Martin Schmitt hofft auf das Weihnachtswunder

Martin Schmitt befindet sich mal wieder in der Krise.
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Martin Schmitt befindet sich mal wieder in der Krise.

Berlin - Martin Schmitt befindet sich mal wieder in der Krise. Die Weihnachtszeit nutzt er, um nicht an das Skispringen zu denken und dennoch Kraft für die Vierschanzentournee zu tanken.

An Skispringen will Martin Schmitt erstmal nicht denken. Er steht momentan ein wenig auf Kriegsfuß mit dem Sport, den er liebt und der ihn zum Star gemacht hat. Abschalten wolle er, mental regenerieren und die Weihnachtstage zu Hause genießen. Doch schon am Dienstag beginnt die Vierschanzentournee. Und um dort an alte Glanzzeiten anzuknüpfen, braucht Martin Schmitt ein Weihnachtswunder.

„Ich freue mich auf die Tournee“, betont er: „Dort will ich einfach das zeigen, was ich kann.“ Was Martin Schmitt derzeit allerdings wirklich kann, weiß womöglich nur Martin Schmitt selbst. Zu instabil, zu rätselhaft, zu unerklärbar waren seine Leistungen in den ersten Weltcups.

Es sei ein schwieriger Einstieg in die Saison gewesen, erzählt er. Eine gewagte Untertreibung. Schließlich hat der WM-Zweite in diesem Winter erst einmal das Finale erreicht und für Platz 23 gerade mal acht Weltcup-Punkte erhalten. Schmitt zog sich aus dem Weltcup zurück und reiste in den hohen Norden nach Lillehammer.

Dort trainierte er mit Co-Trainer Christian Winkler auf der Olympiaschanze von 1994 „intensiv und konzentriert“. An der Anfahrt, dem Absprung und der ersten Flugphase habe er in Lillehammer gearbeitet, also sozusagen an den Grundlagen erfolgreichen Skispringens. „Ich rechne damit, dass Martin das Team bei der Tournee verstärkt“, sagt Bundestrainer Werner Schuster.

Der Österreicher hofft, von seinem Routinier nicht wieder enttäuscht zu werden. Denn bereits vor dem Saisonauftakt in Kuusamo meinte Schuster schon fast schwärmerisch, dass bei Schmitt alle Pfeile deutlich nach oben zeigten. Die Leistungen erwiesen das Gegenteil und Schuster platzte kurz vor Weihnachten der Kragen: „Ich werde mich mehr denn je auf die jungen Sportler konzentrieren. Die hören noch anders zu.“

Aufs Abstellgleis ist Schmitt noch nicht geraten, denn Schuster weiß, was in seinem einstigen Vorflieger schlummert. „Schmitt hat von den Arrivierten die größten Chancen noch mal nach vorne zu springen“, sagt Schuster. Doch wenn Schmitt bei den ersten beiden Tournee-Stationen in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen keine Leistung zeigt, ist für ihn die Reise vorerst beendet. Wie schon vor drei Jahren droht Schmitt die Versetzung in den Continental Cup.

Am Material, etwa der auf einer Erfindung von Olympiasieger Simon Ammann basierenden Bindung, liegt es nicht. „Mit meiner Materialabstimmung bin ich zufrieden. Ich springe mit dem bereits im Sommer bewährten Bindungssystem“, sagt Schmitt. Er vertraue nun ganz der eigenen Stärke.

In der langen Karriere ist es nicht die erste Krise, die Schmitt durchlebt. Nach dem Rausschmiss aus dem Weltcup-Team 2007 sorgte er Anfang des Jahres für Schlagzeilen, als er wegen eines Erschöpfungssyndroms pausieren musste. Doch Schmitt kam zurück und gewann mit der Mannschaft Silber bei den Olympischen Spielen in Vancouver.

Obwohl Spötter behaupteten, das Team habe die Medaille nicht mit sondern trotz Schmitt gewonnen, war für den 32-Jährigen ein Karriereende kein Thema. „Den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören hat er schon lange verpasst. Er soll so lange weitermachen, wie er will und nicht auf andere hören“, sagt sein alter Weggefährte Sven Hannawald.

sid

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