Nach Mehrwertsteuersenkung

Inflation bleibt im November unter Null

Supermarkt
+
Gedämpft von der Mehrwertsteuersenkung und rückläufigen Energiepreisen verharrt die Inflation in Deutschland seit Monaten im Keller. Foto: Christian Charisius/dpa

Auch im November profitieren Verbraucher von niedrigeren Mehrwertsteuersätzen und billigerer Energie. Die Verbraucherpreise sinken. Für manche Dinge müssen die Menschen aber tiefer in die Tasche greifen.

Wiesbaden (dpa) - Die Inflation in Deutschland ist im November bereits zum vierten Mal unter die Nullmarke gerutscht. Gedämpft von der Mehrwertsteuersenkung und stark gefallenen Energiepreisen lagen die Verbraucherpreise 0,3 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit.

Damit ist das Leben für Verbraucher im Mittel etwas billiger geworden. Zum Oktober diesen Jahres sanken die Verbraucherpreise um 0,8 Prozent, hieß es nach den vorläufigen Ergebnissen.

Bereits für Oktober und September hatte die Wiesbadener Behörde mit minus 0,2 Prozent eine negative Inflationsrate errechnet. Im Juli waren die Verbraucherpreise um 0,1 Prozent zum Vorjahresmonat gesunken. Hier spiegelt sich die Senkung der Mehrwertsteuersätze für ein halbes Jahr wider, mit der die Bundesregierung in der Corona-Krise den Konsum ankurbeln will. Volkswirte gehen davon aus, dass die Inflation in Deutschland im nächsten Jahr wieder anzieht, wenn der Sondereffekt der Mehrwertsteuersenkung ausläuft.

Händlern und Dienstleistern steht es frei, ob und wie sie die Erleichterungen an Verbraucher weitergeben. Nach einer jüngsten Auswertung der Bundesbank profitieren Verbraucher vor allem bei Lebensmitteln und Industriegütern von der Steuersenkung. Bei Dienstleistungen seien die niedrigeren Mehrwertsteuersätze dagegen wohl nur zu einem Drittel weitergereicht worden. So hatten sich zum Beispiel Friseurbesuche zuletzt verteuert.

Dämpfend auf die Inflation wirkten sich nun erneut stark gefallene Energiepreise aus. Mit der Corona-Krise und dem globalen Wirtschaftseinbruch sind die Rohölpreise eingebrochen, was Verbraucher bei billigerem Heizöl und Sprit spüren. So fielen die Energiepreise im November kräftig um 7,7 Prozent zum Vorjahresmonat.

Während sich Waren insgesamt um 1,8 Prozent verbilligten, mussten Verbraucher für Nahrungsmittel etwas mehr bezahlen: Hier stiegen die Preise im Schnitt um 1,4 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich um 1,1 Prozent, hier schlugen sich höhere Mieten maßgeblich nieder.

Sinkende oder gar negative Inflationsraten sind in der Regel ein Alarmsignal für Währungshüter. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den Euroraum mit seinen 19 Staaten mittelfristig eine jährliche Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist nach Einschätzung der Währungshüter weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn sind Preise dauerhaft niedrig oder sinken auf breiter Front, könnte dies Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben - im Glauben, dass es womöglich ja bald noch billiger wird. Diese abwartende Haltung kann die Konjunktur ausbremsen.

© dpa-infocom, dpa:201130-99-518382/2

Mitteilung

Kommentare