Altersarmut: Quote in Bayern am höchsten

München - Bayerns Rentner arm dran: Im bundesweiten Vergleich hat nach Angaben des Sozialverbands VdK der Freistaat die meisten in Armut lebenden Rentner. Die Ergebnisse der Erhebung im Überblick.

“Die Armutsquote aller über 65- Jährigen ist mit 17,7 Prozent in Bayern 2009 so hoch wie nirgendwo sonst in der Bundesrepublik“, sagte Ulrike Mascher, Präsidentin des VdK Deutschland und Vorsitzende des Landesverbandes, am Dienstag in München. In Bayern liege die Armutsquote vier Prozent höher als im bundesweiten Durchschnitt. Auch Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen eine Erwerbsminderungsrente beziehen, lebten immer häufiger in Armut, auch im Alter.

Wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung in ganz Deutschland zum Leben hat, gilt nach EU-Definition als armutsgefährdet. Nach Angaben des bayerischen Sozialberichtes 2010 sind diejenigen, die weniger als 846 Euro im Monat zur Verfügung haben, armutsgefährdet. Besonders erschreckend sei, dass jede fünfte Rentnerin in Bayern arm ist, sagte Mascher. Das größte Armutsrisiko für Frauen sei Kindererziehung. Wegen fehlender Betreuungsangebote zögen sich Frauen oft vom Arbeitsmarkt zurück.

In den vergangenen sechs Jahren sei die Armutsrisikoquote bei Frauen von 17,4 auf 20 Prozent gestiegen. “Familienarbeit und lange Kindererziehungszeiten dürfen Frauen in unseren Sozialversicherungssystemen nicht zu Verliererinnen machen“, sagte Bayerns Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) in einer Reaktion. “Deshalb erwarte ich vom VdK tatkräftige Unterstützung bei meinem Einsatz für eine bessere Anrechnung von Kindererziehungszeiten in der Rente.“

Der VdK fordert von der Staatsregierung, dem Thema Altersarmut einen höheren Stellenwert einzuräumen, etwa, indem sie einen unabhängigen Armutsbeauftragten im Landtag schafft. Im kommenden Jahr will der VdK die Pflegeversicherung zu einem Schwerpunktthema machen. “Wir fordern die Zusammenführung der gesetzlichen und der privaten Pflegeversicherung“, sagte Mascher. In diesem Jahr gewann der Verband 50 000 neue Mitglieder - ein Rekordzuwachs, wie VdK-Landesgeschäftsführer Albrecht Engel berichtete. Dafür macht er unter anderem den Online-Protest “Stoppt den Sozialabbau“ des Verbandes verantwortlich, für den sich bereits 204 000 Unterstützer eingetragen hätten.

dpa

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