Absturz des Dax-Konzerns

Corona-Notkredit: Sportartikel-Gigant Adidas stürzt ab

Adidas, Lufthansa und TUI werden nicht die einzigen Großkonzerne bleiben, die Corona-Hilfen brauchen. Im Fall von Adidas handelt es sich aber um einen voll rückzahlbaren Kredit. Auch der Vorstand übt Gehaltsverzicht.
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Adidas, Lufthansa und TUI werden nicht die einzigen Großkonzerne bleiben, die Corona-Hilfen brauchen. Im Fall von Adidas handelt es sich aber um einen voll rückzahlbaren Kredit. Auch der Vorstand übt Gehaltsverzicht.

Vor drei Wochen musste sich Adidas wegen verweigerter Mieten schelten lassen. Jetzt braucht der Dax-Konzern eine Finanzspritze zum Überleben.

  • 2019 war für Adidas noch ein Rekordjahr
  • Wegen der Corona*-Krise wollte der Dax-Konzern Mieten nicht mehr bezahlen - und erntete massive Kritik
  • Jetzt spricht das Unternehmen von „ernsthaften Herausforderungen“ - 60 Prozent der Umsätze fehlen
  • Die Entwicklungen in der Wirtschaft während der Corona-Krise können Sie in unserem Ticker verfolgen.

Herzogenaurach– In der Corona-Krise hat sich der Sportartikler Adidas in der Öffentlichkeit gleich zu Beginn unbeliebt gemacht: Der reiche Dax-Konzern aus Herzogenaurach wollte Mieten für seine Adidas-Shops nicht mehr zahlen – und das nach einem Rekordjahr 2019 mit 23,6 Milliarden Euro Umsatz und zwei Milliarden Euro Gewinn. Mieten verweigern, das geht nur bei wirklich Bedürftigen, war allgemeiner Tenor. Adidas machte einen Rückzieher. Jetzt ist der weltgrößte Sportartikler hinter US-Branchenführer Nike tatsächlich so bedürftig geworden, dass er einen staatlichen Notkredit über drei Milliarden Euro braucht. Die staatliche KfW-Förderbank und eine privates Bankenkonsortium stellen das Geld bereit.

Corona trifft Adidas: 60 Prozent aller Umsätze weg

„Die aktuelle Situation stellt sogar gesunde Unternehmen vor ernsthafte Herausforderungen“, erklärt Konzernchef Kasper Rorsted. Das darf man ihm glauben. Sportartikelläden gelten in Pandemiezeiten nicht als systemrelevant und sind geschlossen. Bei Adidas fallen damit in einer aktuellen Momentaufnahme 60 Prozent aller Umsätze weg. Auf das Jahr gerechnet wären das gut 14 Milliarden Euro. Dass Adidas nicht an kurzfristige Umsatzausfälle glaubt, sieht man an der Laufzeit des Kredits bis Juli 2021. Wenn aber über längere Zeit mehr als die Hälfte aller Umsätze wegbrechen, braucht es kein Studium der Betriebswirtschaftslehre, um zu wissen, dass Adidas 2020 keine Gewinne mehr erwirtschaften, sondern von der Substanz leben wird. Auch flüssige Mittel 2,2 Milliarden Euro (Stand Ende 2019) sind in einer solchen Lage schnell aufgezehrt.

Zudem kann man den Franken nicht vorwerfen, nicht zu sparen, wo es geht. Die sechsköpfige Vorstandsriege unter Rorsted verzichtet 2020 auf alle Boni, was zwei Drittel ihres Gehalts entspricht. Auch die zweite Managementebene darunter übt Verzicht. Für die Laufzeit des zu marktüblichen Konditionen verzinsten Notkredits gibt es keine Dividende für Aktionäre, was allein rund eine Dreiviertelmilliarde Euro ausmacht. Ein Aktienrückkaufprogramm wurde gestoppt. 1200 der 7700 Adidas-Beschäftigten in Deutschland sind in Kurzarbeit. Unter dem Strich dürfte sich das auf Sparmaßnahmen in Milliardenhöhe summieren. Das reicht aber nicht, denn die Lage ist ernst.

Auch Konkurrent Puma braucht Staatshilfe

Adidas steht in der heimischen Branche nicht allein. Auch der fränkische Lokalrivale Puma und weltweit immerhin drittgrößte Sportartikelhersteller braucht Staatshilfe. „Wir ergreifen Maßnahmen zur Sicherung zusätzlicher Finanzierung“, erklärte das Unternehmen auf Anfrage. Dazu greife man auf ein Bankenkonsortium und die KfW zurück, um mehr Liquidität zu marktüblichen Finanzierungskonditionen bereitstellen zu können. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Puma nach dem Vorbild von Adidas einen Notkredit erhält, heißt das. Angeblich geht es bei Puma um einen dreistelligen Millionenbetrag, was mit der im Vergleich zu Adidas geringeren Unternehmensgröße korrespondiert. In beiden Fällen wird mit rückzahlbaren Krediten geholfen, die vor allem die Förderbank KfW ausgibt Es geht also nicht um Geldgeschenke oder die Beteiligung des Staates. Ob Adidas die vollen drei Milliarden Euro in Anspruch nimmt, ist noch nicht ausgemacht und abhängig vom weiteren Verlauf der Pandemie. „Die in Anspruch genommenen Teile des Kredits zahlen wir inklusive Zinsen und Gebühren so schnell wie möglich zurück“, betonte Rorsted.

Adidas & Co. verkaufen nur noch per Internet

Steuerzahlergeld wie im Fall von Staatshilfen während der Finanzkrise 2007/08 an Banken wird durch den Notkredit an Adidas damit aller Voraussicht nach nicht verbrannt. Um den zurückzahlen zu können, braucht es allerdings ein Auftauen des Handels. Aktuell verkaufen Adidas & Co. nur noch per Internet und in wieder geöffneten Shops in China. Die erhoffte Geschäftsbelebung 2020 durch die Fußball-Europameisterschaft und Olympischen Spiele bleiben aus, weil beide Veranstaltungen gestrichen sind. Für Empörung gibt der Adidas-Fall damit keinen Anlass. Die Hilfen erreichen einen wirklich Bedürftigen.

SPD-Politiker Kevin Kühnert konnte sich in einem Podcast eine süffisante Spitze gegen Adidas nicht verkneifen.

Thomas Magenheim-Hörmann

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