Beliebte Verhaltensweisen auf dem Prüfstand

Naschen? Umtausch? Hamsterkauf? Was ist im Supermarkt erlaubt?

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Wir glauben, unser Verhalten im Supermarkt gehorche einem ungeschriebenen Gesetz – dabei gelten auch zwischen Kafferegal und Wursttheke schriftlich fixierte gesetzliche Regelungen.

München - Unser Verhalten im Supermarkt ist durch den Gesetzgeber reglementiert. Die Stiftung Warentest stellt einige beliebte Verhaltensweisen auf den Prüfstand.

Im Supermarkt fühlen wir uns sicher. Unsere Verhaltensweisen sind über Jahre eingeübt. Der eine probiert die Trauben vor dem Kauf, der andere will günstige Sonderangebote hamstern und der nächste regt sich auf, wenn seine Pfandflasche nicht angenommen wird. Wir glauben, dass im Supermarkt ungeschriebene Gesetze gelten, dabei ist es völlig anders: Auch unser Verhalten im Supermarkt ist durch den Gesetzgeber reglementiert. In ihrem neuen Heft stellt die Stiftung Warentest einige beliebte Verhaltensweisen auf den Prüfstand – wir erklären, was geht und was nicht.

Naschen: Heißhunger, rein in den Supermarkt, schnell eine Tafel Schokolade gegriffen und dann: eine Riesenschlange an der Kasse. Klar könnte man die Verpackung öffnen und schon mal ein wenig von der Schokolade naschen. Juristisch gesehen ist das allerdings nicht in Ordnung – die Ware gehört bis zum Bezahlen noch dem Ladenbesitzer. Der drückt aber meist ein Auge zu – außer bei Ware, deren Verpackung leicht in der Jackentasche verschwindet.

Umtausch: Früher ist er fast nur in der Weihnachtszeit aufgetreten, mittlerweile ist der Umtausch für viele Verbraucher etwas völlig Alltägliches. Schließlich kann man bei Internetversandhändlern alles Mögliche bestellen und dann wieder zurückschicken. Im Einzelhandel geht das nicht so leicht. Wer zu Hause merkt, das er statt Spaghetti lieber Fussili hätte, kann die nicht einfach so umtauschen. Das geht nur bei verdorbener Ware.

Verpackungen: Ein zerbrochenes Ei will niemand mit nach Hause nehmen, also machen die meisten Kunden die Verpackung einmal auf, bevor sie sich zum Kauf entschließen. Das ist in Ordnung, so lange sie Eier und Verpackung nicht beschädigen. Auch bei Aktionsware dürfen Kunden einen vorsichtigen Blick wagen – auch wenn Warnhinweise behaupten: „Öffnen verpflichtet zum Kauf.“ Wer die Verpackung zerstört, muss aber dafür aufkommen.

Große Scheine und zahlreiche Münzen: Geld ist Geld, denken viele Verbraucher und nutzen die Gelegenheit, beim Einkauf mal die vielen Cent-Stücke loszuwerden, die sie an gleicher Stelle eingesammelt haben. Doch obacht: Das große Geklimper könnte umsonst sein, denn die Kassierer sind nicht verpflichtet, mehr als 50 Münzen anzunehmen. Und den großen Schein wechseln? Geht auch nicht. Der Händler muss beim Kauf eines Kaugummis nicht gleich einen 100-Euro-Schein wechseln.

Schon mal probieren: Wer kennt das nicht: Die Trauben sehen so lecker aus, man möchte am liebsten sofort reinbeißen, verkneift es sich aber bis zu Hause. Dort stellt sich die eigene Zurückhaltung als Fehler heraus – die Trauben sind nicht süß, sondern sauer. Trotzdem ist die Geschmacksprobe im Laden nicht erlaubt – streng genommen sogar Diebstahl. Die Ware gehört bis zum Bezahlen dem Händler. Dafür kann man an Früchten durch vorsichtiges Tasten den Reifegrad überprüfen.

Bruchware: Erst am Wochenende hat ein stolpernder Bub ein 1,3 Millionen Euro teures Gemälde zerstört – ohne jede böse Absicht. So schlimm kommt es im Supermarkt eher selten, aber: Auch der Sturz in die Sektpyramide kann schon ordentlich ins Geld gehen. Den von ihm verursachten Schaden muss der Kunde auch begleichen – da hilft eine Haftpflichtversicherung. Geht nur ein Glas Senf zu Bruch sind die Händler meist kulant.

Großeinkauf: Einmal einkaufen wie Loriot im Film Pappa ante Portas: Da beglückt seine Figur die dreiköpfige Familie mit einer ganzen Palette Senf, statt mit nur einem Glas. Der Großeinkauf war schließlich billiger. Auch einige Verbraucher neigen zum Hamstern und kaufen beim Sonderangebot gleich raue Mengen ein. Doch der Traum vom billigen Großeinkauf platzt oft an der Kasse. In der Regel dürfen Kunden nur „haushaltsübliche Mengen“ kaufen – wie viel das ist, entscheidet der Händler.

Pfand: An kaum einem Thema erhitzen sich die Gemüter dermaßen wie beim Pfand. Mehrweg-, Einweg-, Dosenpfand: Die Regelungen sind kompliziert und unüberschaubar. So oder so: Läden mit mehr als 200 Quadratmetern müssen Einwegflaschen annehmen – auch wenn sie nicht aus ihrem Sortiment stammen. Bei Mehrwegflaschen sind die Händler dagegen nur dazu verpflichtet, Flaschen, die sie auch im Sortiment haben, zurückzunehmen.

Lockvogelangebote: Wer viel verspricht, muss es auch halten. Sonderangebote wie Computer, Kameras oder Laufschuhe müssen am ersten Aktionstag mindestens bis Mittags im Laden vorrätig sein. Mindestens! Dabei ist es völlig egal, ob in der Werbung steht: „Nur so lange der Vorrat reicht.“ Beworbene Lebensmittel müssen sogar noch länger vorrätig sein – nämlich bis zum Ende des ersten Aktionstags. Sonst gelten sie als „Lockvogelangebot“.

Einkaufswagen auf Tour: Wer schleppt schon gerne Einkaufstüten? Da ist der Einkaufswagen viel praktischer und die Ware liegt ja eh schon drin. Doch es ist nicht erlaubt, den Einkaufswagen mit heim zu nehmen, auch wenn man ihn beim nächsten Einkauf wieder zurückbringen will. Der Einkaufswagen ist Eigentum des Supermarkts und muss auf dem Gelände bleiben. In Wien hat der Wagenklau dermaßen Überhand genommen, dass die Stadt schon patroulliert.

Mk.

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