Zinsen bleiben auf Rekordtief

Währungshüter wollen im Herbst über Kurs berate

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Wie erwartet hat der Herr über das Zinsniveau, EZB-Chef Mario Draghi nicht an der Schraube gedreht. Foto: Arne Dedert

Europas Währungshüter halten trotz wachsender Kritik an ihrem Kurs fest. Einen weiteren Hinweis, wann die EZB den Geldhahn wieder zudrehen wird, gibt es vorerst nicht. Im Herbst soll das Thema aber auf die Agenda kommen.

Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank (EZB) vertröstet Sparer auf Herbst. Dann wollen Europas Währungshüter nach Angaben von EZB-Präsident Mario Draghi über mögliche Änderungen der ultralockeren Geldpolitik diskutieren.

Der EZB-Rat habe jedoch einstimmig entschieden, kein genaues Datum festzulegen, sagte Draghi nach der Sitzung des obersten Entscheidungsgremiums der Notenbank in Frankfurt. Bis die Zinsen steigen, dürfte es ohnehin noch eine ganze Weile dauern.

Zunächst halten die Währungshüter ungeachtet drängender Forderungen nach einem Ende der Geldflut an ihrem Kurs fest. Nach wie vor sei ein substanzielles Maß an geldpolitischer Unterstützung notwendig, sagte Draghi.

Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Geschäftsbanken Geld bei der Notenbank, kostet sie das weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen. Zudem steckt die EZB noch bis mindestens Ende Dezember 2017 Monat für Monat 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen. Die Währungshüter lassen sich auch weiterhin die Option offen, das Kaufprogramm bei Bedarf auszuweiten.

"Es ist wahr, dass unsere geldpolitischen Maßnahmen schon lange laufen, aber sie haben sehr bedeutsame Effekte bewirkt - unsere Geldpolitik war erfolgreich", sagte Draghi.

Anfang Juni hatte die EZB erste vorsichtige Hinweise gegeben auf einen Einstieg in den Ausstieg gegeben: Die Wachstumsrisiken für den Euroraum seien "weitgehend ausgeglichen" statt "abwärtsgerichtet", erklärte Draghi vor sechs Wochen. Zudem strich die EZB die Passage zu möglichen weiteren Zinssenkungen. Darüber ging die Notenbank am Donnerstag nicht hinaus.

"Ohne ein klar kommuniziertes Programm zum Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik gerät die EZB nur immer mehr unter Druck, die Geldschwemme aufrechtzuerhalten", bekräftigte Ifo-Chef Clemens Fuest.

Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) wies darauf hin, dass der Konjunkturaufschwung in der Eurozone an Breite gewinne und die Kerninflationsrate - ohne Energie und Nahrungsmittelpreise - steige. "In diesem Umfeld ist die sehr aggressive Kombination aus Negativzinsen und Wertpapierkäufen geldpolitisch nicht mehr rational", argumentierte Heinemann.

Mit dem vielen billigen Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und zugleich die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das würde die Konjunktur abwürgen.

Erste Diskussionen über den künftigen Kurs erwarten Ökonomen frühestens in der Sitzung des EZB-Rates am 7. September. Dann liegen den Währungshütern die neuesten Prognosen der Notenbank zur Entwicklung der Konjunktur und der Teuerungsrate im Euroraum vor. Für das laufende Jahr rechnet die EZB im gemeinsamen Währungsraum bisher mit 1,5 Prozent Teuerung.

Volkswirte erwarten, dass die EZB schrittweise erst das Anleihenkaufprogramm ("Quantitative Easing"/QE) zurückfahren wird und dann - womöglich erst 2019 - die Zinsen allmählich anheben wird. Vor allem aus wirtschaftlich starken Ländern wie Deutschland wurde die Kritik am EZB-Kurs zuletzt wieder lauter. Sparer bekommen kaum noch Zinsen, Banken tun sich mit dem Geldverdienen schwer. Allerdings profitieren auf der anderen Seite Kreditnehmer von günstigen Konditionen - zum Beispiel beim Kauf von Häusern und Wohnungen.

EZB-Kaufprogramme

Zeitreihe Leitzinsen der EZB

Statistisches Bundesamt zu Inflation

Rede Draghi 27.6.2017

Rede Weidmann 6.7.2017

Gelpolitische Beschlüsse 20.7.2017

Eingangsstatement Draghi 20.7.2017

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