Kriminalinsolvenz

Den schwarzen Schafen auf der Spur

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„Wenn wir Kenntnis von Straftaten haben, dann können wir nicht beraten, sondern überlassen dies den Strafrechts-Kollegen“, sagt Dr. Maximilian Pluta (Pluta Rechtsanwalts GmbH).

Strafrecht und Insolvenzverwaltung sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Doch wenn die Verwalter und Berater Rechtsbrüche sehen, dann gehen sie dagegen vor.

Nicht alles lässt sich kriminalisieren. Insolvenzverschleppung zum Beispiel ist eine Straftat. Doch gerade der mittelständische Unternehmer, der an sein Lebenswerk glaubt, hält oft bis zum letzten Moment und darüber hinaus am Unternehmen fest. „Doch auch hier müssen wir offen beraten und auf die Pflichten zum Handeln hinweisen, aber manchmal auch psychologisch betreuen“, sagt Christoph Elzer (Ernst & Young). Anders verhalte es sich bei Geschäftsmodellen, die von vornherein auf Betrug angelegt seien, etwa bei der Immobiliengruppe S&K, die wegen mutmaßlichen Anlagebetruges in die Schlagzeilen geriet. In solchen Fällen sei eine Beratung meist nicht möglich und von den Akteuren auch nicht gewünscht, sagt Elzer. 

Axel W. Bierbach (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen) unterscheidet zwei Fälle: Zum einen gebe es Unternehmen, die auf einem kriminellen Geschäftsmodell beruhten, wie beispielsweise Schneeballsysteme. „Diese brechen früher oder später zusammen und werden insolvent“, sagt Bierbach. Zum anderen gebe es Unternehmen, wo es zur Veruntreuung von Geldern, zum Beispiel bei der falschen Mittelverwendung aus Anleihen, komme. „Nur in letzteren Fällen können Insolvenzverwalter prüfen, ob die Unternehmen oder zumindest Teile davon fortgeführt werden können“, stellt Bierbach fest. 

„Wenn wir Kenntnis von Straftaten haben, dann können wir nicht beraten, sondern überlassen dies den Strafrechts-Kollegen“, sagt Dr. Maximilian Pluta (Pluta Rechtsanwalts GmbH). Das sei in der Praxis oft der Fall, wenn Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung auftauchen. 

Deutlich über die Anforderungen eines normalen Insolvenzverfahrens hinaus gehen Fälle, in denen eine Vielzahl von Anlegern geschädigt wurde, nennt Dr. Matthias Hofmann (Pohlmann Hofmann Insolvenzverwalter) ein weiteres Beispiel. „Diese Fälle muss man mit speziellen Teams bearbeiten.“ Hier könne man auch den Verantwortlichen nicht vertrauen, Gelder werden in solchen Fällen verschoben, oft ins Ausland. 

„In solchen Fällen ist es sinnvoll, mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten, um herauszufinden, wohin die Gelder geflossen sind“, sagt Hofmann. Hierdurch erhöhen sich die Chancen der Gläubiger, an Geld zu kommen, wobei gerade in so gelagerten Fällen den Gläubigern oftmals keine großen Hoffnungen gemacht werden können. 

„In bestimmten Fällen erstatten wir auch Strafanzeige“, berichtet Oliver Schartl (Müller-Heydenreich Bierbach & Kollegen). Vorrangige Aufgabe des Insolvenzverwalters sei es aber, zivilrechtliche Ansprüche durchzusetzen. Allerdings könne die Staatsanwaltschaft auf Hinweise des Insolvenzverwalters aufbauen und ermitteln. „Man muss betrügerisch Beteiligte auf strafrechtliche Konsequenzen hinweisen“, ergänzt Dr. Max Liebig (Dr. Liebig Insolvenzverwaltung & Restrukturierung). Welche das sind und nach welchen Kriterien die Staatsanwaltschaft ermittle, das könne der Insolvenzverwalter nicht sagen, er könne auch auf die Verfahren keinen Einfluss nehmen. „Strafverfolgung ist nicht Bestandteil der Insolvenzverwaltung“, präzisiert auch Michael Vilgertshofer (Grub Brugger). Allerdings würden im Berichtswesen oft Weichen gestellt, die auch für eine strafrechtliche Bearbeitung von Bedeutung sein könnten. „Kenntnis des Verfahrensablaufs und Kooperation mit dem Insolvenzverwalter zahlen sich häufig aus.“ 

Jürgen Grosche

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