "Heute im Stadion". In Ruhpolding beim Weltcup ist Karlheinz Kas jedoch die "Stimme des Biathlons". Er ist im Stadion als Streckensprecher überall zu hören - und mit Leib und Seele voll dabei.

Ruhpolding - Als der Deutsche Philipp Nawrath am Donnerstag, 16. Januar, beim Sprint der Männer plötzlich mit der hohen Startnummer 77 aufhorchen lässt und zwischenzeitlich sogar auf Podestkurs liegt, zeigt sich das ganz besonders deutlich. Kas fiebert am Mikro mit. "Er (Anm. der Red.: Philipp Nawrath) läuft ein sensationelles Rennen", kommentiert er mitreißend und als Nawrath in einer lang gezogenen Kurve kurz vor dem Stadion kurzzeitig aus dem Blickfeld der TV-Kameras und damit auch der Videowalls verschwindet, brüllt der Trostberger: "Wir wollen den Philipp Nawrath sehen..."


Kas moderiert die Wettkämpfe in der Chiemgau-Arena heuer bereits zum 18. Mal. Der 64-Jährige hat klare Vorstellungen, wie ein Moderator beim Biathlon arbeiten muss: "Das Wichtigste ist seine Stimme. Das heißt, er darf abends im Champions Park nicht zu lange unterwegs sein und nicht zu viel Alkohol trinken. Es hat schon Zeiten gegeben, da war ich die ersten zwei, drei Tage ganz schön exzessiv unterwegs. Das habe ich dann büßen müssen", erzählt Kas schmunzelnd im Gespräch mit chiemgau24.de*.

Vorbereitungen und Ablauf genau durchgetaktet

Die Vorbereitungen auf den Wettkampf-Marathon mit sechs Rennen in fünf Tagen beginnen bereits Wochen vorher. Kas holt sich dann in Salzburg bei einer Veranstaltung der International Biathlon Union (IBU) den offiziellen Guide, in dem viele Details zu Athleten, Trainer, Karrieren oder Veranstaltungsorten enthalten sind. "Ich mache mir für jeden Athleten eine eigene Seite und kann so zwei bis drei Minuten über jeden reden. Du weißt ja vorher nie, ob noch einer plötzlich von hinten ganz nach vorne reinläuft", so Kas, dem die perfekte Vorbereitung extrem wichtig ist.


Am Wettkampftag ist alles genau durchgeplant. "Ich bin im Champions Park quasi zuhause, denn ich wohne im Parkhotel. Das ist keine 20 Meter vom Kurhaus entfernt, quasi mittendrin. Man steht in der Früh um 8, 9 Uhr auf und frühstückt gemütlich." Auf dem Handy wirft Kas dann bereits einen ersten Blick auf die Startliste des Tages und ordnet anschließend seine Karteikarten über die Athleten entsprechend. "Das ist das Grundgerüst", so Kas, der anschließend in den VIP-Shuttle steigt und sich ins Stadion fahren lässt.

Ganz entscheidend ist für den Stimmungsmacher dann vor Rennbeginn das Gespräch mit Alois Reiter, dem Wettkampfleiter in Ruhpolding. "Das war mein Vorgänger hier am Mikrofon. Ein ganzer lieber Kerl, der stets alles im Griff hat", so Kas. Von Reiter erfährt Kas in einem rund 15-minütigen Briefing alles, was wichtig ist für den Wettkampf, wie zum Beispiel die Schneebeschaffenheit. "Das ist für mich sehr hilfreich. Und dieses Fachwissen versuche ich dann an die Zuschauer weiterzugeben." Eingebunden ist übrigens alles in einen minutiös getimten Ablaufplan, der ab zweieinhalb Stunden vor Rennbeginn dafür sorgt, dass auch wirklich nichts schief geht.

"Du bist hier, damit du Stimmung machst"

Doch zurück zu Philipp Nawrath. "Du bist hier, damit du Stimmung machst. Wenn ein Nawrath mit einer so hohen Startnummer die Chance hat, da ganz vorne reinzulaufen, dann ist das eine fantastische Geschichte. Du musst die Leute und Zuschauer pushen, das ist meine Aufgabe als Stadionsprecher", sagt Kas, der hörbar mitleidet, als in der letzten Runde Richtung Ziel die Kräfte bei Nawrath zusehends schwinden. Sekunde um Sekunde geht verloren, das Podest gerät immer mehr außer Reichweite. 

"Der Philipp Nawrath, unser Ruhpoldinger Burschi, macht das Rennen seines Lebens", feuert er ihn einen knappen Kilometer vor der Ziellinie lautstark an und beweist damit Fingerspitzengefühl. Es ist schließlich eine überragende Leistung des jungen Wahl-Ruhpoldingers in seinem ersten Weltcup-Einsatz in dieser Saison. Auch das Publikum gibt alles - doch es reicht nicht: Nawrath sprintet mit letzter Kraft über die Ziellinie und wird Siebter - mit lächerlichen 2,4 Sekunden Rückstand auf Platz 4. Kas' Fazit stand bereits vorher fest, als er bereits vor der letzten Kurve von einem "sensationellen Rennen" sprach. Und wenn das Biathlon-Spektakel am Sonntag rum ist, freut sich Kas bereits aufs nächste Jahr. Sportliche Langeweile droht ihm bis dahin aber nicht. Bereits in zwei Wochen ist Kas wieder bei "Heute im Stadion" beim Bundesliga-Topspiel FC Bayern gegen Schalke im Radio zu hören. Auch dort könnte es richtig spannend werden...

Quelle: chiemgau24.de

*chiemgau24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

mw

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