Aufschwung im Oktober schwächt sich ab

Experten: 50.000 Arbeitslose weniger

Nürnberg - Obwohl die Arbeitslosenzahlen erneut sinken, lässt der Herbstaufschwung auf dem Arbeitsmarkt dieses Mal die Dynamik früherer Jahre vermissen. Das Jobangebot der Agentur für Arbeit sank zum 7. Mal in Folge.

Die saisonübliche Herbstbelebung hat im Oktober die Zahl der Arbeitslosen nach Experteneinschätzung um rund 50.000 auf 2,74 Millionen sinken lassen. Der Aufschwung nach der Sommerpause sei damit deutlich schwächer ausgefallen als im Schnitt der vergangenen fünf Jahre, berichteten Konjunkturforscher und Volkswirte deutscher Großbanken in einer dpa-Umfrage. Sie sehen darin deutliche Hinweise auf eine beginnende Schwächephase am Arbeitsmarkt. Die offizielle Zahl der Arbeitslosen will die Bundesagentur am heutigen Dienstag veröffentlichen.

Die Herbstbelebung ist Teil der typischen Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt. Sie folgt auf die zumeist flaue Sommerpause, weil viele Unternehmen wegen Werksferien die Einstellung neuer Mitarbeiter verschieben. Dieses Mal scheinen sie dabei zögerlich zu sein.

Tendenz auf dem Arbeitsmarkt „durchwachsen"

Bestätigt fühlen sich die Experten von den jüngsten Daten der Bundesagentur zum Stellenangebot. Das ist - abgesehen von einem Ausreißer im Mai - im Oktober zum siebten Mal in Folge gesunken. Mit 160 Punkten, einen Punkt weniger als im September, rutschte die Nachfrage nach Arbeitskräften auf den niedrigsten Stand seit Januar 2011. „Angesichts abgeschwächter Konjunkturerwartungen zeigen sich die Unternehmen insgesamt vorsichtiger, was Neueinstellungen angeht“, betonte die BA.

Die Tendenz auf dem Arbeitsmarkt sei inzwischen „durchwachsen“, meint auch Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld. „Im Vergleich zum Vorjahr läuft der Arbeitsmarkt nicht mehr so rund.“ Auch Steffen Henzel vom Münchner ifo-Institut ist überzeugt: „Die Tendenz der vergangenen Monate setzt sich erst mal auf dem Arbeitsmarkt fort und sorgt saisonbereinigt für weiter steigende Arbeitslosenzahlen.“

Fast alle Experten gehen allerdings nur von einer vorübergehenden Schwäche am Arbeitsmarkt aus. „Unterstellt, dass sich die Eurokrise nicht verschlimmert, dürfte die Industrie in der zweiten Jahreshälfte 2013 wieder neue Leute einstellen“, meint Henzel. Mit einem baldigen „Turnaround“ auf dem Arbeitsmarkt rechnet auch Deutsche-Bank- Volkswirt Heiko Peters: „Wenn dann wieder die Exporte zunehmen, wovon wir ausgehen, wird das auch die deutsche Konjunktur und mit etwas Verzögerung auch den Arbeitsmarkt positiv beeinflussen.“ Für das Jahr 2012 rechnet er im Schnitt mit 2,98 Millionen Erwerbslosen.

Gabriel: Arbeitgeber lassen Arbeitslosigkeit unter Älteren steigen

SPD-Chef Sigmar Gabriel wirft den Arbeitgebern unterdessen vor, Menschen über 60 unnötig aus dem Arbeitsleben gedrängt zu haben. „Ausgestiegen aus der Rente mit 67 sind Teile der Arbeitgeber“, kritisierte Gabriel in der „Passauer Neuen Presse“ vom Dienstag. „In einer Zeit mit exzellenter Wirtschaftslage haben die deutschen Arbeitgeber die Arbeitslosigkeit unter Älteren um 35 Prozent steigen lassen“, sagte der Parteivorsitzende, gleichzeitig klagten sie aber über Fachkräftemangel.

Gabriel forderte, dass „Arbeitgeber, die altersgerechte Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, geringere Rentenbeiträge zahlen sollen als die, die dies nicht tun“. Nach 45 Jahren sollten Arbeitnehmer abschlagsfrei in Rente gehen können.

dpa/dapd

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