Bankgeschäfte künftig billiger, schneller, leichter

Brüssel - Verbraucher in Deutschland und anderen Ländern Europas sollen künftig einfacher, billiger und schneller Geld ins EU-Ausland überweisen können. Was sich deshalb alles ändern wird:

Damit dies möglich wird, sollen bis 2012 alle Banken in Europa ihren europaweiten Zahlungsverkehr auf ein einheitliches System umstellen. Das erklärte am Donnerstag EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier in Brüssel.

Setzt sich die Kommission mit ihren Vorstellungen durch, sollen bereits ab 2012 Überweisungen ins EU-Ausland genauso einfach und schnell zu bewerkstelligen sein wie Inlandsüberweisungen. Und es soll billiger werden. Laut Kommission würde eine Umstellung auf den sogenannten einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum SEPA rund 123 Milliarden Euro innerhalb von sechs Jahren sparen.

“Die Verbraucher werden nur noch ein einziges Bankkonto benötigen, und ihre Zahlungen werden schneller, billiger und sicherer“, warb Barnier für den einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum. Auch Unternehmen könnten ihre Prozesse deutlich vereinfachen.

Für die Verbraucher würde das bedeuten, dass sie bei Überweisungen künftig prinzipiell die internationale Kontonummer IBAN und in einigen Fällen auch die internationale Bankleitzahl BIC angeben müssten. Lastschriftverfahren würden dann auch künftig länderübergreifend möglich. Finanztransfers sollen so ab 2012 den Empfänger spätestens am Ende des nächsten Geschäftstags erreichen. Bislang sind grenzüberschreitende Überweisungen oft deutlich komplizierter als Inlandsüberweisungen. Außerdem dauern sie meist länger.

Bislang herrscht Freiwilligkeit

Die Idee zur Vereinheitlichung gibt es schon länger. Da bisher jedoch der Grundsatz der Freiwilligkeit herrschte, ließ bislang nur ein Bruchteil der Banken Zahlungen über das europäische System laufen. Das soll sich nun ändern. Nach dem Willen der Kommission soll nun festgelegt werden, dass sämtliche Banken in Europa das System bis 2012 übernehmen sollen. Die Entscheidung darüber liegt letztlich aber bei den Mitgliedsländern. Auch das Europaparlament muss noch zum Vorstoß der Kommission Stellung nehmen.

Das neue System bringe allen Verbrauchern Vorteile, sowie mehr Sicherheit im Geldverkehr, warb Barnier für seinen Vorstoß. Die bislang eher zurückhaltende Übernahme des Systems vonseiten der Geldinstitute habe gezeigt, dass es ohne eine klare Frist nicht gehe. “Die Banken haben sich bemüht“, erklärte der Franzose. “Aber guter Wille allein reicht nicht aus.“

Mehr Kostentransparenz

Auch die Transparenz und der Wettbewerb zwischen Banken soll steigen. So soll es Banken verboten werden, bei Lastschriften versteckte Gebühren zu erheben, wie es bislang noch in einigen Ländern möglich ist. “Wir wollen wissen, wer was zahlt und wieso,“ sagte Barnier. Massive Preisunterschiede zwischen den Mitgliedsländern seien oft nicht nachvollziehbar. Nach Angaben der Kommission kosteten beispielsweise grundlegende Bankdienstleistungen in den Niederlanden derzeit nur ein Fünftel dessen, was dafür in Italien fällig wird.

Das Single Euro Payments Area (SEPA) umfasst Euro-Zahlungen zwischen den 27 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz und Monaco. Zahlungen in anderen Währungen werden nicht über SEPA abgewickelt.

dapd

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