Gibt es eine Annäherung?

Erster Krisengipfel mit Grammer-Chef und Investoren geplant 

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Amberg - Seit Monaten liefern sich Grammer und die Gewerkschaften einen heftigen Kampf mit dem Großaktionär Hastor. Nun gibt es eine erste Annäherung.

Nach monatelangen Grabenkämpfen wollen sich Grammer-Vorstandschef Hartmut Müller und Vertreter der umstrittenen Investorenfamilie Hastor zum ersten Mal an einen Tisch setzen. Aus Sorge um die Zukunft des Autozulieferers mit 12 000 Arbeitsplätzen lud die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) für kommenden Dienstag zu einem Krisengipfel in München ein. Investor Kenan Hastor oder ein Manager seiner Prevent-Firmengruppe werde kommen, sagte Hastor-Anwalt Franz Enderle am Freitag.

Die Erfolgsaussicht dieses Vermittlungsversuchs zwei Wochen vor der entscheidenden Grammer-Hauptversammlung ist allerdings fraglich. Der Hastor-Anwalt warf Müller am Freitag Lügen und Untreue vor. Müller arbeite mit VW zusammen gegen den Großaktionär Hastor und habe die Grammer-Kunden „rebellisch gemacht“. Das Tischtuch sei zerschnitten.

Ott: Belegschaft wehre sich gegen „rücksichtsloses und egoistisches Gebaren“

Müller konterte bei einem Besuch des Wirtschaftsstaatssekretärs Matthias Machnig (SPD) im Grammer-Stammwerk: Die Investoren setzten das gesamte Unternehmen aufs Spiel. Der Amberger IG-Metall-Chef und stellvertretende Aufsichtsratschef Horst Ott sagte, die Belegschaft wehre sich „gegen das rücksichtslose und egoistische Gebaren dieses Investors“ und fordere die Familie Hastor zum Ausstieg auf.

Machnig äußerte große Sorge, dass der Konflikt auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen und die Entwicklung eines heute erfolgreichen Unternehmens aufs Spiel gesetzt werde. Die Bundesregierung erwarte eine zügige Lösung „im Konsens mit den Beschäftigten und den Kunden“.

Enderle: „Das wird kein Kaffeekränzchen“

Die Hastors halten laut Enderle heute zwischen 20 und 25 Prozent der Grammer-Aktien. Sie wollen Müller und die meisten Aktionärsvertreter im Aufsichtsrat sofort ablösen und drei eigene Manager in den Aufsichtsrat schicken. Die Entscheidung soll am 24. Mai auf der Hauptversammlung in Amberg fallen. „Das wird kein Kaffeekränzchen“, sagte Enderle.

IG Metall und Betriebsrat laufen Sturm gegen die Hastors, weil Autokonzerne Aufträge abzuziehen drohen. Prevent hatte im Streit mit VW über einen Auftrag im vergangenen August die Bänder in Wolfsburg und Emden tagelang zum Stillstand gebracht, mit Daimler streitet Prevent derzeit vor Gericht. Der Volkswagen-Konzern und Daimler sind die beiden größten Grammer-Kunden. Enderle sagte: „In Wolfsburg sitzen einige mit gewetzten Messern zwischen den Zähnen und warten auf eine geeignete Gelegenheit.“

Grammer-Chef Müller und Hastor machen sich gegenseitig Vorwürfe

Grammer-Chef Müller wirft den Hastors seit Monaten vor, sie hätten jeden Dialog verweigert. Enderle sagte: „Das ist glatt gelogen.“ Müller habe einen Termin abgesagt und sei stattdessen mit dem Aufsichtsratschef zusammen nach Wolfsburg gepilgert, um sich „von VW die Blaupause für den Abwehrkampf“ gegen die Hastors machen zu lassen. Ein VW-Sprecher wollte dies am Freitag nicht kommentieren.

Grammer hat sich zur Unterstützung den chinesischen Autozulieferer Jifeng als Investor an Bord geholt, er hält 10 Prozent der Aktien. Die Hastors wollten das verhindern, scheiterten aber vor Gericht. Enderle sagte, ob Jifeng auf der Hauptversammlung zu Recht abstimme, „wird vermutlich der Bundesgerichtshof klären, in fünf Jahren“. Allen Beteiligten müsse klar sein: „Die Familie Hastor verschwindet nicht einfach nach der Hauptversammlung, egal wie das läuft.“

Wird es einen Kontrollwechsel geben?

Müller steht seit zehn Jahren an der Spitze von Grammer. Er hatte das Unternehmen von einem regionalen zu einem internationalen Autozulieferer gemacht und den Umsatz verdoppelt. Die Gewinnmarge lag in den vergangenen Jahren unter dem Branchendurchschnitt. Enderle sagte, bei einem Kontrollwechsel bekomme Müller drei Jahresgehälter als goldenen Fallschirm. Aufsichtsratschef Klaus Probst sagte der dpa, die Regelung für den Fall eines Kontrollwechsels sei im Januar 2017 angepasst worden und entspreche dem Marktüblichen.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Armin Weigel/dpa

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser