Einbruch bleibt aber aus

Apple: Erster Gewinn-Rückgang seit Jahren

Cupertino - Fast zehn Jahre lang konnte Apple Quartal für Quartal ein Gewinnplus präsentieren. Jetzt brach diese Serie ab, obwohl erneut fast zehn Milliarden in der Konzernkasse hängenblieben.

Apple hat nach einem beispiellosen Erfolgslauf den ersten Gewinnrückgang seit fast zehn Jahren verbucht. Der iPhone-Konzern erzielte mit 9,5 Milliarden Dollar (7,3 Mrd Euro) zwar immer noch den vierthöchsten Quartalsgewinn seiner Geschichte. Im Jahresvergleich bedeutete das jedoch ein Minus von gut 18 Prozent. Zugleich gab es entgegen jüngsten Spekulationen keinen Einbruch der iPhone-Verkäufe.

Apple setzte im vergangenen Quartal 37,4 Millionen iPhones ab. Vor einem Jahr waren es 35,1 Millionen gewesen. Zugleich ist nicht bekannt, wie viele Geräte des neuen und teureren iPhone 5 verkauft wurden und wie hoch der Anteil günstigerer älterer Modelle war. Die Verkäufe der iPad-Tablets schossen um 65 Prozent auf 19,5 Millionen Geräte hoch.

Konzernchef Tim Cook ging bei der Erläuterung der Quartalsergebnisse in einer Telefonkonferenz stärker denn je auf Sorgen ein, dass Apple an Innovationstempo verloren habe. Er erwähnte das „Potenzial für aufregende neue Produktkategorien“ und sprach von „Hardware, Software und Diensten, bei denen wir es nicht erwarten können, sie in diesem Herbst und im Jahr 2014 einzuführen“.

Die größten Shitstorms

Die größten Shitstorms

Für Apple-Verhältnisse waren das ungewöhnlich offene Worte. Hinweise, um welche neuen Produktkategorien es gehen könnte, machte Cook jedoch nicht. Spekuliert wird über eine Computer-Armbanduhr, ein günstigeres iPhone-Modell sowie schon seit Jahren über einen Apple-Fernseher. Die Börse konnte Cook zunächst nicht überzeugen: Die Aktie gab am Mittwoch vorbörslich um 0,78 Prozent nach.

Der jüngste iPhone-Absatz war zwar nicht mit dem Rekord von 47,8 Millionen Geräten aus dem vergangenen Weihnachtsquartal zu vergleichen. Allerdings läuft das Geschäft nach den Feiertagen immer schwächer. Das sehr starke Vorjahresquartal war da mit seinem Gewinn von 11,6 Milliarden Dollar eine Ausnahme. Grund war unter anderem der damalige Start des iPhone 4S in China. Diesmal fehlte ein solcher Profit-Treiber. Auch Cook verwies darauf, dass das Vorjahresquartal „unglaublich stark“ gewesen sei, was den Vergleich schwieriger mache.

Das iPad bestätigte nach dem Start des kleineren Modells im Herbst seine Rolle als Wachstums-Lokomotive. Allerdings ist das günstigere iPad mini auch weniger profitabel als die größere Version. Finanzchef Peter Oppenheimer sagte, dass deutlich mehr der kleineren Geräte verkauft wurden als im Weihnachtsquartal. Der Absatz der Mac-Computer sank mit knapp vier Millionen Geräten um zwei Prozent.

Bis 2015 will Apple 100 Milliarden Dollar an Aktionäre ausschütten

Der Umsatz legte in dem Ende März abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal um 11,2 Prozent auf 43,6 Milliarden Dollar zu, wie Apple nach US-Börsenschluss am Dienstag mitteilte.

Angesichts der gigantischen Geldreserven von zuletzt 145 Milliarden Dollar erhöht Apple die Ausschüttung an die Aktionäre. Sie sollen bis Ende 2015 rund 100 Milliarden Dollar bekommen. Das sind 55 Milliarden mehr als bisher angekündigt.

Mit der erweiterten Ausschüttung kommt Apple noch weiter jahrelangen Forderungen von Aktionären entgegen, die mehr von dem stetig wachsenden Geldberg abhaben wollen. Apple plant Aktienrückkäufe in großem Stil. Cook trat zugleich Sorgen entgegen, Apple schütte zu viel aus: „Wir werden nicht unterinvestieren“, versprach er.

Die einstige Apple-Euphorie an der Börse ist inzwischen merklich abgeflaut. Die Aktie fiel von ihrem Rekordstand bei 700 Dollar im September auf rund 400 Dollar. Die Kursentwicklung sei extrem frustrierend gewesen, räumte Cook ein. Beobachter und Anleger warten gespannt darauf, dass der Konzern mit einem neuen Produkt die nächste Branche umkrempelt. Zuletzt wurde vor drei Jahren das iPad vorgestellt, das den totgeglaubten Markt der Tablet-Computer wiederbelebte. Seitdem brachte Apple vor allem Weiterentwicklungen von iPhone, iPad und Mac-Computern auf den Markt. Experten sehen eine zunehmende Konkurrenz vor allem durch Samsung.

dpa

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