Zu teuer, zu aufwändig

Kritik an Plänen für BER-Teileröffnung

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Check-in Schalter in der Empfangshalle im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg (BER) in Schönefeld, aufgenommen am 01.06.2012.

Berlin - Hartmut Mehdorn hat sich mit seinen umstrittenen Plänen für einen Testbetrieb auf dem neuen Hauptstadtflughafen BER durchgesetzt. Doch unmittelbar nach der Entscheidung wird erste Kritik laut.

Der Berliner Airportchef Hartmut Mehdorn hat sich mit seinen Plänen für einen Testbetrieb auf dem neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld Kritik eingehandelt. Der Vorsitzende des BER-Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, Martin Delius (Piratenpartei), sagte am Samstag im „RBB-Inforadio“, die geplanten Umbaumaßnahmen dafür seien zu teuer. Mehdorn will möglichst von März oder April 2014 an bis zu zehn Maschinen pro Tag mit maximal 1500 Passagieren starten und landen lassen. Der Aufsichtsrat gab dem Geschäftsführer am Freitag grünes Licht für sein umstrittenes Konzept und forderte ihn auf, dieses weiterzuverfolgen.

Dafür will Mehdorn den Nordflügel umbauen und sich um eine neue Baugenehmigung kümmern, wie es hieß. Delius sagte dazu, das sei vorne und hinten nicht durchgerechnet. „Dort muss Personal angeschafft werden, die Ausstattung muss funktionieren und gewartet werden.“ Die Flughafengesellschaft müsse dann „zweieinhalb“ Flughäfen betreiben, obwohl sie jetzt schon mit zweien finanzielle Schwierigkeiten habe. Auch der zuständige Landrat Stephan Loge hatte von einer Teileröffnung abgeraten und vor weiteren Verzögerungen für das Gesamtvorhaben gewarnt.

Gepäckbänder und Check-In-Schalter für 5,9 Millionen Euro

Mehdorn plant, in dem als Wartehalle gebauten Nordflügel des Terminals vorübergehend Gepäckbänder und Check-In-Schalter für 5,9 Millionen Euro aufzustellen. Später sollen zuerst die Fluggesellschaften aus Tegel zum Neubau umziehen, anschließend Schritt für Schritt die Airlines vom bestehenden Schönefelder Flughafen.

Einen Terminplan für die Gesamtfertigstellung will Mehdorn in den nächsten zwei bis drei Monaten dem Aufsichtsrat vorlegen. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können.“ Dazu werden zwei neue Bauleiter eingesetzt, wie in Branchenkreisen zu hören war: die bisherige Arbeitsschutzleiterin des Flughafens, Regina Töpfer, und der Architekt Hany Azer, mit dem Mehdorn schon den Berliner Hauptbahnhof baute.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte bei dem Treffen des Aufsichtsrats die Sitzungsleitung übernommen, nachdem Matthias Platzeck (SPD) wie angekündigt seinen Rücktritt vom Vorsitz des Kontrollgremiums erklärt hatte. Der brandenburgische Ministerpräsident legt seine Ämter nach einem leichten Schlaganfall im Juni nieder. Brandenburg werde im Oktober einen Nachrücker für Platzeck präsentieren, sagte Wowereit. Wer Vorsitzender wird, entscheidet der Aufsichtsrat danach.

"Wir sind im Zeitplan" - Zitate zum BER-Debakel

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„Es ist nicht die Frage, welche Personen hier jetzt in welche Position kommen“, sagte Wowereit auf die Frage, ob er wieder Aufsichtsratschef werden wolle. Platzeck hatte ihn im Januar abgelöst, nachdem der vierte Eröffnungstermin für den Flughafen wegen Baumängeln, Fehlplanungen und Technikproblemen geplatzt war.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring sagte „Handelsblatt Online“ dazu: „Wowereits Rückkehr an die Spitze des Aufsichtsrates ist ein Treppenwitz der Geschichte.“

Mehdorn, der seit Monaten beim Flughafenbau aufs Tempo drückt, sagte nun: „Qualität geht vor Schnelligkeit.“ In den nächsten vier Wochen will er Siemens unter Vertrag nehmen, damit das Unternehmen die Frischluftzufuhr für das Hauptterminal im Brandfall umbaut. „Siemens glaubt, im Frühherbst nächsten Jahres fertig zu sein. Wir glauben, dass das schneller gehen kann.“

dpa

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