Zum dritten Mal

EU verbietet Fusion von Londoner und Frankfurter Börse

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Brüssel - Die EU-Kommission hat die geplante Fusion der Börsen in Frankfurt am Main und London untersagt. Dies teilte die Brüsseler Behörde am Mittwoch mit.

Die Börsenfusion Frankfurt-London ist endgültig geplatzt. Die EU-Kommission untersagte das Vorhaben am Mittwoch. Der Zusammenschluss zwischen Deutscher Börse und London Stock Exchange „hätte den Wettbewerb erheblich eingeschränkt“, begründete Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in Brüssel die Entscheidung.

Ihr Argument: Auf dem Markt für die Abwicklung festverzinslicher Finanzinstrumente hätte die Fusion „ein De-Facto-Monopol“ geschaffen. „Die europäische Wirtschaft benötigt gut funktionierende Finanzmärkte“, betonte sie. „Dies ist nicht nur für Banken und andere Finanzinstitute wichtig. Die gesamte Wirtschaft profitiert davon, wenn Unternehmen auf wettbewerbsorientierten Finanzmärkten Geld aufnehmen können.“

Damit scheiterte auch im dritten Anlauf der Versuch, aus den beiden Börsenbetreibern ein europäisches Schwergewicht unter den Finanzplätzen zu schmieden. Das Aus für das ehrgeizige Vorhaben hatte sich aber schon länger abgezeichnet.

Spätestens seit sich die London Stock Exchange (LSE) Ende Februar weigerte, eine weitere Auflage der EU-Wettbewerbshüter zu erfüllen und ihren Mehrheitsanteil an der italienischen Anleihen-Handelsplattform MTS zu veräußern, galt das Projekt als gescheitert. Die LSE hatte seinerzeit mitgeteilt, der Konzern gehe nicht mehr davon aus, dass die Kommission die Fusion genehmigen wird.

Das Votum der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union hatte das im Februar 2016 angekündigte Milliarden-Projekt zusätzlich erschwert. Vor allem die Frage des rechtlichen Sitzes wurde seither noch kritischer gesehen als zuvor.

Bereits vor dem Brexit-Referendum hatten die beiden Börsenbetreiber sich darauf festgelegt, dass die Dachgesellschaft der geplanten europäischen Superbörse ihren Sitz in London haben soll. Das sorgte am Finanzplatz Frankfurt für viel Kritik.

Zusätzlich belastet wurde das Fusionsvorhaben durch Ermittlungen gegen Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter wegen des Verdachts auf Insiderhandel, die Anfang Februar bekannt wurden. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen den Manager wegen eines millionenschweren Aktiengeschäfts gut zwei Monate bevor die beiden Konzerne ihr Fusionsvorhaben öffentlich machten.

Die Ermittler werfen Kengeter vor, schon im Sommer 2015 auf höchster Ebene Gespräche über den möglichen Zusammenschluss der beiden Konzerne geführt zu haben - und in diesem Wissen Mitte Dezember 2015 in großem Stil Aktien der Deutschen Börse gekauft zu haben. Die Öffentlichkeit informierten die Konzerne am 23. Februar 2016 über ihr Vorhaben. Die Aktienkurse beider Unternehmen legten in der Folge zu. Kengeter hält die Vorwürfe für unbegründet, Aufsichtsrat und Vorstand stellten sich geschlossen hinter den Manager.

Kengeter hatte die Führung der Deutschen Börse am 1. Juni 2015 als Nachfolger von Reto Francioni übernommen. Kaum im Amt, untermauerte der gelernte Investmentbanker mit zwei kleineren Übernahmen den Anspruch, die Deutsche Börse an die Weltspitze zu führen. Kengeter sollte Chef des Gemeinschaftsunternehmens werden, die Mehrheit sollten die Aktionäre der Deutschen Börse mit gut 54 Prozent halten.

An der LSE hat sich die Deutsche Börse schon zwei Mal vergeblich versucht: Im Mai 2000 scheiterte der Plan zu einer Fusion mit den Londonern. Im Frühjahr 2005 torpedierten dann angelsächsische Hedgefonds den erneuten Griff nach der LSE und jagten den damaligen Deutsche-Börse-Chef Werner Seifert aus dem Amt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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