Münchner Autobauer will zurück an Spitze

„Wir schalten auf Angriff“ - so sieht die Zukunft von BMW aus

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Will wieder an die Spitze: BMW-Chef Harald Krüger gibt auf der Bilanz-Pressekonferenz die Losung „Angriff“ aus.

München - BMW hat das vielleicht beste Jahr der Konzern-Geschichte hinter sich. Dennoch gibt es in der Bilanz einige Makel - das liegt auch an der Konkurrenz. Wie stellt sich BMW nun auf?

Die Zahlen sind spitze - trotzdem muss der Münchner Autohersteller BMW in Zukunft noch mehr Gas geben. Den trotz Rekorden bei Absatz und Gewinn hat der Konkurrent Mercedes die Bayern ausgerechnet im BMW-Jubiläumsjahr überholt. BMW-Chef Harald Krüger will den Stuttgartern den Platz an der Sonne aber schnellstmöglich wieder abjagen: „Wir schalten auf Angriff“, kündigte Krüger am Dienstag bei der Bilanzpressekonferenz von BMW an.

Dabei helfen soll eine Auffrischungskur: „Wir starten die größte Modelloffensive unserer Geschichte“, so Krüger. 40 neue Modelle sollen in den kommenden zwei Jahren auf den Markt kommen. Die tz erklärt, was die Zukunft bei BMW bringt:

Der Kampf mit Mercedes: Es wurmt sie deutlich, dass die Konkurrenz aus Stuttgart im vergangenen Jahr die Nase vorn hatte - zumindest wenn man das Autogeschäft betrachtet. „Auf der Group-Ebene sind wir weiterhin die Nummer eins“, versucht sich BMW-Chef Krüger zu trösten. Ein schwacher Trost - und deshalb stellt er auch gleich klar: „Wir schalten auf Angriff.“ Der Anspruch, die Nummer eins zu sein, gelte weiterhin. Allerdings wehrt sich Krüger dagegen, hier nur auf Absatzzahlen und Gewinn zu schielen. „Für uns ist es genauso wichtig, in Sachen Arbeitgeberattraktivität, Nachhaltigkeit und Innovationsführerschaft die Nase vorn zu haben“, so Krüger, der sich in diesen Feldern auf einem guten Weg wähnt.

Die Zukunft: „Für uns beginnt 2017 eine neue Zeitrechnung“, so Krüger. BMW wandle sich zum „Technologieunternehmen für Premiummobilität.“ Wie weit dieser Wandel fortgeschritten ist, zeigt eine Zahl besonders eindrucksvoll: „Bereits heute stellen wir mehr IT-Spezialisten als Maschinenbauer ein“, so Krüger. Der Chef drückt auf die Tube: „Beim autonomen Fahren wollen wir schnelle Fortschritte. Dafür bündeln wir im neuen Forschungs- und Entwicklungszentrum für autonomes Fahren bei München alle Kompetenzen in diesem Feld.“ Bis 2021 will BMW gemeinsam mit Intel und Mobileye ein autonomes Fahrzeug auf die Straße bringen.

Die nackten Zahlen: Eigentlich gibt es an der BMW-Bilanz nichts auszusetzen: Der Konzern verkaufte im vergangenen Jahr 2,4 Millionen Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce. Jetzt kommt das Eigentliche: Im direkten Markenvergleich musste BMW aber nach elf Jahren an der Spitze der Konkurrenz von Mercedes den Vortritt lassen. Auch mit dem Gewinn könnten sie zufrieden sein - er stieg um acht Prozent auf 6,9 Milliarden Euro.

Trump und Brexit - die politischen Herausforderungen: Ausgerechnet in den für BMW besonders wichtigen Märkten USA und Großbritannien herrscht derzeit große politische Unsicherheit. Immerhin hatte BMW-Chef Krüger am Freitag die Gelegenheit, US-Präsident Donald Trump persönlich zu treffen. „Ich bin der Bundeskanzlerin sehr dankbar für ihre Einladung zum Gespräch im Weißen Haus“, so Krüger. Über die umstrittenen Einfuhrzölle habe man zwar nicht geredet, Krüger konnte aber „die Investionen der Autoindustrie in USA darlegen“. Das US-Werk in Spartanburg ist mittlerweile das größte Werk im BMW-Konzern - und wird es auf lange Sicht auch bleiben. „Dort arbeiten 9000 Menschen - und an jedem Arbeitsplatz hängen vier bis zehn weitere“, erklärte Krüger dem US-Präsidenten, für den er auch eine emotionale Botschaft im Gepäck hatte: „Die USA sind unsere zweite Heimat.“ Nichtsdestotrotz hält BMW am Bau seines Werkes in Mexiko fest - geplante Eröffnung ist 2019.

Für die Briten, die in der kommenden Woche den Brexit offiziell erklären wollen, hat Krüger eine kleine Drohung im Gepäck. „Wir stellen uns auf verschiedene Szenarien ein“, so Krüger. „Mini-Modelle werden auch bei VDL Nedcar im niederländischen Born gefertigt - das verleiht uns Flexibilität“, lässt Krüger die Brexit-Verhandler wissen.

Milliarden für die Quandts - 9000 Euro für die Mitarbeiter: Die Geschwister Stefan Quandt und Susanne Klatten erhalten von BMW in Kürze mehr als eine Milliarde Euro Dividende. Denn BMW wird heuer insgesamt 2,3 Milliarden Euro als Dividende an seine Aktionäre ausschütten. Die Familie Quandt besitzt 46,7 Prozent der BMW-Stammaktien, damit entfallen auf sie stolze 1,074 Milliarden Euro. Das sind 93 Millionen mehr als im Vorjahr. Auch BMW-Chef Krüger darf sich über höhere Bezüge freuen. Krüger erhielt laut Geschäftsbericht 7,6 Millionen Euro - etwa 1,4 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Aber auch die 88.000 BMW-Beschäftigten in Deutschland bekommen einen ordentlichen Bonus. Ein Facharbeiter erhält etwa 9000 Euro zusätzlich - die bisher höchste Erfolgsbeteiligung. Und, wie Krüger hinzufügt, auch der höchste Bonus im Vergleich mit der Konkurrenz.

Marc Kniepkamp

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