Kathrein: Auftragslage gekippt

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Professor Dr. Dr. h.c. Anton Kathrein (vorne links) ehrte gemeinsam mit Harald Neubauer, Chef der Agentur für Arbeit Rosenheim (vorne, Zweiter von rechts), und dem Geschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, Peter Driessen (vorne, rechts), Jubilare, die seit 40 Jahre für den Antennen-Hersteller tätig sind.

Rosenheim - Im ersten Halbjahr 2011 waren die Auftragsbücher übervoll. Seitdem ist die Lage jedoch gekippt. Für 2012 erwartet Professor Kathrein eine "Durststrecke".  *NEU: Mitarbeiterehrung*

Auf ein "verrücktes Jahr 2011" hat Professor Dr. Dr. Anton Kathrein bei der Jubilar-Ehrung im Rosenheimer Kathrein-Werk zurückgeblickt. Nach einem sehr guten ersten Halbjahr mit übervollen Auftragsbüchern ist die Konjunktur in der Kathrein-Gruppe in den vergangenen acht Wochen gekippt - mit der Folge, dass für das erste Halbjahr 2012 eine "Durststrecke" erwartet werde.

Voraussichtlich fast 20 Prozent mehr Umsatz als im Voblbrjahr, als dieser bei 1,135 Milliarden Euro lag: Angesichts dieser positiven Entwicklung muss die Kathrein-Gruppe mit 61 Firmen und weltweit 6700 Mitarbeitern (1800 davon am Standort Rosenheim) "nicht in Sack und Asche gehen", nahm der Unternehmenschef jedoch einer schlechten Stimmung den Wind aus den Segeln. Doch er gab in seinem Jahresrückblick, der traditionell die Jubilar-Ehrung in der Kantine von Werk III einläutet, auch offen zu: "Wir haben den Mitte des Jahres angepeilten Umsatzplan mit 1,4 Milliarden Euro nicht realisieren können." Als Grund nannte Kathrein einen Auftragseinbruch in den vergangenen zwei Monaten auch als Folge voller Lager bei den Stammkunden und einer allgemeinen Verunsicherung in der Wirtschaft aufgrund der Währungs- und Finanzmarktkrisen. Diese führe wohl auch dazu, dass Großprojekte derzeit verschoben würden. Auf die Entwicklung des Geschäfts im nächsten Jahr wird sich zum Bedauern von Kathrein auch die Tatsache auswirken, dass im Großraum München eine Entlassungswelle ansteht, die auch Kathrein-Großkunden betrifft. Auch die Automobilbranche, wichtiger Partner des weltweit größten Antennen-Herstellers, erwartet nach dem Auftragsboom als Aufholeffekt nach der Wirtschaftskrise jetzt einen natürlichen Rückgang der Geschäfte. Hoffnung für Anfang 2012 verbreitet jedoch nach Angaben von Kathrein auch die Tatsache, dass zum 30. April der Fernsehempfang von analog auf digital umgestellt wird - mit der Folge, dass viele Verbraucher ihre Receiver-Technik umstellen müssen.

"Das erste Halbjahr 2012 wird schwierig", prophezeite Kathrein trotzdem angesichts des Auftragsrückgangs in den vergangenen acht Wochen. Er verwies jedoch darauf, dass die Kathrein-Gruppe ihre Hausaufgaben zur Bewältigung einer Durststrecke gemacht habe. Personalabbau sei nur im temporären Bereich möglich, das Stammpersonal müsse durch andere Instrumente - etwa die flexible Nutzung von Zeitkonten - gehalten werden. Denn die Fachkräfte würden für zu erwartende neue Auftragswellen dringend gebraucht.

Selbst in den Krisenjahren 2008 und 2009 und bis heute hat Kathrein in der Gruppe 1000 weitere Mitarbeiter eingestellt. "Und wir suchen nach wie vor etwa 60 Techniker und Ingenieure", unterstrich der Unternehmenschef. Der Kampf um hoch qualifizierte Fachkräfte als Folge der demographischen Entwicklung sei bereits voll entbrannt, bedauerte er. Unter anderem hätten Headhunter versucht, Mitarbeiter abzuwerben.

Seine Zuversicht in eine weitere positive Entwicklung des Unternehmens unterstrich Kathrein auch mit der Tatsache, dass in den vergangenen drei Jahren in der Gruppe allein 78,5 Millionen Euro investiert worden seien - 31 Millionen davon 2011. Auch aufgrund dieser Modernisierungen sei das Unternehmen gut aufgestellt für die Herausforderungen der nächsten Jahre. Betriebsratsvorsitzender Ludwig Weimann unterstrich als weiteres zukunftsweisendes Element der Firmenpolitik die Standort-Sicherung für Rosenheim.

Zu Kathreins Voraussage einer sich wieder abschwächenden Konjunktur nahm auch Harald Neubauer, Leiter der Agentur für Arbeit Rosenheim, Stellung. "Ich gehe davon aus, dass die Gewitterwolken nur von vorübergehender Natur sind", betonte er. Die Verunsicherung rund um die Stabilität des Euros und die Staatsverschuldungen sei zwar durchaus zu spüren. Doch nach wie vor herrsche "ein begründeter Optimismus" auf Fortsetzung des Aufschwungs vor. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern, Peter Driessen, deutete an, dass die aktuelle Konjunktur-Umfrage der Kammer nach Rückgang der ersten 20 Prozent der Stellungnahmen zwar nach wie vor eine positive Stimmung ergeben habe, doch die Betriebe ihre Erwartungen für das nächste Jahr etwas abdämpfen würden. Als Ursache sieht auch Driessen eine allgemeine Verunsicherung aufgrund der Krisen im EuroRaum. Sorgen bereiten würden auch die wachsenden Rohstoff- und Energiepreise. "Doch ich bin überzeugt, dass wir diese Probleme in den Griff bekommen", zog er als Fazit.

Übereinstimmend nannten Kathrein, Neubauer und Driessen den Fachkräftemangel als eine der größten Herausforderungen der Zukunft. "Bereits heute sind im Agenturbezirk Rosenheim viele Stellenangebote nicht mehr zu besetzen", bedauerte Neubauer.

Mitarbeiter geehrt

126 Mitarbeiter ehrte Professor Dr. Dr. h.c. Anton Kathrein in einer Feierstunde im Werk III mit persönlichen Worten für zehn, 25 und 40 Jahre Betriebszugehörigkeit. Für 40 Jahre Betriebszugehörigkeit wurden Hans-Joachim Christoph, Hermann Denk, Hermann Gahr, Siegfried Gollan, Karl-Heinz Graf, Johann Inninger, Edmund Karlstetter und Werner Schechner geehrt. Seit 25 Jahren bei Kathrein sind Franz Alders, Silvia Bajraj, Lorenz Baumann, Veronika Betz, Josef Bosch, Ursula Breu, Michael Buckreus, Bernhard Doll, Eric Doppelbauer, Kurt Dörer, Josef Eckersberger, Ludwig Endres, Irene Ficile, Johann Fischbacher, Petra Frank, Erich Franke, Maximilian Göttl, Uwe Hedtstück, Joachim Herold, Hans Hinterreiter, Rita Huber, Jürgen Jaensch, Maximilian Janku, Johann Juhn, Gerd Kohrs, Dr. Rudolf Körtvelyessy, Andreas Lukas, Gerd Majewski, Günther Manhart, Frank Marinelli, Franjo Martic, Jürgen Meyer, Martin Millegger, Wolfgang Naundorf, Isabella Niggl, Anita Oberbayer, Bernd Opaska, Peter Praßmayern, Joachim Reder, Bernhard Rester, Irmengard Rieder, Sevilay Sayin, Rita Scharl, Peter Seidl, Renate Stöckl, Thordis Thormann, Zdzislaw Uchwat, Dieter Wallmeyer, Karl-Eugen Weiß, Christian Wimmer, Hannelore Winkler, Michael Wurm und Rüdiger Zieke.

Heike Duczek/Oberbayerisches Volksblatt

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser