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Sanierung im Umbruch

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Das sanierungsfreundliche deutsche Insolvenzrecht könne sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen, ist Axel W. Bierbach (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen) überzeugt.

Als neues Instrument soll die Eigenverwaltung dazu beitragen, dass mehr Unternehmen gerettet werden können. Wie es in der Praxis aussieht, schilderten Experten beim Wirtschaftsforum „Insolvenz und Sanierung“ von Münchner Merkur tz.

Die Reform des Insolvenzrechts hat mit der Möglichkeit der Eigenverwaltung den Markt verändert. Doch derzeit kehrt ein wenig Ernüchterung ein. Negativbeispiel ist aktuell German Pellets. Ein solcher Fall zeige, wie man es nicht machen solle, sagt Stephan Ammann (Pluta Rechtsanwalts GmbH). Mittlerweile beschäftigt sich auch die Staatsanwaltschaft wegen Betrugsverdachts mit der Pleite des Brennstoffherstellers. Gerichte verhielten sich zunehmend skeptisch gegenüber der Eigenverwaltung, erklärt Ammann.

Dass Gerichte die Eigenverwaltung kritisch prüfen und in manchen Fällen abweisen, habe auch gute Aspekte, meint hingegen Christoph Elzer (Ernst & Young): „Es gibt schwarze Schafe, die Fremdkapitalgeber abspeisen und ihr Eigenkapital schonen wollen.“ Missbräuchliche Fälle müsse man ausschließen, fügt Dr. Thomas Klöckner (Lecon Sanierung) hinzu. „Wir haben die Verantwortung, die geeigneten Unternehmen herauszufinden.“

„Viele Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung laufen aber auch positiv“, betont Oliver Schartl (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen). Er weist darauf hin, dass die Einhaltung von Compliance-Regeln gerade in solchen Verfahren eine große Rolle spielt. „In der Eigenverwaltung müssen alle Verfahrensbeteiligten ihre Unabhängigkeit wahren. Nur so kann die Eigenverwaltung als Sanierungsinstrument ihren guten Ruf behalten. „In der Eigenverwaltung steht und fällt alles mit der Zusammenarbeit aller Beteiligten“, fügt Dr. Matthias Hofmann (Pohlmann Hofmann Insolvenzverwalter) hinzu. Die Kanzlei mache weitgehend sehr gute Erfahrungen mit dem Instrument. Sowohl in der Eigenverwaltung als auch in der Regelinsolvenz habe die Sozietät derzeit einige spannende Fälle.

Das sanierungsfreundliche deutsche Insolvenzrecht könne sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen, ist Axel W. Bierbach (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen) überzeugt. Im jüngsten Ranking der Weltbank, in dem die nationalen Insolvenzordnungen, insbesondere hinsichtlich Unternehmenserhalt und Befriedigungsquoten für Gläubiger, verglichen werden, belegt Deutschland den sehr beachtlichen dritten Platz.

„Ich hätte mir gewünscht, dass die Reform des Insolvenzrechts zu mehr Eigenanträgen und zu einem besseren Image der Insolvenz an sich geführt hätte“, räumt Dr. Christine Berg-Grünenwald (fjb Kanzlei) ein. Es habe sich noch zu wenig herumgesprochen, dass sowohl die reguläre Insolvenz wie auch die Eigenverwaltung gute Verfahren zur Lösung struktureller Probleme seien.

Darauf zielt auch Prof. Markus Stadler (Wellensiek) ab: „Außergerichtliche Sanierungsverfahren und Eigenverwaltungen können nur Erfolg haben, wenn die leistungswirtschaftliche Sanierung den Kern bildet.“ Ein Unternehmen dürfe sich nicht damit begnügen, neue Finanzmittel zu akquirieren oder Altlasten abzuschütteln.

Wichtig sei, die Gesellschafter und die Geschäftsführer noch mehr zu überzeugen und zu informieren, zum Beispiel auch über ihre Berichts- und Antragspflichten, erklärt Dr. Max Liebig (Dr. Liebig Insolvenzverwaltung & Restrukturierung). Die Eigenverwaltung funktioniere oft besser, wenn Insolvenzverwalter die Abläufe begleite, ist Dr. Paul Fink (Fink Rinckens Heerma) überzeugt. Ihr Know-how aus Insolvenzverfahren sei auch in der Eigenverwaltung hilfreich.

Jürgen Grosche

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