Boeing und Airbus streiten um Subventionen

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Besucher der Luftfahrtmesse in Le Bourget zwischen einer Boeing 777 und einem Airbus A340.

Paris - Die Luftfahrt steckt in der schwersten Krise aller Zeiten. Auch bei den beiden Branchenriesen Airbus und Boeing liegen die Nerven blank. Beide sind nun im Streit um Milliarden-Subventionen heftig zusammengerauscht.

Airbus solle seine Milliardenreserven nutzen und endlich mal ein Flugzeug alleine finanzieren, meckert Boeing. Boeing sei höher subventioniert als alle anderen, schallt es von den Europäern zurück.

Mitten in der schwersten Luftfahrtkrise aller Zeiten liegen die Nerven bei beiden Flugzeugbauern blank. Wann der erhoffte Aufschwung kommt, ist unsicher. Allen demonstrativen Optimismus zum Trotz fahren beide Hersteller die Produktion langsam herunter.

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In dieser Lage stehen zudem der Erstflug der Boeing 787 und die Entscheidung über Staatshilfen für die Airbus A350 unmittelbar bevor. Der Erfolg dieser beiden Flugzeuge wird aber darüber entscheiden, wer von beiden Herstellern in den nächsten Jahren die Nase vorn hat. “Die A350 steht in Wettbewerb mit der 787 von Boeing, einem der meistsubventioniertesten Flugzeuge“, erklärt der Chef des Airbus-Konzerns EADS, Louis Gallois. Staatliche Hilfen seien daher nur fair, um die Subventionen für die 787 auszugleichen.

Kaum hatten Deutschland und Frankreich sich bereiterklärt, die A350 mit Milliardenkrediten zu unterstützen, ging Boeing in die Offensive. “So eine Finanzierung würde gegen die Verpflichtungen der Mitgliedstaaten zur Einhaltung der WTO-Regeln verstoßen“, erklärte Boeing in Paris . “Es ist höchste Zeit, dass Airbus seine Flugzeugentwicklung zu Marktbedingungen finanziert und dabei seine eigenen Ressourcen nutzt, die nach seinen Angaben reichlich sind.“

Der US-Konzern spürt Wind in den Segeln, weil die Demokraten von US-Präsident Barack Obama als protektionistischer gelten als die abgewählten Republikaner. Selbst wenn der Protest gegen die A350-Finanzierung ins Leere liefe: Washington könnte wegen des Streits eher geneigt sein, den Milliardenauftrag für Tankflugzeuge an Boeing zu geben und die Airbus-Tanker zu verschmähen, sagten Branchenexperten. Damit würde Boeing seinen Erzrivalen EADS weiter vom lukrativen US-Militärmarkt fernhalten.

Eigentlich hatten Amerikaner und Europäer alles geregelt: 1992 hatten beide sich auf die Regeln für die Finanzierung des Flugzeugbaus verständigt. Doch 2004 hatte Washington das Abkommen einseitig gekündigt. Seitdem wogt der Streit mit unterschiedlicher Intensität. Washington zog sogar vor die WTO und Brüssel konterte mit einer Gegenklage. Dort schien der Konflikt einzuschlafen, weil der Subventionsdschungel kaum zu lichten ist.

Denn in dem Streit geht es um mehr als nur ein paar rückzahlbare Kredite. Airbus muss die Darlehen mit Zinsen zurückzahlen und sogar noch etwas drauflegen, wenn das Flugzeug ein Erfolg wird. “Seit 1992 haben wir den Regierungen 40 Prozent mehr zurückgezahlt, als wir bekommen haben“, sagt Airbus-Chef Enders. Brüssel hat das der WTO bestätigt. Also wo liegt das Problem? Einmal schon darin, dass die Starthilfekredite eindeutig Subventionen sind. Und wenn das neue Flugzeug zum Ladenhüter wird, gibt es auch keine Rückzahlung.

Außerdem fließen Subventionen auf allen Ebenen. Die 787 sei das meistsubventionierte Verkehrsflugzeug aller Zeiten, meint Airbus. Und zwar läuft das auf indirektem Weg: Boeing nutzt Verbundstoffe und Techniken, die es mit Steuergeldern über die NASA für sein Raumfahrtprogramm oder über das Pentagon für seine Kampfjets entwickelt hat.

Der Rumpf wird in Werken von Japan bis Italien vorgefertigt, die mit Riesensummen aus der Regionalförderung aufgebaut wurden. Niemand kann wirklich sagen, welche Gemeinden, Regionen und Länder insgesamt wie viel gezahlt haben, damit Boeing mit seinem “Dreamliner“ 787 seinen Rückstand gegen Airbus in einen Vorsprung verwandeln kann.

Das ist bei Airbus aber nicht anders; EADS bekommt nur weniger Geld aus den Rüstungsbudgets. Airbus-Verkaufschef John Leahy machte am Dienstag keinen Hehl daraus, dass Airbus für eine Fertigung der A350-Flügel in Großbritannien erwartet, dass sich London an der Anschubfinanzierung beteiligt.

3,3 Milliarden Euro sollen die Airbus-Staaten zur Finanzierung der elf Milliarden Euro Entwicklungskosten beitragen. Niemand zweifelt mehr daran, dass sie es tun. “Bei all den zig-Milliarden, die die Europäer ausgeben, um die Spekulationsverluste ihrer Banken auszugleichen, spielt die Summe doch gar keine Rolle“, sagte ein Insider der dpa auf der Luftfahrtmesse.“

Außerdem werden mit den Finanzmitteln hochwertige Arbeitsplätze und Zukunftstechnologien in Europa gesichert.“ Nur die Spanier zieren sich noch: Sie sind verärgert, weil sie beim Militärtransporter A400M nicht mehr das Sagen haben.

Hans-Hermann Nikolei, dpa

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