Neuner siegt - "Wusste nicht mal, ob ich starten soll"

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Magdalena Neuner in Oslo

Oslo - Biathlon-Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner hat im norwegischen Oslo ihren 30. Weltcupsieg gefeiert.

Erst hatte Magdalena Neuner überlegt, ob sie überhaupt starten soll, dann fuhr die Rekordweltmeisterin in beeindruckender Manier den 30. Weltcupsieg ihrer Karriere ein. Auch im norwegischen Oslo ist die 24-Jährige aus Wallgau von der Konkurrenz nicht zu bezwingen und eilt auf ihrer Abschiedstournee einen knappen Monat vor Beginn der Heim-WM in Ruhpolding trotz gesundheitlicher Probleme von Sieg zu Sieg. Der Erfolg im Sprint über 7,5 km am traditionsreichen Holmenkollen war bereits der sechste Triumph in dieser Saison.

„Das war ein bisserl ein besonderes Rennen. Am Montag hatte ich noch erhöhte Temperatur, habe mich krank gefühlt und wusste nicht, ob ich überhaupt an den Start gehen soll. Aber ich habe die Kurve gekratzt, mich ins Bett gelegt und auskuriert“, sagte Neuner freudestrahlend im Ziel: „Am Ende war es ein perfekter Tag. Meine Eltern und meine Familie sind da, da habe ich mich jede Runde gefreut, an ihnen vorbeizufahren.“

In der ewigen Weltcup-Bestenliste liegt Neuner durch den Triumph - ihre zwölfte Podestplatzierung im 15. Saisonrennen - nach Siegen nun mit der zweimaligen Staffel-Olympiasiegerin Uschi Disl gleichauf. Einzig die Schwedin Magdalena Forsberg (42 Erfolge) hat in der Vergangenheit noch öfter im Weltcup gewonnen. „Mir war gar nicht bewusst, dass es schon mein 30. Sieg ist, aber das freut mich natürlich umso mehr“, sagte Neuner, die ihre Führung im Gesamtweltcup noch ausbauen konnte.

Deutschlands Sportlerin des Jahres leistete sich bei eisigen Temperaturen von minus 10 Grad („Das war kein Problem“) am Schießstand keinen Fehler und verwies so ihre ärgste Konkurrenten Darja Domratschewa (1 Schießfehler/+38,2 Sekunden Rückstand) aus Weißrussland auf Platz zwei. Dritte wurde die Norwegerin Tora Berger (1/48,9). „Ich bin einfach ganz hervorragend drauf und genieße jeden Wettkampf so gut es geht. Ich will unbedingt so weitermachen“, sagte Neuner mit Blick auf die Weltmeisterschaften vor der eigenen Haustür (29. Februar bis 11. März): „Ich will viele Medaillen gewinnen. Dafür bin ich auf einem guten Weg.“

Andrea Henkel wurde als zweitbeste DSV-Skijägerin starke Fünfte. Mit drei Top-20-Platzierungen rundeten Franziska Hildebrand (Clausthal-Zellerfeld/13./0 Fehler), Tina Bachmann (Schmiedeberg/15. /2) und Miriam Gössner (Garmisch/16./2) das gute deutsche Mannschaftsergebnis im Mekka des nordischen Skisports ab. „Insgesamt bin ich mit dem Ergebnis zufrieden“, sagte Frauen-Bundestrainer Gerald Hönig, der Neuner lobte: „Ihre Form und die Stabilität in den Grundlagen, die sie sich über Jahre erarbeitet hat, zeigen ihre Ausnahmestellung als Athletin.“

Die Doppel-Olympiasiegerin, die ihre Karriere nach der Saison beenden wird, ist aber noch lange nicht satt. „Ich versuche mich jetzt zu pflegen und würde in Oslo gern noch mehr Erfolge holen“, sagte sie. Dazu will Neuner den freien Tag in den norwegischen Hauptstadt nutzen: „Ich werde vielleicht mal runter in die Stadt fahren und mir ein bisschen was ansehen, aber meine Konzentration gilt ganz klar den Wettkämpfen.“

Im Fokus steht dabei das Verfolgungsrennen am Samstag (13.15 Uhr/ZDF und Eurosport), in das die zehnmalige Weltmeisterin mit über einer halben Minute Vorsprung als Führende startet. „Mit dieser Ausgangsposition ist das Ziel klar, da will man natürlich gewinnen“, sagte die Ausnahmekönnerin. Einen Zweifel, dass ihr das gelingen kann, dürfte niemand haben.

sid

So schön und so erfolgreich: Magdalena Neuner

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Magdalena Neuner wurde am 9. Februar 1987 in Garmisch-Partenkirchen geboren. Die Oberbayerin wuchs in Wallgau auf. © Jantz
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Sie ist bekennende Bairisch-Sprecherin ... © dpa
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... und pflegt die Tradition. © dpa
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Sie ist bei der Bundeszollverwaltung als Zollhauptwachtmeisterin angestellt. Bereits in Jugendwettbewerben holte Lena Trophäe um Trophäe. Im Jahr 2004 war die damals 17-jährige (2.v.r.) noch merklich schüchtern, als sie mit dem deutschen Zoll-Team vom damaligen Finanzminister Hans Eichel empfangen wurde. © dpa
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Ihren großen Durchbruch feierte sie in der Saison 2006/2007. © dpa
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Am 5. Januar 2007 holte sie in Oberhof ihren ersten Weltcupsieg. © dpa
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Bei den Weltmeisterschaften 2007 in Antholz (Italien) hatte sie dann ihren großen Auftritt und holte drei Goldmedaillen. © dpa
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Auch bei der WM 2008 in Östersund sammelte Lena dreimal Gold. © dpa
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... und obendrein in derselben Saison noch den Gesamtweltcup und zwei Einzelweltcups. © dpa
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Lena erklärte es bislang für ausgeschlossen, sich für den Playboy auszuziehen. © dpa
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Wieso auch? Sie ist angezogen ein größerer Blickfang als viele andere nackt. © dpa
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Zu ihren Hobbies zählt Stricken. © LANA GROSSA
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Ja, richtig gelesen: Stricken! © LANA GROSSA
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Außerdem hört sie gerne Musik. Mit hartem Rock bringt sich Lena auf Betriebstemperatur für Wettkämpfe. In einem Tagesspiegel-Interview gestand sie, sich früher mit der Metal-Band System Of A Down aufgeputscht zu haben. © dpa
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Auch Robbie Williams und Chris Martin schallen ihr des öfteren durch die Ohren. © LANA GROSSA
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Lena ist äußerst schlagfertig und kann so auch mal einen Thomas Gottschalk ins Stocken bringen. © dpa
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Die süße Oberbayerin kann aber auch mal schimpfen. Hobby-Lippenleser dürfen hier mal an einer einfachen Aufgabe üben. © dpa
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"Ich glaub, mich knutscht eine Lena" - Die Biathletin dreht bei diesem Elch das Spiel um. © dpa
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In ihrer Heimat Wallgau trägt man sie auf Händen. © dpa
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Und auch die WM-Maskottchen 2007 namens "Bumsi" ließen sie hoch leben. © dpa
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Lena mit Hund Rocky © dpa
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Miss Neuner mit ihrer "Sportlerin des Jahres 2007"-Trophäe. © dpa
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Sie muss eine große Vitrine haben. © dpa
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Auch beim harten Training hat sie immer ein Lächeln übrig. © dpa
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Lena (r.) posiert mit den Alpin-Skifahrerinnen Maria Riesch (v-l), Kathrin Hölzl und Monika Bergmann-Schmudere vor der Allianz Arena. © dpa
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Ist echt! Lena macht die Probe aufs Exempel. © dpa
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Im Dezember 2011 kündigte Neuner ihr Karriereende für Frühjahr 2012 an. Sie wolle sich neu orientieren und mal etwas anderes ausprobieren, erklärte die Biathletin. © dpa

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