Bei Neuner kribbelt's, Greis ganz entspannt

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Von links: Michael Greis, Andrea Henkel, Magdalena Neuner und Arnd Peiffer

Ruhpolding - Neben Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner wecken bei der Heim-WM auch zwei Männer Medaillenhoffnungen. Michael Greis ist dagegen froh, überhaupt dabei zu sein.

Magdalena Neuner verspürt ein ganz besonderes Kribbeln. „Es könnte keinen schöneren Ort für meinen Abschied geben“, sagt die Rekordweltmeisterin vor der Heim-WM in Ruhpolding. Los geht's am Mittwoch mit der Eröffnungsfeier, bis zum 11. März sollen die Titelkämpfe ein krönender Abschluss der unvergleichlichen Karriere der deutschen Biathlon-Königin werden. Sechs Medaillen will die 10-malige Weltmeisterin sammeln. Deutlich bescheidener sind die Ziele des Dreifach-Olympiasiegers Michael Greis, der erst im letzten Moment auf den WM-Zug aufgesprungen ist. Er steht im Schatten der heißen Medaillenkandidaten Arnd Peiffer und Andreas Birnbacher.

Lena macht Schluss! Die größten Erfolge von Biathletin Neuner

13. Januar 2006: Erstes Weltcuprennen im Alter von 18 Jahren. Neuner belegt Platz 41 im Sprint in Ruhpolding. Update 30. März: Lena Neuner hat ihren Seppi Holzer geheiratet. Hier die Infos. © getty
5. Januar 2007: Erster Weltcupsieg. Beim Sprint in Oberhof gewinnt Neuner vor Andrea Henkel und Martina Glagow. © getty
3. Februar 2007: Erster WM-Titel im ersten WM-Rennen. Neuner gewinnt im Sprint im italienischen Antholz hauchdünn mit 2,3 Sekunden Vorsprung auf die Schwedin Anna Carin Olofsson die Goldmedaille. © getty
4. Februar 2007: Zweiter WM-Titel in der Verfolgung. © getty
11. Februar 2007: Zusammen mit Kati Wilhelm, Andrea Henkel und Martina Glagow die Staffel-Goldmedaille und wird zur erfolgreichsten Athletin der Titelkämpfe in Italien. © getty
22. Dezember 2007: Wahl zur Sportlerin des Jahres. © getty
12. Februar 2008: WM-Gold in der Mixedstaffel bei den Titelkämpfen im schwedischen Östersund an der Seite von Sabrina Buchholz, Andreas Birnbacher und Michael Greis. © getty
16. Februar 2008: Fünfter WM-Titel für Neuner mit dem Sieg im Massenstart. © getty
17. Februar 2008: Gold Nummer sechs in der Staffel zusammen mit Andrea Henkel, Martina Glagow und Kati Wilhelm. © getty
28. Februar 2008: Neuner feiert ihren 10. Weltcupsieg. Im südkoreanischen Pyeongchang gewinnt die Wallgauerin den Sprint. © getty
9. März 2008: Neuner gewinnt mit Platz zwei im russischen Chanty Mansijsk vorzeitig die Weltcup-Wertung im Massenstart und damit ihre erste kleine Kristallkugel. © getty
13. Marz 2008: Neuner sichert sich auch die kleine Kristallkugel im Sprint. © getty
15. März 2008: Mit Platz sieben in der Verfolgung übernimmt Neuner erstmals in ihrer Karriere das Gelbe Trikot der Gesamtweltcupführenden. © getty
16. März 2008: Neuner reicht Platz neun, um erstmals den Gesamtweltcup zu gewinnen. © getty
11. März 2009: Neuner sichert sich mit Platz vier die kleine Kristallkugel für den Gewinn der Einzel-Gesamwertung. © getty
13. Februar 2010: Neuner verpasst in ihrem ersten olympischen Rennen nur um 1,5 Sekunden die Goldmedaille. Hinter der Slowakin Anastasija Kuzmina gewinnt sie in Vancouver Silber im Sprint. © getty
16. Februar 2010: Erste Goldmedaille bei Olympia. Neuner gewinnt in Kanada das Verfolgungsrennen. © getty
21. Februar 2010: Olympisches Gold auch im Massenstart für Neuner. © getty
14. März 2010: Mit Platz zwei in Kontiolathi sichert sich Neuner den Verfolger-Weltcup und macht damit ihre Sammlung aller Kristallkugeln perfekt. © getty
27. März 2010: Neuner gewinnt den Massenstart in Chanty Mansijsk und holt sich als erste deutsche Biathletin zum zweiten Mal den Gesamtweltcup. © getty
28. März 2010: Zusammen mit Simone Hauswald, Simon Schempp und Arnd Peiffer gewinnt Neuner ihrer siebte WM-Goldmedaille in der in Sibirien ausgetragenen Mixed-Staffel. © getty
18. Dezember 2010: Mit dem Sieg im Sprint im slowenischen Pokljuka feiert Neuner ihren 20. Weltcupsieg. © getty
5. März 2011: Achter WM-Titel für Neuner. Sie gewinnt im russischen Chanty Mansijsk den Sprint. © getty
12. März 2011: Mit dem Sieg im Massenstart holte Neuner Nummer neun. © getty
13. März 2011: Als Schlussläuferin führte Neuner die deutsche Frauenstaffel mit Andrea Henkel, Miriam Gössner und Tina Bachmann zum WM-Sieg und krönt sich mit ihrer zehnten Goldmedaille (plus dreimal Silber) zur Rekordweltmeisterin. © getty
17. März 2011: Neuner gewinnt in Oslo den Sprint und holt sich die kleine Kristallkugel. © getty
3. Dezember 2011: Beim Saisonauftakt im schwedischen Östersund feiert Neuner mit dem Sieg im Sprint ihren 25. Weltcupsieg und legt den besten Saisonstart ihrer Karriere hin. © getty
6. Dezember 2011: Auf ihrer Homepage kündigt Magdalena Neuner ihren Rücktritt zum Ende der Saison an. © getty
18. Dezember 2011: Magdalena Neuner wird in Baden-Baden zum zweiten Mal nach 2007 zur Sportlerin des Jahres gewählt. © getty
1. März 2012: Mit der Mixed-Staffel zur Eröffnung der Biathlon-WM in Ruhpodling ergattert Neuner (2 v. li.) die Bronzemedaille. © dpa
3. März 2012: Mit einer fehlerfreien Leistung im Sprint sichert sich die Rekordweltmeisterin Gold-Medaille Nummer elf. © dpa
4. März 2012: Im Verfolgungsrennen reicht es "nur" zu Platz zwei. Ihre vierte Silbermedaille bei Weltmeisterschaften. © dpa
11. März 2012: Beim letzten Rennen der Heim-WM in Ruhpolding hat Neuner (2 v. li.) einen rabenschwarzen Tag erwischt. Die Staffelkolleginnen Tina Bachmann (l-r), Miriam Gössner und Andrea Henkel reißen die Kohlen aus dem Feuer und Neuner bekommt die zwölfte und letzte WM-Goldmedaille ihrer großen Karriere umgehängt.   © dpa
16. März 2012: Beim Weltcup-Finale in Chanty-Mansijsk feiert Neuner ihren 10. Saisonsieg, den insgesamt 34. ihrer Laufbahn. Natürlich im Sprint. © dpa
17. März 2012: Neuner macht mit Platz vier im Verfolgungsrennen ihren dritten Gewinn des Gesamtweltcups vorzeitig perfekt. © dpa
18. März 2012: Der Massenstart ist ihr letztes Rennen, nach Platz sechs stieg die große Abschiedsparty. © dpa

„Ich denke noch nicht viel an den Abschied vom Weltcup-Zirkus, sondern lebe in der Gegenwart. Vor mir liegen drei spannende Wochen, auf die ich mich wahnsinnig freue. Es läuft gerade alles super“, sagte Neuner. Die 25-Jährige, die am Saisonende ihre Karriere beenden wird, liegt mit acht Saisonsiegen im Gesamtweltcup an der Spitze und präsentiert sich seit Monaten in überragender Form. Auch eine Erkältung, die sie bei den Weltcups in Oslo und Kontiolahti behinderte, konnte den Siegeszug der Doppel-Olympiasiegerin nicht stoppen.

Trotz all des Rummels auf ihrer Abschiedstournee ist die Wallgauerin tiefenentspannt. „In Ruhpolding werden sehr viele im Publikum mitfiebern, die mir wichtig sind und nahe stehen. Es ist etwas Besonderes zu wissen, dass meine Familie und Freunde da sind“, sagte Neuner im Trainingslager in Obertilliach. Dort tankte die deutsche Mannschaft auch mental Kraft: „Wir haben gerade wirklich ein super Team. Meine Zimmerkollegin Miriam Gössner und ich sind echte Freundinnen geworden. Für die gute Stimmung bin ich unheimlich dankbar“, sagte Neuner.

Bundestrainer Uwe Müssiggang traut seiner Vorzeige-Athletin einiges zu: „Magdalena machte im Training und im Mannschaftshotel einen coolen und entspannten Eindruck. Ihr selbst gestecktes Ziel von sechs Medaillen in sechs Rennen zeigt, dass sie selbstbewusst ist. Ich bin vollkommen überzeugt, dass sie in allen Wettbewerben um Edelmetall kämpfen wird.“

Neben Neuner haben die deutschen Skijägerinnen in Andrea Henkel eine weitere heiße Medaillenkandidatin. Die „Grande Dame“ des DSV-Teams stellte mit dem Massenstart-Erfolg in Oslo („Der Sieg hat mir nochmal enorm gut getan“) eindrucksvoll unter Beweis, dass bei dieser WM mit ihr zu rechnen ist. Zudem zeigt die Formkurve der Staffel-Weltmeisterinnen Tina Bachmann und Miriam Gössner deutlich nach oben, beide sind für eine Überraschung gut. Wie bei Bachmann 2011, als sie Silber im Einzel gewann. „Zu Hause habe ich mir nochmal meine Silbermedaille vom letzten Jahr angeschaut und in Erinnerungen geschwelgt. Es ist schön zu wissen, dass man schon etwas erreicht hat und auch in der Lage ist, zu gewinnen“, sagte Bachmann.

Erreicht hat Michael Greis in seiner Karriere schon einiges. Dreimal Gold bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin, dazu den Weltmeistertitel und den Gesamtweltcup. Doch die Teilnahme an dieser WM gehört für den 35-Jährigen nach einer völlig verkorksten Saison zu seinen größten Siegen. „Die WM hatte ich fast schon abgehakt. Ich wollte auf gar keinen Fall nur als fünftes Rad am Wagen dabei sein“, sagte Greis, der in der Vorbereitung eine Bänderverletzung erlitten hatte. Eine Erkältung zu Jahresbeginn verhinderte, dass Greis die WM-Norm schaffte. Erst im Trainingslager in Ridnaun löste er das WM-Ticket.

„Ich freue mich jetzt erst einmal, dass es doch noch mit der Heim-WM klappt. Ich bin jetzt relativ entspannt und relaxt. Für mich ist es ja nicht die erste WM, und ich bin stolz darauf, was ich bis jetzt erreicht habe. Ich möchte ganz bestimmt kein Schaulaufen in Ruhpolding machen“, sagte Greis.

Die Führungsrolle im deutschen Team hat Greis aber an Sprint-Weltmeister Arnd Peiffer und den dreimaligen Saisonsieger Andreas Birnbacher abgeben müssen. Das Duo hat sich in der absoluten Weltspitze etabliert und gehört in allen Rennen zu den Favoriten.

Birnbacher, der während der Titelkämpfe zu Hause wohnen wird, bleibt gewohnt bescheiden: „Ich würde mich natürlich sehr über eine Medaille freuen. Mein Ziel ist es erst einmal, normal in die Wettkämpfe zu gehen, also wie in jedem anderen Rennen auch. Wenn ich gut drauf bin, kann ich aber durchaus vorne mitlaufen“, sagte der 30-Jährige aus Schleching. Auch Peiffer stapelt tief: „Ich denke, ich habe gute Chancen auf eine Medaille, und das ist auch mein Ziel.“ Nicht zum Team gehört Olympiasieger Michael Rösch, der wegen eines Infekts seine WM-Teilnahme absagen musste.

Insgesamt setzt die deutsche Mannschaft auf so viel Normalität wie möglich in den turbulenten Wochen von Ruhpolding. „Die Scheiben in Ruhpolding werden nicht kleiner sein als anderswo, die Strecke nicht länger“, sagte Müssiggang. Doch kribbeln wird es nicht nur bei Magdalena Neuner trotzdem ganz gewaltig.

sid

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