Nach Kartell-Vorwürfen

„Mitten in einem Tsunami“: BMW offenbar sauer auf Daimler 

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Der eigentliche Kooperationspartner Daimler lieferte BMW ans Messer. Nun denkt das Unternehmen über die Kooperation nach.

Immer tiefer sinken die großen deutschen Autobauer in den Strudel der Kartell-Vorwürfe. Nun gibt es erste Reaktionen von BMW gegenüber Daimler: Und das Unternehmen ist offenbar sauer.

München - Der Verdacht geheimer Absprachen deutscher Autobauer zum Schaden von Verbrauchern und Zulieferern überschattet die Debatte über die Zukunft des Diesels. Politiker und Branchenbeobachter reagierten am Wochenende alarmiert auf einen „Spiegel“-Bericht, demzufolge Vertreter von Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler sich schon seit den 90er Jahren gemeinsam über Technik, Kosten und Zulieferer verständigt haben sollen. 

BMW ist sauer: „Das Vertrauen ist total beschädigt“

BMW hat sich öffentlich zu den Vorwürfen geäußert: In einer Mitteilung wies das Unternehmen die Vorwürfe der Abgasmanipulation bei den eigenen Modellen sowie die Kartellvorwürfe im Zusammenhang mit den Reinigungssystemen zurück. Bei Daimler sprach man lediglich von „Spekulationen“. 

Doch nun scheinen sich die Fronten auch zwischen den Auto-Riesen zu verhärten: Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, soll BMW Gespräche über weitere Kooperationen mit Daimler vorerst ausgesetzt haben. Der Grund: Daimler soll sich bereits 2014 stillschweigend selbst angezeigt haben. Damit gilt Daimler als Kronzeuge und könnte bei einer möglichen Verurteilung der Unternehmen straffrei davon kommen. Derzeit ist die EU-Kommission mit den Ermittlungen befasst. Auch VW soll sich offenbar 2016 selbst angezeigt haben. Damit könnte auch die Strafe für Volkswagen deutlich geringer ausfallen. BMW könnte dagegen die volle Strafe treffen. 

BMW ist sauer: „Das Vertrauen ist total beschädigt“

Nach Berichten der Süddeutschen Zeitung ist BMW deswegen ziemlich sauer. Denn eigentlich arbeiten Daimler und BMW bereits seit vielen Jahren zusammen: Zum einen wollen sie das Tankstellennetz für Elektrofahrzeuge ausbauen. Zum anderen planten die Unternehmen eine Allianz ihrer Carsharing Ableger Car 2 Go (Daimler) und Drive Now (BMW). Auch beim Einkauf kooperieren die beiden Unternehmen seit langem, um bessere Lieferpreise zu bekommen. 

Dass Daimler sich nun stillschweigend selbst angezeigt hat, um straffrei davon zu kommen, ärgert den eigentlich Kooperationspartner BMW offenbar. Aus Industriekreisen heißt es: „Das Vertrauen ist total beschädigt.“ Man befinde sich nun „mitten in einem Tsunami.“ Auch Konzernkreise bestätigten dies. Einen Vorstandsbeschluss gebe es zwar nicht, dennoch will das BMW-Management offenbar die Zusammenarbeit kritisch hinterfragen. 

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