Skisprung-Legende stirbt nach großen Erfolgen und vielen Skandalen

Weissflog über toten Nykänen (†55): "Er gehört ganz oben hin"

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Jens Weissflog und Matti Nykänen waren einst große Konkurrenten.
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Helsinki - Der mehrfache Skisprung-Olympiasieger Matti Nykänen ist tot. Der Finne starb am Montagmorgen überraschend im Alter von nur 55 Jahren. Nach seiner großen Karriere gab es allerdings auch eine Vielzahl von Skandalen:

UPDATE, 11.45 Uhr - Das sagen andere Skispringer

Ehemalige Weggefährten und andere Skispringer haben sich inzwischen zum Tod der finnischen Legende geäußert. ARD-Experte Dieter Thoma sagte der Bild-Zeitung: "Ich mag nicht über seinen Lebensstil urteilen, denn wir verlieren heute einen großartigen Sportler, der in jüngster Kindheit mein sportliches Vorbild war."

"Ich bin bestürzt. Als Kind habe ich ihn im Fernsehen gesehen und bewundert. Er war der Rekordskispringer der damaligen Zeit. Das hat mich beeindruckt. Er hatte es im Leben nicht einfach, nach seiner aktiven Zeit hat er leider nicht den Halt bekommen, den er gebraucht hätte", ergänzte Sven Hannawald gegenüber der Zeitung.

Jens Weißflog galt einst als größter Konkurrent Nykänens. "Es ist immer schwierig, eine Rangliste zu erstellen. Aber er gehört zu den fünf Athleten, die die wichtigsten vier Bewerbe im Skispringen gewonnen haben. (...) Also er gehört ganz oben hin. Er hat das Skispringen mitgeprägt und war in den 80ern bis Anfang der 90er dominierend", sagte der Oberwiesenthaler bei sport1.de.

UPDATE, 10.20 Uhr - Leben von Skandalen überschattet

Nykänen war einmal der beste Skispringer der Welt. Mit 18 gewann er die WM, mit 19 die Vierschanzentournee, mit 20 Olympia-Gold in Sarajevo. Später folgte der tiefe Absturz des Überfliegers. Der Alkohol, die Frauen, das Herz. Die Hölle sei nicht so schlimm "wie mein Leben jahrelang war", sagte der gefallene Held 2012 in einem Welt-Interview: "Die Hölle muss ein besserer Ort sein."

"Matti war zu seiner Zeit einzigartig", sagte der deutsche Ex-Skispringer Jens Weißflog, der sich mit dem finnischen Leichtgewicht viele Jahre lang einen erbitterten Zweikampf um die großen Titel lieferte: "Das war eine gesunde Rivalität. Nykänen war für mich eine Art Vorbild."

Doch all die Titel, all die Medaillen, sie halfen Nykänen im richtigen Leben nicht weiter. In seinem Wikipedia-Eintrag finden sich heute mehr Zeilen über die Zeit nach der Karriere als über die Jahre als Sportler. Die meisten handeln von Skandalen. Von seinen drei Scheidungen. Von einer Vorstrafe wegen Körperverletzung, weil er seine Frau mit einem Messer attackierte. Von seiner Zeit als Stripper und als Darsteller in Erotikvideos. Von einem Herzinfarkt im Jahr 2004. Und immer wieder von Alkohol, wie der Sportinformationsdienst (SID) nun berichtet.

"Wenn du trinkst, lebst du wie in einer Blase, siehst keinen Sinn", sagte Nykänen damals der Welt. "Ich stand viele Jahre im Mittelpunkt, alle haben sich um mich gerissen. Ich hatte es satt, es war zu viel. Ich war unglücklich und habe angefangen, in mir drinnen eine Mauer hochzuziehen. Ich war sehr jung, als ich erfolgreich geworden bin, die Medien waren die ganze Zeit um mich herum - ich hätte Hilfe gebraucht. Das war der Anfang. Ich habe später getrunken, weil ich nichts anderes zu tun hatte, weil ich vergessen wollte", so Nykänen. 

Den Tod des ehemaligen Superstars haben inzwischen auch seine fünfte Ehefrau Pia und der Skiweltverband FIS bestätigt. "So far there is no information regarding the cause of Nykaenen's death", hieß es in der Mitteilung, was übersetzt heißt, dass es bis dato noch keine Informationen zur Todesursache von Nykänen gibt.

Die Erstmeldung:

Das bestätigte der finnischer Sportminister Sampo Terho via Twitter. "Die finnische Skisprung-Legende, der viermalige Olympiasieger Matti Nykänen fehlt. Er war wohl einer der prominentesten finnischen Sportler", hieß es in dem Tweet.

Nykänen war ein Skispringer, der in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts seinen Sport wie kaum ein anderer dominierte. Mit vier Olympischen Goldmedaillen, fünf Weltmeistertiteln und vier Gesamtweltcup-Siegen gehörte er zu den erfolgreichsten Skispringern überhaupt. 

Außerdem zählte er zu den insgesamt nur fünf Athleten - neben ihm sind das Espen Bredesen, Thomas Morgenstern, Jens Weißflog und Kamil Stoch - welche die wichtigsten vier Bewerbe im Skispringen gewonnen haben, nämlich Olympia-Gold, die Weltmeisterschaft, den Gesamt-Weltcup und die Vierschanzentournee. 

Zahlreiche Skandale

Skisprung-Legende Matti Nykänen ist tot.

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere wurden Nykänen immer wieder Alkoholprobleme nachgesagt. Er war auch als Popsänger und Stripper aktiv. Einmal wurde ihm sogar versuchter Totschlag vorgeworfen. Zudem griff er im Jahr 2009 eine seiner insgesamt fünf Ehefrauen mit einem Messer an und wurde dafür vom Bundesgericht Turku zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. 2012 wurde er auf Bewährung entlassen. Nykänen litt außerdem an AHDSDie Todesursache ist bislang nicht bekannt.

mw

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