"Brauchen jeden Euro"

Hotelier-Verband: Deutsche entdecken ihr Heimatland

Ein Hotel unweit des Kölner Doms. Foto: Oliver Berg/dpa
+
Ein Hotel unweit des Kölner Doms. Foto: Oliver Berg/dpa

Der Hotel und Gaststättenverband sieht im Corona-Sommer einen Trend zum Urlaub in Deutschland. Der Branche gehe es aber weiter schlecht. Auch in Österreich klagen Hoteliers über eine schlechte Auslastung.

Berlin (dpa) - Die Corona-Krise verstärkt nach Branchenangaben den Trend zum Deutschlandtourismus. "Die Deutschen entdecken in diesem Sommer ihr Heimatland", sagte Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands gegenüber "t-online.de".

Viele, die sonst ins Ausland gefahren wären, besuchten nun deutsche Städte und Regionen, die sie schon immer mal besuchen wollten. Hotels und Gaststätten gehe es aber weiter sehr schlecht, sagte Hartges. "Die gesamte Branche wird im Schnitt dieses Jahr rund 30 bis 40 Prozent weniger Umsatz erwirtschaften." 70.000 Hotels und Gaststätten und damit fast jeder dritte Betrieb seien in ihrer Existenz bedroht. Grundlage der Prognose sei, dass es keine weiteren Schließungen wegen der Seuche gebe.

Die Branche spricht sich für einen gesetzlichen Anspruch ihrer Betriebe auf eine Minderung der Pachtzahlungen aus. Notwendig sei es auch, Überbrückungshilfen zu verlängern. Zudem müsse darüber geredet werden, die Pflicht zum Insolvenzantrag noch länger auszusetzen.

Hartges bestätigte, dass viele Restaurants und Hotels ihre Preise nicht gesenkt haben, obwohl die Mehrwertsteuer vorübergehend gesenkt wurde. Sie verwies auf die wochenlangen Schließungen und die geltenden Abstandsregeln. "Wir brauchen deshalb jeden Euro, den wir durch die Steuersenkung sparen können."

Der Tourismus in Österreich ist nach Wiederöffnung der Hotels nur schleppend angelaufen. Die Zahl der Übernachtungen war im Juni mit 5,2 Millionen um 59 Prozent niedriger als im Juni 2019, wie das österreichische Statistikamt mitteilte. Die meisten Übernachtungen entfielen demnach auf österreichische Touristen, Urlauber aus Deutschland machten ein Drittel aus.

Besonders stark brachen die Zahlen bei Reisenden aus dem Ausland ein: Die Übernachtungen von Deutschen etwa sanken um 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, die von Schweizern um mehr als 66 Prozent. Mehr als 90 Prozent Rückgang gab es bei Reisenden aus den USA, Frankreich, Schweden und Russland. Prozentual gesehen traf der Übernachtungsrückgang Fünf- und Vier-Sterne-Hotels am härtesten und Privatquartiere am wenigsten.

© dpa-infocom, dpa:200727-99-937963/2

Interview T-Online

Kommentare