Wem nutzt die Volkswagen-Affäre?

Börsen-Experten wittern Verschwörung beim VW-Skandal

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Die ARD-Börsenexpertin Anja Kohl zu Gast in der ARD-Talkshow Günther Jauch.

Berlin - Der VW-Abgas-Skandal nimmt ungeahnte Ausmaße an. Doch wem nutzt die Abgasaffäre eigentlich? Zwei TV-Börsenexperten haben da ihre eigenen Theorien.

Dass ausgerechnet die Amerikaner den Betrug von VW bei der Messung von Abgaswerten aufdecken, sei schon ein bemerkenswerter Zufall, meinte ARD-Börsenexpertin Anja Kohl. In der ARD-Talkshow von Günther Jauch stellte sie  provokant zur Diskussion: "Wir sollten uns schon mal fragen, wer hat eigentlich ein Interesse daran, den Diesel und die Automobilindustrie potentiell zu schwächen?"

Dass der Abgas-Skandal für VW extra-teuer werden wird, ist für Kohl klar: "Wir werden es erleben, wie viel VW zahlen muss. Wir hatten nicht funktionierende Airbags, wir hatten nicht funktionierende Bremsen, wir hatten nicht funktionierende Zündschlösser, wir hatten explodierende Tanks in den USA. GM hat für die letzten beiden Fälle insgesamt fünf Milliarden Euro umgerechnet bezahlt. Wir hatten Südkoreaner, Hyundai, Kia, die haben für die Angabe des falschen Spritverbrauchs 80 Millionen Euro gezahlt. Und jetzt reden wir bei VW schon von 16 Milliarden Euro."

"Mr. Dax": VW-Skandal ist überzogen

Börsen-Experte Dirk Müller

Dass zumindest ein Interesse von Seiten der Amerikaner vorhanden ist, die ungeliebte Konkurrenz aus Deutschland in der Auto-Branche zu schwächen, glaubt auch der Börsen-Experte Dirk Müller. "Ist es nicht ein bemerkenswerter Zufall, dass dieses Thema just an jenem Tag in den USA hochkommt, an dem VW dort seinen lang erwarteten neuen Passat vorstellt, das Fahrzeug, das in den nächsten Jahren den Heimatmarkt von GM und Ford aufwirbeln sollte? Man scheint diese zweifellos unschöne Situation zumindest nun brutalstmöglich ausnutzen zu wollen. Ein frontaler Angriff auf die bisher übermächtige deutsche Automobilindustrie, das Herz der deutschen Wirtschaft", schreibt der als "Mr. Dax" bekannte Börsen-Experte bei n-tv.

"Lassen wir die Kirche im Dorf"

Damit schlägt Müller in die gleiche Kerbe wie seine Kollegin Anja Kohl. Denn das Ausmaß der Zahlungen, die angeblich auf VW zukommen, seien aus seiner Sicht völlig überzogen. "Machen wir uns bei allem Blutrausch dieser Stunden noch einmal klar, dass wir über geschönte Abgaswerte sprechen. Lassen wir die Kirche im Dorf und helfen wir den Mitbewerbern jenseits des Atlantiks nicht noch dabei, unsere eigene Wirtschaft in den Boden zu stampfen. Bei General Motors und Ford dürften dieser Tage die Champagnerkorken knallen. Die defekten Zündschlösser bei GM führten zu 174 Toten und wurden mit einer Strafe von 900 Millionen US-Dollar geahndet. Bei Volkswagen spricht man nun über 18 Milliarden US-Dollar Strafe wegen geschönter Abgaswerte."

Ob wirklich eine Verschwörung der Amerikaner gegen die deutsche Automobilbranche vorliegt, ist zu diesem Zeitpunkt nur Spekulation. Dass der Abgas-Skandal US-Unternehmen in die Karten spielt, dürfte unbestritten sein.

mzl

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