Ist das gerecht?

Große Dispo-Abzocke: So raffiniert tricksen die Banken

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Ist das gerecht? Banken zahlen aktuell keine Zinsen, Kunden aber bis zu 13,75 Prozent. Wir haben im Interview mit Stephanie Pallasch von der Stiftung Warentest darüber gesprochen.

Der Niedrigzinsphase zum Trotz – das eigene Konto zu überziehen kann teuer werden. Obwohl der Leitzins der Europäischen Zentralbank aktuell bei Null Prozent liegt, ist der durchschnittliche Dispozins derzeit bei 9,78 Prozent, wie ein Vergleich der Konditionen von 1377 Geldinstituten durch die Zeitschrift Finanztest (Heft 8/2017) der Stiftung Warentest zeigt. Teuer sind demnach meist die kleinen Filialbanken, die bis zu 13,75 Prozent für die Kontoüberziehung verlangen (siehe Tabelle unten). Direktbanken hingegen bieten günstigere Konditionen. Hier kostet die Überziehung bei einer Bank sogar gar keine Zinsen.

Und noch mehr: Manche Geldinstitute tricksen sogar bei der Zinsanpassung. Grundsätzlich müssen Verbraucher nachvollziehen können, wie und wann sich die Zinsen verändern. Das ist seit 2010 gesetzlich vorgeschrieben. Die Banken legen das in der Regel in einer Zinsanpassungsklausel fest. Doch die ist nicht immer transparent. Wir haben im Interview mit Stephanie Pallasch von der Stiftung Warentest darüber gesprochen:

Bis zu 13,75 Prozent Zinsen für einen Dispokredit ist extrem hoch. Wie kommt ein solcher Wert zustande?

Stephanie Pallasch: Es ist immer einer geschäftspolitische Entscheidung der jeweiligen Bank, genauso, wie die Entscheidung, ob ein Girokonto etwas kostet und wenn ja, wie viel. Eine Bank will mit ihren Kunden immer Gewinn machen.

Aber wie ordnen Sie solch hohe Zinssätze ein?

Pallasch: Wir bewegen uns hier zwar nicht im Wucherbereich, aber dieser Wert ist schon extrem hoch. Ob die Banken versuchen, ihre Kunden abzuzocken, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln, denn ein Kunde, der am Ende seine Schulden nicht zurückbezahlen kann, kostet die Banken viel mehr Geld, als sie mit den Zinsen verdienen.

Es doch verwunderlich, dass einige Banken einen so hohen Zinssatz ansetzen, obwohl sich die Bank für Null Prozent Zinsen Geld von der Euopäischen Zentralbank holen kann.

Pallasch: Wir machen diese Untersuchung jetzt schon seit einigen Jahren und wir haben auch beobachtet, dass viele Banken, aufgrund der großen Kritik, ihre Zinsen gesenkt haben. Es sind nur noch vereinzelte Banken, die ihre Zinsen mit 12,5 Prozent oder höher ansetzen. Als wir mit der Berichterstattung begonnen haben, waren es noch hunderte Banken. Und diese hohe Zinspolitik der wenigen Banken finden wir vor allem im ländlichen Bereich, wo es wenige Alternativen für die Kunden gibt.

Warum sind die Volksbanken und Raiffeisenbanken so schlecht vertreten?

Pallasch: Das ist relativ logisch, da zwei Drittel der untersuchten Banken Volksbanken und Raiffeisenbanken sind. Und diese Banken sind eben auf dem Land sehr stark vertreten, wo die Kunden überhaupt froh sein können, wenn sie eine Bank vor Ort haben, die am Ende dann die Preise macht.

Mit welchen Tricks arbeiten denn die Banken?

Pallasch: Seit 2010 gibt es für Banken die Verpflichtung den Dispozinssatz an einen Referenzwert zu koppeln. Meist wählen sie den EZB-Leitzins oder 3-Monats-Euribor. Steigen die Referenzwerte, steigen die Zinsen, sinken die Referenzwerte, sinken die Zinsen. Das war die Grundidee.

Grundidee. Aber wie sieht es in der Realität aus?

Pallasch: Trick eins: Viele Banken wählen als Referenzwert den 3-Monats-Euribor, der seit einiger Zeit negativ ist. Statt aber die Zinsen daran anzupassen, sagen die Banken, sie gehen nicht niedriger als Null. Der Negativwert wird somit dem Kunden verwehrt, was einen erhöhten Zins ausmacht.

Trick zwei: Die Klarheit für die Kunden ist nicht immer gegeben. Einige Banken schreiben z.B. Referenzwert + x Prozent, womit der Kunde nur wenig anfangen kann. Er müsste dann erst auf die Seite der EZB gehen usw. Ein klarer Trick, um nicht sofort die Höhe des Zinssatzes offenzulegen.

Trick drei: Wir haben eine Bank gefunden – wir hoffen nicht, dass weitere folgen –, die ihre Zinsanpassungsklausel ändert. Also aus beispielsweise acht Prozent plus Referenzwert zehn Prozent plus Referenzwert macht. Das ist zulässig, wenn man die Kunden vorher informiert, allerdings widerspricht es der Idee der gesetzlichen Vorgabe, den Zins an einen Wert zu koppeln, wenn ich den Wert jederzeit freimütig ändere.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Kontoführungsgebühr und Dispozinssatz?

Pallasch: Definitiv. Günstige Dispokredite sind häufig verbunden mit einem Premiumkonto und hoher Kontoführungsgebühr. Bei einem Niedrigzins im Dispobereich sollte man immer Aufmerksam sein und nicht nur auf die Zinshöhe achten, sondern immer schauen, welche Kosten noch mit dem Konto verbunden sind. Interview: D. Laska

Banken in München und im Münchner Umland


Name der Bank

Zinssatz Dispo-sitionskredit

Zinssatz Geduldete Überziehung*

PSD Bank München

7,50 %

9,90 %

Commerzbank

7,75 %

10,25 %

Volksbank Raiffeisenbank München Land

7,90 %

7,90 %

Raiffeisenbank München-Süd

8,02 %

8,02 %

Hausbank München

8,17 %

11,42 %

Sparda-Bank München

8,67 %

8,67 %

Postbank

8,68 %

12,60 %

Volksbank Raiffeisenbank Starnberg-Herrsching-Landsberg

9,54 %

14,54 %

Raiffeisenbank München-Nord

9,95 %

13,95 %

Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg

10,24 %

10,24 %

Hypovereinsbank

10,63 %

10,63 %

Stadtsparkasse München

10,64 %

10,64 %

Sparkasse Dachau

10,86 %

10,86 %

Deutsche Bank

10,90 %

14,90 %

Die schlechtesten zehn Banken in Bayern

Name der Bank

Postleitzahl

Zinssatz Dispositionskredit

Zinssatz Geduldete Überziehung*

Volksbank Raiffeisenbank Oberbayern Südost

83435

13,75 %

18,75 %

Volksbank Raiffeisenbank Landsberg-Ammersee

86899

12,95 %

17,95 %

Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut

83301

12,95 %

Bonitäts­abhängig: 7,50 bis 12,95 %

Raiffeisenbank Rupertiwinkel

83317

12,95 %

12,95 %

Volksbank Raiffeisenbank Erlangen-Höchstadt-Herzogenaurach

91052

12,75 %

12,75 %

Raiffeisenbank Pfaffenhofen a.d. Glonn

85235

12,75 %

18,75 %

Raiffeisenbank Küps-Mitwitz-Stockheim

96328

12,75 %

17,75 %

Raiffeisenbank Gilching

82205

12,75 %

12,75 %

Raiffeisenbank Aitrang-Ruderatshofen

87648

12,75 %

17,75 %

Volksbank Raiffeisenbank Fichtelgebirge-Frankenwald

95615

12,50 %

17,00 %

Das müssen Sie beachten

Der Dispokredit ist immer der teuerste Kredit, den Ihnen eine Bank einräumen wird. Idealerweise, das rät auch die Stiftung Warentest, kommen Sie gar nicht in die Verlegenheit, diesen in Anspruch zu nehmen und wenn, dann wirklich nur für einen kurzen Zeitraum, damit die Zinsen nicht ihr Kapital auffressen. Weiter rät die Stiftung Warentest dazu, das Konto zu wechseln, wenn Sie pro Jahr mehr als 60 Euro an Kontoführungsgebühren zahlen sollten und der Dispozins gleichzeitig deutlich über zehn Prozent liegt. Dann ist eine Verhältnismäßigkeit nicht mehr gegeben und Sie sollten sich ein neues Geldinstitut suchen. Zudem sollten Sie immer wachsam sein, wenn ein Konto mit niedrigen Dispozinsen beworben wird. In den meisten Fällen ist dann nämlich die Kontoführungsgebühr dementsprchend hoch und das Kontomodell lohnt sich für den Kunden nicht.

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