DAX stürzt auf Jahrestief

Frankfurt - Die wichtigsten deutschen Aktienindizes haben ihre Talfahrt am Donnerstag im späten Handel ungebremst fortgesetzt. Auch der Dow-Jones-Index brach um mehr als 500 Punkte ein.

Der L-Dax schloss bei 6381,79 Punkten, nachdem der Leitindex Dax im regulären Geschäft bereits um 3,40 Prozent auf 6414,76 Punkte und damit auf ein Zehnmonatstief abgerutscht war. Börsianer verwiesen auf charttechnische Gründe für die Entwicklung. Der L-MDax ging mit 9151,77 Punkten aus dem späten Handel. Im Kerngeschäft war der Index der mittelgroßen Werte noch etwas stärker um 5,08 Prozent auf 9225,29 Punkten abgestürzt. Der L-TecDax stand am Ende bei 717,53 Punkten. Im Xetra-Handel hatte der Technologiewerte-Index nicht weniger deutlich um 4,96 Prozent auf 724,38 Punkte nachgegeben. 

Auch der Dow-Jones-Index der führenden Industriewerte ist am Donnerstag an der New Yorker Börse um über 500 Punkte eingebrochen. Die in diesem Jahr erzielten Gewinne waren damit wieder verloren.

Seit den Höchstwerten im April gaben alle wichtigen Indizes an der Wall Street um mehr als zehn Prozent nach.

Die Europäische Zentralbank (EZB) befürchtet unterdessen, dass die Wirtschaft im Euroraum ins Stocken gerät. Deshalb stellt sie den von der Euro-Schuldenkrise gebeutelten Banken, von denen viele ausfallgefährdete Anleihen halten, erneut Geld zu günstigen Konditionen bereit. Außerdem machen sich die Notenbanker um den scheidenden Präsidenten Jean-Claude Trichet Sorgen um die Preisstabilität. An der Börse wurden der Konjunkturpessimismus der EZB und die Aussicht auf steigende Zinsen abgestraft, der DAX stürzte am Donnerstag auf ein neues Jahrestief

Trichet warnte nach einer EZB-Ratssitzung in Frankfurt am Main erneut vor Inflationsgefahren. Die Risiken müssten “sehr genau beobachtet“ werden. Für Experten ist diese Wortwahl - die an den Finanzmärkten sehr genau beachtet wird - ein Hinweis darauf, dass die Leitzinsen noch in diesem Jahr erneut angehoben werden könnten.

Im Juli hatte die EZB den wichtigsten Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld leihen, um 0,25 Prozent auf 1,50 Prozent erhöht. Am Donnerstag ließen die Zentralbanker den Leitzins unangetastet. Das war von Volkswirten so erwartet worden, obwohl der Anstieg der Verbraucherpreise in den vergangenen Monaten deutlich über jenen zwei Prozent lag, die die EZB noch für vertretbar hält. Allerdings legt die Zentralbank traditionell Pausen zwischen Zinserhöhungs- oder -senkungsperioden ein. Dabei dürfte auch die schwachbrüstige Verfassung vieler hoch verschuldeter Euroländer eine Rolle spielen. Dort könnten höhere Zinsen die Wirtschaft vollends abwürgen.

Der EZB-Präsident, der im Herbst vom Italiener Mario Draghi abgelöst wird, bezeichnete die Unsicherheit für die Konjunktur denn auch als “ungewöhnlich hoch“. Nach dem starken ersten Quartal sei es zu einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums gekommen.

Um das wieder anzukurbeln und den Banken ausreichend Mittel zur Verfügung zu stellen, öffnet die EZB jetzt erneut die Geldschleuse: In der kommenden Woche können sich die Institute für ein halbes Jahr zu günstigen Bedingungen Geld bei ihr leihen. Die Möglichkeit, kürzer laufende unbegrenzte Kredite aufzunehmen, verlängerte die Notenbank bis zum Jahresende.

dapd/dpa

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