Millionen für Ex-Chef

Gut gefüllter Bonustopf bei Deutscher Bank

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Vorstandschef Christian Sewing erhält sieben Millionen Euro aus dem Bonustopf. Foto: Arne Dedert

Die Deutsche Bank schreibt erstmals seit 2014 unter dem Strich wieder schwarze Zahlen. Davon profitiert auch die Vorstandsetage mit millionenschweren Boni. Topverdiener ist allerdings Ex-Chef Cryan.

Frankfurt/Main (dpa) - Ein milliardenschwerer Bonustopf und Millionen für Ex-Chef John Cryan: Die Deutsche Bank schüttet viel Geld an Mitarbeiter und Topmanager für 2018 aus.

Der Bonustopf ist mit 1,9 Milliarden Euro gefüllt, wie aus dem Geschäftsbericht des Instituts hervorgeht, das derzeit mit der Commerzbank über eine Fusion verhandelt.

Im Jahr zuvor waren es noch 2,3 Milliarden Euro - allerdings bei deutlich mehr Mitarbeitern. Ex-Chef Cryan bekommt nach nicht einmal drei Jahren an der Spitze des Instituts für seinen unfreiwilligen Abschied eine Abfindung von knapp 8,7 Millionen Euro.

Sein seit April 2018 amtierender Nachfolger Christian Sewing erhält insgesamt 7 Millionen Euro (2017 als Vorstandsmitglied: 2,9 Mio). Knapp 3,3 Millionen Euro davon sind Fixgehalt - der Rest geht auf variable Vergütungen zurück, die zum Teil erst später ausgezahlt werden.

Die Deutsche Bank hatte im vergangenen Jahr erstmals seit 2014 wieder Geld verdient. Allerdings blieb der Gewinn mit 341 Millionen Euro weit hinter dem der meisten Konkurrenten zurück. Sewing will daher weiter Personal abbauen. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der Vollzeitkräfte um 5797 auf 91 737.

Topverdiener in der aktuellen Führungsetage ist der stellvertretende Vorstandschef und Leiter der Unternehmens- und Investmentbank, Garth Ritchie. Er bekam für das vergangene Jahr eine Gesamtvergütung von 8,6 (2017: 3,25) Millionen Euro. Allerdings sind 3 Millionen davon darauf zurückzuführen, dass er die Verantwortung für die komplexen und schwierigen Vorbereitungen der Bank auf den Brexit trägt.

Ex-Chef Cryan ist derjenige Vorstand, der im vergangenen Jahr am meisten verdiente, obwohl er wegen der anhaltenden Probleme der Bank Anfang April 2018 seinen Hut nehmen musste. Neben der Abfindung bekam Cryan in den letzten Monaten seiner Amtszeit noch knapp 1,9 Millionen Euro Gehalt.

Hinzu kommt eine vertraglich festgelegte Entschädigung in Höhe von 2,2 Millionen Euro für ein Verbot, in einem bestimmten Zeitraum zu einem Wettbewerber zu gehen. Damit summiert sich Cryans Bezahlung, die zum Teil aber erst in den kommenden Jahren ausgeschüttet wird, auf insgesamt 12,8 Millionen Euro.

Die Gesamtvergütung der Vorstandsmitglieder stieg auf insgesamt 55,7 Millionen Euro (Vorjahr: 29,8 Millionen Euro). Der Aufsichtsrat habe den Managern erstmals seit drei Jahren eine variable Vergütung gewährt, erklärte das Institut. Diese richte sich danach, wie die jeweiligen persönlichen Ziele und die des Konzerns erreicht würden. Insgesamt kamen 643 Mitarbeiter des Instituts auf eine Vergütung von einer Million Euro oder mehr.

Vostandschef Sewing führt seit kurzem vor allem auf Druck der Politik Fusionsgespräche mit der Commerzbank. Die Gewerkschaft Verdi befürchtet im Falle eines Zusammenschlusses den Verlust von bis zu 30.000 Jobs. Ende 2018 beschäftigten beide Institute zusammen gut 133.000 Vollzeitkräfte.

Da der Geschäftsbericht vor der Bestätigung der Gespräche am vergangenen Sonntag fertiggestellt worden war, findet sich darin nichts Neues zu dem Fusionsthema.

Mit Blick auf das Geschäft sieht die Deutsche Bank bei den für sie sehr wichtigen Kapitalmärkten wieder etwas bessere Bedingungen als zuletzt. "Im Wertpapierhandel (Sales & Trading) haben sich die Marktbedingungen im ersten Quartal im Vergleich zu dem turbulenten Umfeld im vierten Quartal verbessert", schrieb Sewing in dem Geschäftsbericht an die Aktionäre. "Im historischen Vergleich bleibt die Marktaktivität aber relativ gering." Daher müsse die Bank vor allem auch weiter auf Kosten schauen um die Finanzziele zu erreichen.

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, rief unterdessen die Politik dazu auf, sich aus einer möglichen Fusion herauszuhalten. Fuest sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Freitag), die Politik müsse auf Finanzstabilität und natürlich auch auf das Risiko einer Haftung der Steuerzahler achten. Eine neue Bank sollte deshalb besonders solide sein. "Ansonsten hat die Politik sich aber rauszuhalten, wenn zwei Banken über eine Fusion sprechen. Dies gilt umso mehr, als der Wettbewerb nicht beschränkt wird. Wir haben genug Banken in Deutschland, eher zu viele."

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