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„Heute ärgert mich fast meine Naivität damals“

Ehemaliger Weltklassebiathlet Birnbacher sauer über frühere Dopingvertuschungen bei der IBU

Andreas Birnbacher gehörte jahrelang zur Weltspitze im Biathlon und ist heute im Nachwuchs tätig.
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Andreas Birnbacher gehörte jahrelang zur Weltspitze im Biathlon und ist heute im Nachwuchs tätig.

Mit deutlichen Worten hat der ehemalige Weltklassebiathlet die Machenschaften der ehemaligen Spitze des Weltverbandes IBU kritisiert. Laut eines Berichts einer Kommission sollen vor allem Machenschaften bei Dopingvergehen russischer Biathleten vertuscht worden sein. Birnbacher fühlt sich schlichtweg als ehemaliger Athlet betrogen.

Schleching - Mit deutlichen Worten hat der ehemalige Biathlet Andi Birnbacher auf den Abschlussbericht einer unabhängigen und externen Überprüfungskommission des Weltverbandes IBU reagiert. Nach diesem Bericht sollen der ehemalige IBU-Präsident Anders Besseberg und die frühere Generalsekretärin des Verbandes, Nicole Resch, russische Machenschaften, auch im Doping, gedeckt haben.

„Ich bin richtig verärgert. Genau in dieser Zeit der Vorkommnisse bin ich Rennen gelaufen und konnte des Öfteren einige Leistungen von Athleten nicht nachvollziehen“, so Birnbacher. „Ich wünsche deshalb jedem, der diese Korruption toleriert und nur einen Hauch mehr als null Prozent Toleranz gegen Doping besitzt, folgendes zu beachten, was Leistungssport betrifft: Viele Jahre der Entbehrung bis zur absoluten Erschöpfung.

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Im März 2009 gibt Simon Schempp sein Weltcup-Debüt. Schnell etabliert er sich auch in der Staffel.
Im März 2009 gibt Simon Schempp sein Weltcup-Debüt. Schnell etabliert er sich auch in der Staffel.  © picture alliance / dpa | Hendrik Schmidt
2010 nimmt Schempp erstmals an Olympischen Spielen teil. Mit der Staffel wird er in Vancouver Fünfter.
2010 nimmt Schempp erstmals an Olympischen Spielen teil. Mit der Staffel wird er in Vancouver Fünfter. © picture alliance / dpa | Martin Schutt
Mit Arnd Peiffer(links), Simone Hauswald und Magdalena Neuner wird Schempp 2010 in Chantiy Mansijsk erstmals Staffel-Weltmeister.
Mit Arnd Peiffer(links), Simone Hauswald und Magdalena Neuner wird Schempp 2010 in Chantiy Mansijsk erstmals Staffel-Weltmeister.  © picture alliance / dpa | Sergei Ilnitsky
2014 gewinnt Schempp in Antholz sein erstes Weltcuprennen. Zeitgleich mit dem Italiener Lukas Hofer (rechts) kommt er ins Ziel.
2014 gewinnt Schempp in Antholz sein erstes Weltcuprennen. Zeitgleich mit dem Italiener Lukas Hofer (rechts) kommt er ins Ziel. © picture alliance / dpa | Daniel Dal Zennaro
In Sotschi gibt es 2014 die erste olympische Medaille für den Schwaben. Mit der Staffel holt er Bronze.
In Sotschi gibt es 2014 die erste olympische Medaille für den Schwaben. Mit der Staffel holt er Bronze. © picture alliance / dpa | Hendrik Schmidt
Schempp, Erik Lesser, Arnd Peiffer und Daniel Böhm freuen sich über Silber. Gegen die siegreiche russische Mannschaft besteht ein Dopingverdacht. Nachträglich könnte das deutsche Quartett also noch Olympiasieger werden.
Schempp, Erik Lesser, Arnd Peiffer und Daniel Böhm freuen sich über Silber. Gegen die siegreiche russische Mannschaft besteht ein Dopingverdacht. Nachträglich könnte das deutsche Quartett also noch Olympiasieger werden. © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
Schempp vor der Kulisse in Ruhpolding. Im Chiemgau findet der Schwabe seine Wahlheimat.
Schempp vor der Kulisse in Ruhpolding. Im Chiemgau findet der Schwabe seine Wahlheimat. © picture alliance / dpa | Marc Müller
2015 führt Schlussläufer Schempp (Mitte) die deutsche Staffel zu Gold. Seine Teamkollegen feiern ihn.
2015 führt Schlussläufer Schempp (Mitte) die deutsche Staffel zu Gold. Seine Teamkollegen feiern ihn. © picture alliance / dpa | Ralf Hirschberger
Mit Vanessa Hinz gewinnt er 2015 die World Team Challenge auf Schalke. Schempp zählt längst zu den besten Biathleten der Welt.
Mit Vanessa Hinz gewinnt er 2015 die World Team Challenge auf Schalke. Schempp zählt längst zu den besten Biathleten der Welt. © picture alliance / Friso Gentsch/dpa | Friso Gentsch
Der größte Erfolg seiner Karriere: 2017 wird Schempp in Hochfilzen Weltmeister im Massenstart.
Der größte Erfolg seiner Karriere: 2017 wird Schempp in Hochfilzen Weltmeister im Massenstart. © picture alliance / Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa | Martin Schutt
Schempp auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2018. Es werden seine letzten.
Schempp auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2018. Es werden seine letzten. © picture alliance / Andreas Gebert/dpa | Andreas Gebert
Es ist der dramatischste Moment seiner Karriere. Im Olympia-Massenstart 2018 wird Schempp im Zielsprint von Martin Fourcade geschlagen und holt Silber.
Es ist der dramatischste Moment seiner Karriere. Im Olympia-Massenstart 2018 wird Schempp im Zielsprint von Martin Fourcade geschlagen und holt Silber. © picture alliance / Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa | Hendrik Schmidt
Nach seiner Silbermedaille im Massenstart bei Olympia 2018 wird Schempp von seinem Team gefeiert.
Nach seiner Silbermedaille im Massenstart bei Olympia 2018 wird Schempp von seinem Team gefeiert. © picture alliance / Daniel Karmann/dpa | Daniel Karmann
Im Sommer 2018 stürzt Schempp mit dem Rad. Er will sich in die Weltspitze zurück kämpfen, findet aber den Anschluss nicht mehr.
Im Sommer 2018 stürzt Schempp mit dem Rad. Er will sich in die Weltspitze zurück kämpfen, findet aber den Anschluss nicht mehr. © picture alliance/dpa | Angelika Warmuth
Die Biathletin Franziska Preuß ist die Lebensgefährtin von Schempp. 2020 läuft er mit ihr bei der World-Team Challenge.
Die Biathletin Franziska Preuß ist die Lebensgefährtin von Schempp. 2020 läuft er mit ihr bei der World-Team Challenge. © picture alliance/dpa | Sven Hoppe
Beim Biathlon-Weltcup in Oberhof bestreitet Schempp sein letztes Rennen. Wenige Wochen später tritt er zurück.
Beim Biathlon-Weltcup in Oberhof bestreitet Schempp sein letztes Rennen. Wenige Wochen später tritt er zurück. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Martin Schutt

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Ich denke die Leute wissen überhaupt nicht, was ein Athlet leisten muss, bis er absolute Weltspitze im Ausdauersport ist“, so der 39-jährige und legt nach: „Im Kampf um ein paar Sekunden geht man ans Limit und in vielen Fällen auch mal drüber. Manchmal kann man dann seine Leistung nicht bringen, weil die Erschöpfung zu groß ist.“

Birnbacher schildert auch die Entbehrungen, die ein Weltklassesportler in jungen Jahren aufbringen muss. Da gibt es den Verzicht auf Treffen mit Freunden zu Partys und mit der Familie sowie weitere Einschränkungen, dem Sport wird alles untergeordnet. „Dafür durfte ich in den Rennen erleben, wie nachweislich gedopte Leute einen auf der Strecke überholten, unter Druck setzten und man verzweifelt versucht hat, vor einem Millionenpublikum nicht sein Gesicht zu verlieren“, ärgert sich Birnbacher auch Jahre nach dem Ende seiner sportlichen Laufbahn und spricht zum Beispiel Fehlschüsse am Schießstand an, weil er versucht hatte, sich an gedopten Sportlern läuferisch zu orientieren.

„Da ärgert mich fast meine Naivität“

„Mit dem Abstand heute ärgert mich fast meine Naivität damals, die man wahrscheinlich an den Tag legen musste um sich von dem ganzen nicht ablenken zu lassen. Es gab viele Doping-Fälle in dem Athletenfeld, in dem ich gelaufen bin. Da wurden nicht nur das Ergebnis, sondern auch die Rennverläufe kaputt gemacht. Das kann wahrscheinlich nur ein Athlet nachvollziehen, der sich mit maximaler Anstrengung auf der Runde bewegt“, schimpft der Sportler weiter.

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Abschließend bittet Birnbacher, der heute als Trainer arbeitet, alle Beteiligten sich in die Athleten hineinzuversetzen und nicht nur auf ihre eigenen Interessen zu achten. Laut dem Bericht der Untersuchungskommission ERC haben sich die Vorwürfe gegen die früheren Verantwortlichen des Weltverbandes IBU nochmals erhärtet. Ex-Präsident Besseberg soll nach vorliegenden Beweisen konsequent russische Interessen bevorzugt und geschützt haben.

Er soll offenbar keine Rücksicht auf ethische Werte genommen haben. Dafür soll er von den Russen mit Bestechungsgeldern, Jagdausflügen und Prostituierten belohnt worden sein. Nicole Resch wird vorgeworfen, vor allem bei der Verfolgung von russischen Dopingsündern nicht konsequent gewesen zu sein. Anders Besseberg war 25 Jahre an der Spitze der IBU und hat 2018 sein Amt ruhen lassen.

SHu

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