Drastische Konsequenzen?

Flixbus empört sich über Bahn-Pläne: „Greta würde Flixbus fahren“

+
Busse des Fernbusunternehmen Flixbus.
  • schließen

Während sich die Bahn über eine Mehrwertsteuersenkung freuen darf, gehen Fernbusbetreiber leer aus. Flixbus-Geschäftsführer Fabian Stenger erklärt, warum er sich benachteiligt fühlt.

München - Die Deutsche Bahn freut sich über die milliardenschwere Finanzspritze aus dem Klimapaket. Elf Milliarden Euro fließen in Modernisierung und Ausbau, zudem soll die Mehrwertsteuer der Fernverkehrstickets von 19 auf sieben Prozent sinken. Verlierer des Klimapakets: Fernbusse – die werden gar nicht erst erwähnt. Flixbus-Geschäftsführer Fabian Stenger ist empört: Die Regierung greife in den Wettbewerb ein. Der größte Fernbusbetreiber müsse deshalb sein Netz um gut 30 Prozent einschränken. Dabei hätten Fernbusse laut Umweltbundesamt sogar eine etwas bessere Klimabilanz als Züge. 

Herr Stenger, wieso fühlen Sie sich benachteiligt? 

Es gibt zwei Punkte, die uns stören. Auf der einen Seite ist doch der Kern des Klimapaketes, die Umwelt zu schützen. Deshalb verstehe ich nicht, weshalb der Fernbus – das klimafreundlichste Verkehrsmittel – ignoriert wird. Auf der anderen Seite haben wir auch Sorge vor einer Wettbewerbsverzerrung: dass die Deutsche Bahn die Gelder vom Steuerzahler dafür nutzt, um gegen uns Wettbewerb zu machen.

Flixbus-Geschäftsführer Fabian Stenger: „Uns wird das hart treffen“

Die Bahntickets werden nun etwa ein Zehntel billiger. Tritt das wirklich so stark in Konkurrenz mit den günstigen Flixbus Preisen?

Klar könnte man meinen: Das sind ja nur ein paar Euro pro Ticket. Aber uns wird das hart treffen. Zurzeit denken sich noch viele Fahrgäste, dass sie lieber eine längere Fahrtzeit mit dem Bus in Kauf nehmen, weil der Unterschied zu den Bahnpreisen so hoch ist. Das könnte nun wegfallen, weil der Staat in den Wettbewerb eingreift.

Mit welchen Konsequenzen rechnet Flixbus jetzt?

Es kann sein, dass wir bis zu30 Prozent unseres Netzes streichen müssen.

Wird wirklich ein so großer Teil des Netzes unwirtschaftlich?

Dafür muss man verstehen, wie unser Netz aufgebaut ist. Wir fahren ja nicht nur von A nach B – wie im Flugverkehr. Sondern haben eine Kombination von verschiedenen Städten, die am Ende eine Linie ergeben. Zum Beispiel die Strecke Berlin bis Nürnberg – das ist die Hauptstrecke, und die wird in verschiedenste ländliche Regionen verlängert: Passau, Amberg, Schwandorf. Nutzen die Leute den Fernbus aber auf der Hauptstrecke nicht mehr, müssen wir unsere Kapazitäten reduzieren. Und das trifft dann in erster Linie den ländlichen Raum

„Ich hoffe, dass das bald korrigiert wird“

Warum wurden Fernbusse Ihrer Meinung nach im Klimapaket ignoriert?

Das ist eine gute Frage. Vielleicht hat die Deutsche Bahn einfach eine größere Lobby. Ich könnte mir auch vorstellen, dass die Politiker – die selbst eine Bahncard 100 haben – den kleinen Bürger, der lieber mit dem Fernbus fährt, einfach übersehen haben. Ich hoffe jedenfalls, dass wir einfach ‚nur‘ vergessen wurden – und dass das bald korrigiert wird.

Die Bahn zahlt Gebühren für die Benutzung der Schienentrassen. Der Bus aber keine Maut – könnte das die Rechtfertigung sein?

Nein, da muss man unterscheiden: Die Schiene ist eine Infrastruktur, die explizit für Züge gebaut wurde. Auf der Straße habe ich aber keine eigene Fernbusspur – sondern nutze eine Infrastruktur, die für alle Pkws, Lkws und Busse da ist. Und: Unterm Strich zahlt der Fernbus durch Kfz und Diesel-Steuer 130 Prozent seiner Wegekosten.

„Greta Thunberg würde Flixbus fahren“: Flixbus empört sich über Steuersenkung für die Bahn

Ist der Fernbus wirklich umweltfreundlicher als der Zug?

Ja, wir haben immer die neuesten Fahrzeuge, fast alle unsere Busse fahren mit Euro-VI-Diesel, also das neueste auf dem Markt. Wir wollen sogar, dass unsere Busse bis 2030 klimaneutral werden. Aktuell schieben wir Pilotprojekte für Elektro-, Biogas- oder Wasserstoff-Busse an. Ich sage: Greta würde Flixbus fahren.

Fahren Sie selbst eigentlich mit der Bahn?

Klar. Zwischen München und Berlin, unseren beiden Standorten, benutze ich auch die Bahn – und hoffentlich bald den FlixTrain. 

Flixbus zieht offenbar drastische Konsequenzen aus der Mehrwertsteuer-Absenkung für Bahntickets und will womöglich hunderte Städte aus dem Fahrplan streichen.

In Frankfurt ist nun ein Flixbus in Flammen aufgegangen.

Interview: Kathrin Braun

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT