Pechstein wieder im Training : Männer auf Distanz

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Claudia Pechstein in der BR-Sendung "Blickpunkt Sport" (06.07.2009).

Berlin - Claudia Pechstein steht wieder auf dem Eis, doch die Männer gehen auf Distanz: Am Mittwoch absolvierte die für zwei Jahre gesperrte Eisschnelllauf-Olympiasiegerin einige Runden auf dem Eis-Oval in Hohenschönhausen.

"Ich freue mich, wieder auf dem Eis zu stehen. Mir fällt sonst die Decke auf den Kopf, wenn ich nur warten soll, was andere über mich entscheiden", sagte sie und wollte am Abend Abwechslung beim Fußball-Lokal-Derby zwischen dem 1. FC Union Berlin und Hertha BSC suchen.

Mit gemischten Gefühlen sehen die deutschen Männer ihre Trainings-Gefährtin. "Wir haben keinen Bezug zu dem Thema. Sie gehört nicht zu unserer Trainingsgruppe", schilderte Tobias Schneider. "Aber natürlich ist sie für uns ja der gleiche Mensch geblieben", sagte der Berliner. "Wir verfolgen die Linie des Verbandes. Und das heißt: Claudia kann bei uns mittrainieren", meinte Bundestrainer Bart Schouten der Deutschen Presse-Agentur dpa, wollte aber nicht näher auf Befürchtungen seiner Männer eingehen.

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Beim Pechstein-Management häuften sich am Mittwoch die Angebote von Medizinern, die bei der Aufklärung der Affäre helfen wollen. "Vom Wald- und Wiesenarzt bis hin zu Universitäts-Professoren bekommt sie Anrufe und E-Mails", berichtete ihr Manager Ralf Grengel. Jetzt wolle man gemeinsam mit Team-Arzt Gerald Lutz die Angebote sichten, bevor man sich für entsprechende Kapazitäten entscheide. Pechstein wiederholte, dass sie genau über ihren Körper Bescheid wissen möchte. "Ich bin mir sicher: Umso mehr Details bekanntwerden, desto mehr Menschen werden verstehen, dass ich unschuldig bin", erklärte sie auf ihrer Homepage.

Vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS muss im Herbst darüber entschieden werden, ob die 14 hohen Retikulozyten-Werte auch mit Anomalien begründet werden können. Sie selbst stehe vor einem Rätsel, wie das Phänomen zu erklären sei. "Es kann angeblich Zehntausende von Mutationen der Blutanomalien geben. Das würde bedeuten, nach der berühmten Nadel im Heuhaufen zu suchen. Von daher gibt es auch einige Experten, die es für möglich halten, dass das Rätsel nie gelöst wird", schrieb Pechstein. Gegenüber www.sport1.de machte sie klar, dass sie vor dem CAS nicht auf einen Richterspruch wegen Formfehlern abziele. "Natürlich möchte ich nicht aufgrund von Formfehlern gewinnen", erklärte sie. Jedoch dürfe man nicht so tun, als wären Formfehler ein Kavaliersdelikt. "Wenn Proben in einem nicht von der NADA oder WADA zugelassenen Labor untersucht wurden, dann kann das nicht unwidersprochen hingenommen werden."

Unterdessen hat Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble den Kurs der deutschen Sportführung unterstützt. "Der Deutsche Olympische Sportbund hat richtig reagiert, als er betont hat, das Prinzip der Unschuldsvermutung müsse auch für Pechstein gelten", sagte Schäuble der "Welt" (Mittwoch). Der Minister hofft, dass aber grundsätzlich Sperren ohne positiven Dopingtest möglich sind. "Wir wissen, dass zwischen aufdeckender Wissenschaft und immer neuen Methoden des Missbrauchs ein stetiger Wettlauf besteht. Und wenn es jetzt neue Methoden des Nachweises gibt, kann man das nur begrüßen." Schäuble spricht sich deswegen dafür aus, eine Verurteilung aufgrund von Indizien auch vor den Sportgerichten zuzulassen.

Von Frank Thomas, dpa

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