EU-Studie: Viele fürchten schlechtere Arbeitsbedingungen

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Berlin - Laut einer Umfrage erwarten 61 Prozent der EU-Bürgerinnen und -Bürger, dass sich die Wirtschaftskrise negativ auf ihre Arbeitsbedingungen auswirkt. In Deutschland sagen dies 57 Prozent.

Die Studie wurde im Auftrag der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) durchgeführt und am 6. Oktober veröffentlicht. Den Ergebnissen zufolge befürchten vor allem Deutsche mit niedrigeren Bildungsabschlüssen eine Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen (69 Prozent). Unter den Befragten mit höheren Bildungsabschlüssen denken dies nur 53 Prozent.

Für die „Europäische Meinungsumfrage zu Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz“ interviewte TNS Infratest rund 27.000 Menschen aus allen 27 EU-Mitgliedsstaaten. Keine Unterschiede zwischen Deutschland und Gesamteuropa gab es bei der Frage nach den Gründen für gesundheitliche Probleme. Jeweils 75 Prozent der Befragten gaben an, dass diese durch ihre Arbeit verursacht werden. Für 45 Prozent der befragten Deutschen sind daher gesunde und sichere Arbeitsbedingungen entscheidend für ihre Arbeitsplatzwahl. Am Wichtigsten ist ein sicheres Beschäftigungsverhältnis (61 Prozent), gefolgt von der Höhe des Gehalts (46 Prozent). Nur 16 Prozent der Befragten nannten die Arbeitszeiten als entscheidenden Faktor.

Jukka Takala, Direktor der EU-OSHA, rief die Unternehmen auf, auch in Krisenzeiten in die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu investieren: „Die Finanzkrise könnte Unternehmen dazu verleiten, die Bedeutung der Arbeitssicherheit nicht oder nicht ausreichend zu beachten. Es besteht sogar die Gefahr, dass Unternehmen Kürzungen ihrer Investitionen in die Arbeitssicherheit in Erwägung ziehen. Es hat jedoch keinen Zweck, kurzfristige Gewinne auf Kosten langfristiger Probleme zu erzielen. Aus unserer Arbeit geht hervor, dass Arbeitsstätten mit besonders hohem Gesundheitsschutz auch besonders produktiv sind.“

Tatsächlich haben laut der Studie 59 Prozent der befragten Deutschen in den letzten fünf Jahren eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen wahrgenommen. Unterschiedlich bewerten deutsche Männer und Frauen ihren Informationsstand über Sicherheits- und Gesundheitsrisiken am Arbeitsplatz. Während sich 78 Prozent der männlichen Befragten darüber gut informiert fühlen, sagten dies nur 64 Prozent der Frauen.

Jukka Takala: „Die Arbeitsschutzprobleme von Frauen werden häufig unterschätzt und vernachlässigt. Die Unvereinbarkeit der Arbeitszeiten mit dem Familienleben, die ‚Doppelbelastung‘, der Frauen immer noch viel stärker ausgesetzt sind, und die Tatsache, dass Arbeitsunfälle mehr Aufmerksamkeit erhalten als die generelle Gesundheit am Arbeitsplatz, sind nur einige der anstehenden Herausforderungen. Es ist unabdingbar, die Arbeitssicherheit auch unter geschlechtsspezifischen Aspekten zu betrachten. Die EU-OSHA wird sich auch weiterhin bemühen, einen Beitrag zur Sensibilisierung der Unternehmen in der Europäischen Union für dieses Thema zu leisten.“

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