Zufall oder trickreiche Verkaufstaktik? 

Darum zeigen Uhren in der Werbung immer 10.10 Uhr an

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Ein typisches Uhren-Werbefoto, hier für eine Smartwatch.

München - In der Uhren-Branche scheint es einen ungeschriebenen Konsens zu geben: Alle Uhren, die sich verkaufen sollen, zeigen die Zeit 10.10 Uhr an. Aber warum ist das so?

Ob im Schaufenster, auf Katalogseiten oder im Werbefilm: Die Zeiger von Uhren, die sich verkaufen sollen, scheinen geheimnisvollerweise allesamt auf einer ganz bestimmten Zeit stehengeblieben zu sein - und zwar immer auf 10.10 Uhr.   

Tatsächlich gibt es jene immergleichen Zeigerstellungen im Verkauf und der Bewerbung von Uhren bereits seit dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. So waren Inhaber eines jeden Rolex-Ladens schon in den 1920ern geradezu peinlich genau darauf bedacht, die Zeit auf allen Uhren ihres teuren Sortiments auf 10:17 Uhr einzustellen. Eine ungeschriebene Regel, an der auch der Uhrenhersteller Seiko in den 60er Jahren weiter festhielt: Alle in Katalogen beworbenen Uhren zeigten damals die Zeit 10 Uhr, 8 Minuten und 42 Sekunden an.  Mittlerweile hat sich in der Branche allerdings der leicht abgewandelte Zeitpunkt 10.10 Uhr etabliert.

Aber woran liegt das?

Tatsächlich sind mehrere Lösungsansätze zur Enthüllung dieses rätselhaften Phänomens denkbar: Zunächst einmal können die Zeiger damit keine Hilfszifferblätter oder Datums-Anzeigen verdecken. 

Dieser logischen, aber allzu geschäftsmäßigen Erklärung stellen Verhaltensforscher und Psychologen laut freiepresse.de eine stark emotionalisierte Theorie gegenüber: Demnach bilden die beiden Zeiger zum Zeitpunkt 10.10 Uhr ein symmetrisches V, das fast wie ein freundliches Lächeln aussieht. Die „lächelnden“ Uhren sollen sich positiv auf die Grundeinstellung der Kunden auswirken und vielleicht sogar ihren Kaufanreiz steigern. 

Die Ergebnisse einer Studie aus dem Jahr 2007, aus der die Zeit zitiert, bringen den Wahrheitsgehalt dieser Theorie allerdings gehörig ins Wanken: 

In ihrer Untersuchung präsentierten Psychologiestudenten aus Jena 115 Testpersonen mal „lächelnde“ und mal „traurige“ Uhren und konnte am Ende keinerlei Präferenz feststellen. 

Der Fokus soll auf der Marke liegen

Am logischsten erscheint deshalb doch eine weit verbreitete Hypothese mit eher pragmatischem Ansatz: Mit der Zeiteinstellung auf 10.10 Uhr wird nämlich das Markenlogo von den Zeigern nicht nur nicht verdeckt, sondern auch elegant freigelegt und umrahmt.  

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