22 Jahre nach "Cool Runnings": Adjei nimmt Olympia in Angriff

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Der dunkelhäutige Anschieber Richard Adjei ist nach dem Weltcup-Sieg in Königssee fast am Ziel seiner Träume.

Königssee - Anfangs wurde Richard Adjei beäugt wie einst die jamaikanischen Bob-Exoten 1988 bei den Winterspielen in Calgary. Nun ist er Medaillen-Kandidat bei den olympischen Rennen in Vancouver.

Der dunkelhäutige Anschieber Richard Adjei ist nach dem Weltcup-Sieg in Königssee fast am Ziel seiner Träume. “Ich will für mein Land nach Vancouver, dafür habe ich kein Weihnachten und kein Silvester gefeiert und nur hart trainiert“, sagt der 110 Kilogramm schwere und 1,90 Meter große Modellathlet aus Düsseldorf, der sowohl fließend bayerisch als auch niederländisch plappern kann. Er selbst beschreibt sich kurz und knapp so: “Mein Vater kommt aus Ghana, die Mama ist Deutsche, Augenfarbe braun, Haut auch.“


Dabei sein ist alles - Olympias Exoten

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Diese Wintersportarten sind olympisch

Snowboard: In Sotschi werden in dieser Sportart in zehn Disziplinen Medaillen vergeben © dpa
Slopestyle: Diese Snowboard-Disziplin ist seit 2014 neu im Olympia-Programm. Die Fahrer müssen einen Parcours absolvieren und dabei Drehungen und Grabs zeigen. Die Jury gibt dafür Punkte. © dpa
Cross: Hier müssen mehrere Snowboarder gleichzeitig eine Abfahrtsstrecke bewältigen © dpa
Halfpipe: Auch in der Halfpipe können Snowboarder um Gold, Silber und Bronze kämpfen © dpa
Parallel-(Riesen-)Slalom: Hier geht es "Mann gegen Mann" beziehungsweise "Frau gegen Frau". Zwei Fahrer treten gegeneinander an. © dpa
Bob: Hier fallen drei Entscheidungen. Und zwar im Zweierbob (Damen und Herren) und im Viererbob © dpa
Curling: Für Außenstehende ein Rätsel - für die Spieler harte Arbeit. Beim Curling versuchen zwei Mannschaften zu je vier Spielern, ihre Steine näher an den Mittelpunkt des Zielkreises auf der Eisbahn zu spielen als das gegnerische Team. © dpa
Skeleton: Kopf voran in die Eisröhre! Zwei Garnituren Gold, Silber und Bronze werden hier vergeben. © dpa
Eiskunstlauf/Eistanz: Hier ist Eleganz auf Kuven gefragt. In fünf Disziplinen wird um Gold gekämpft - zum ersten Mal auch als Team-Wettbewerb. © dpa
Eisschnelllauf: 12 Mal Gold gibt es im Eisschnelllauf in Sotschi zu gewinnen. Die Distanzen reichen von 500 Metern bis 10.000 Metern. Auch die Teamverfolgung steht auf dem Programm. © dpa
Rennrodeln: Hier dominieren seit Jahren die Deutschen. Vier Medaillen werden in Sotschi vergeben, davon zwei im Einsitzer (Damen und Herren) und eine im Doppelsitzer. Die vierte Medaille wird in einer Disziplin vergeben, die neu bei Olympia ist. Und zwar im ... © dpa
Rennrodeln-Staffel: Sie feiert in Sotschi Premiere. Die Staffel besteht aus einem weiblichen und einem männlichen Einsitzer-Fahrer, sowie einem Doppelsitzer. Die Deutschen Felix Loch (l-r), Tobias Arlt, Tobias Wendl und Natalie Geisenberger sind haushoher Favorit. © dpa
Ski Alpin: Insgesamt zehn Mal Gold wird in den alpinen Disziplinen vergeben - in der Abfahrt, im Super G, im Riesenslalom, im Slalom und in der Kombination. © dpa
Eishockey: Zwei Goldmedaillen werden ausgespielt - jeweils eine bei den Herren und bei den Damen. © dpa
Langlauf: In der Loipe werden zwölf Goldmedaillen vergeben. Und zwar im Skiathlon (2 x 7,5 Kilometer), im Sprint, im Team-Sprint, über 10 und 30 Kilometer (Damen) und 15 und 50 Kilometer (Herren) sowie in der Staffel (4x5, bzw. 4x10 Kilometer).  © dpa
Skispringen: Insgesamt wird im Skispringen in vier Wettkämpfen um den Sieg gekämpft, dabei werden drei bei den Männern vergeben (Normalschanze, Großschanze, Team) und einer beim ... © dpa
Skispringen der Damen: Auch das ist neu bei Olympia 2014. Die wagemutigen Damen dürfen allerdings "nur" von der Normalschanze hüpfen. © dpa
Ski-Freestyle: Die Artisten auf zwei Brettern kämpfen um insgesamt zehn Goldmedaillen. Für sie heißt es auf der  Buckelpiste alles geben, sowie im Ski Cross, Slopestyle, im Sprung und - ab 2014 ganz neu dabei - im ... © dpa
Ski-Freestyle Halfpipe: In der halbierten Röhre gilt es für die Frauen und Männer, hohe Sprünge und spektakuläre Tricks zu zeigen. Dafür vergibt die Jury Punkte - und am Ende Gold, Silber und Bronze. © dpa
Biathlon: Wer trifft und flink läuft, der hat im Biathlon große Chancen auf den Sieg. Elf Mal Gold wird ausgekämpft. Neben Sprint, Verfolgung, 15 bzw. 20 Kilometer, Massenstart und der Staffel, steht ab 2014 eine neue Disziplin auf dem Olympia-Programm. Es ist die ... © dpa
Biathlon Mixed-Staffel: Das gemischte Team aus zwei Frauen und zwei Männern feiert Premiere bei Olympia. © dpa
Nordische Kombination: In die Skisprungspur UND in die Langlaufloipe müssen die Nordischen Kombinierer. Die Athleten haben die Chance auf drei Goldmedaillen. © dpa
Shorttrack: Bei dieser Sportart werden in Sotschi acht Medaillen vergeben. Bei den Herren und Damen über 500, 1000 und 1500 Meter, sowie in der Staffel. © dpa

Der bekennende Single, der vom Männermagazin “Playboy“ finanziell unterstützt wird und auf seiner Homepage auch als “Male-Model für Beautycode“ wirbt, hat turbulente Zeiten hinter sich. Für Adjei - beim Weltverband FIBT wird der Anschieber noch mit dem Beinamen Otto geführt wird, weil er mal bei einer Familie namens Otto gewohnt hatte - waren es zuletzt drei harte und entbehrungsreiche Jahre. Nachdem ihn Olympiasieger Christoph Langen bei den “Berlin Thunder“ in der europäischen National Football League (NFL) entdeckt hatte, erlernte er das Sprinten auf Eis und das sekundenschnelle Platz nehmen im engen Bob. “Christoph ist ein harter Hund, aber der Beste“, sagt Adjei, der mittlerweile als Obergefreiter bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr ist.

Anfangs wurde er als Quereinsteiger von einigen Kollegen der Branche belächelt und verspottet. “Doch ich bin eine Kämpfernatur, weil ich mein ganzes Leben nur gekämpft habe“, meint Adjei, der die Sache aus der Welt geschafft hat. Der ehemalige Linebacker hat sich kurzum “durchgeboxt“. So wie zum Jahreswechsel auch auf dem Bob von Thomas Florschütz, nachdem er zum Saisonauftakt schon bei André Lange aushelfen durfte: “Das war eine große Ehre für mich, mit dem weltbesten Piloten zu fahren“, betont der 26-Jährige.

Da die Anschubzeiten von Florschütz-Stammbremser Marc Kühne durchwachsen waren, reagierte der Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) und nahm Umbesetzungen vor. “Richard hat es verdient, er hat sich richtig reingehängt und den Anschubwettbewerb am 3. Januar in Oberhof gewonnen“, sagt BSD-Generalsekretär Thomas Schwab über den ersten dunkelhäutigen Bremser in der fast 100- jährigen deutschen Bob-Geschichte.

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Eine Woche später folgte der Jubel: Der WM-Zweite Florschütz verwies mit Adjei die Olympiasieger André Lange/Kevin Kuske aus Oberhof mit 5/100 Sekunden Vorsprung auf Rang zwei. “Ich müsste lügen, wenn ich sage, dass es in Königssee nur eine Verlegenheitslösung gewesen ist. Wenn man bedenkt, dass wir nur wenige Trainingsläufe gemeinsam hatten, waren die Anschubzeiten schon sehr ordentlich“, sagt Florschütz, während der Bremser betont: “Unser Timing stimmt noch nicht ganz, weil Flori am Bügel startet. Mein bisheriger Pilot Manuel Machata startete immer laufend an den Bügel.“ Beim Weltcup am Wochenende in St. Moritz kann Adjei nun seine Olympia-Teilnahme perfekt machen.

dpa

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