Embargo gegen Iran: Droht Deutschland Ölknappheit?

Hamburg - Deutschland bezieht Rohöl aus dem Iran. Die EU hat nun ein Embargo gegen Teheran verhängt, petrochemische Produkte dürfen nicht mehr eingeführt werden. Wie sehr trifft das Deutschland?

Rohöl aus dem Iran spielt für die Versorgung des deutschen Marktes nur eine untergeordnete Rolle. Im Jahr 2010 führte Deutschland knapp 1,5 Millionen Tonnen iranisches Öl ein. Das entspricht 1,6 Prozent der deutschen Ölimporte.

Die Versorgung der deutschen Raffinerien mit Rohöl gerät durch das EU-Embargo nicht in Gefahr; die geringen fehlenden Mengen können leicht aus anderen Ländern bezogen werden. Deutschland kauft sein Öl in Russland, Kasachstan, der Nordsee und den nordafrikanischen Ländern, weniger in der Golfregion.

Rohöl wird zu zwei Dritteln langfristig („Term“) und zu einem Drittel kurzfristig („Spot“) gehandelt. Die Händler können den Spothandel sofort einstellen. Langfristig laufende Verträge können nach Angaben eines Hamburger Experten bei einem offiziellen Embargo gekündigt werden, ohne dass Vertragsstrafen fällig werden.

Das iranische Waffenarsenal

Das iranische Waffenarsenal

Saudi-Arabien hat zugesichert, eventuell fehlende Mengen zu ersetzen und so die Versorgung des Welt-Ölmarktes sicherzustellen. Das Land verfügt über ausreichend freie Förderkapazitäten, um die iranische Produktion weitgehend oder vollständig auszugleichen.

Die Experten in der Ölwelt gehen aber davon aus, dass der Iran weiter Öl fördert und verkauft. „Das geht dann über Händler in den asiatischen Raum oder an andere Abnehmer“, sagte ein Hamburger Händler. „Das Öl hat keinen Pass. Wenn es zwei oder drei Mal weiterverkauft wurde, weiß keiner mehr, ob das mal aus dem Iran kam.“

Der Preis für Rohöl hat sich durch das bevorstehende Embargo nicht spektakulär bewegt. Er schwankt seit längerem um die 110 Dollar für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent. Der Ölmarkt rechnet also nicht mit einer Verknappung des Rohstoffs.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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