Beratung

Qualität und Transparenz zahlen sich aus

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Wirtschaftliche Kenntnisse sind nötig, um in der Insolvenzverwaltung erfolgreich tätig zu sein. Eine Bilanz muss man verstehen, Unternehmenszahlen interpretieren können.

Viele Unternehmen, die eigentlich Sanierungsfälle wären, leben derzeit ganz gut, weil es immer jemanden gibt, der Geld nachschießt. Eine langfristige Strategie sieht anders aus.

Beim Besuch der Insolvenzverwalter Pohlmann Hofmann fällt in dem geschichtsträchtigen Münchner Gebäude Anger Palais neben dem Paternoster der Eingangsraum zur Kanzlei auf. Der ist zwar modern gestaltet. Aber statt eines Empfangsdesks erwartet den Besucher ein Schalter, wie man ihn von der Kasse in einer Bank kennt.

Dafür gibt es gute Gründe, erklärt Dr. Matthias Hofmann, der zusammen mit Rolf G. Pohlmann die Sozietät leitet: Die räumliche Distanz schützt bei Verfahren, in denen besondere Anforderungen an den Datenschutz bestehen, ebenso wie in konfliktreichen, bis ins Kriminelle gehenden Insolvenzverfahren. Derartige oftmals anspruchsvolle Verfahren betreuen die beiden Partner der Kanzlei bereits seit gut zehn Jahren.

Hinter dem Schalter finden sich – dem Besucher zunächst nicht zugänglich – modern ausgestattete Kanzleiräume. „Die konfliktgeladenen Insolvenz-fälle machen nicht mehr den Schwerpunkt aus“, sagt Hofmann. Die Spezialisten bearbeiten jetzt vorwiegend Fälle im klassischen Restrukturierungsbereich. Investoren und Vertragspartner gehören zu den Besuchern, denen aber ebenfalls immer wieder das Bankschalter-Entree auffällt.

Die Kanzlei wächst gegen den Markttrend, freut sich Hofmann, obwohl sich die Juristen nur mit Insolvenzen befassen. Die Zahlen sind rückläufig, gerade im süddeutschen Raum. Deshalb haben sich viele Insolvenzverwalter dem Beratungsgeschäft zugewandt. Aber auch ohne dieses blickt die Sozietät Pohlmann Hofmann auf ein gutes Jahr 2015 zurück und sieht ebensolche Zukunftsperspektiven. Zum 1. März ist eine neue Anwältin dazugestoßen, zum 1. April ein weiterer Jurist.

Dr. Matthias Hofmann

Im elften Jahr des Bestehens beschäftigt die Kanzlei 18 Berufsträger, darunter vier Insolvenzverwalter, insgesamt über 40 Mitarbeiter. Sie ist an drei Standorten vertreten, neben München in Augsburg und Ulm. Begonnen hat alles, als sich Pohlmann selbstständig machte, ein Jahr später schloss sich Hofmann an.„ 2015 zählten wir zu den meistbestellten Kanzleien in Deutschland“, sagt der Partner. Offenbar sind die Gerichte, die die Insolvenzverwalter bestellen, sowie Gläubiger und Berater, die die Expertise der Verwalter schätzen, sehr zufrieden. Zum Team gehören Juristen, die in der Wirtschaftsprüfung tätig waren, Betriebswirte und Wirtschaftsjuristen. „Wirtschaftliche Kenntnisse sind nötig“, betont Hofmann. Eine Bilanz muss man verstehen, Unternehmenszahlen interpretieren können.

Vielleicht trägt auch Transparenz dazu bei, dass man der Sozietät vertraut. Sie engagiert bei vielen Aufgaben, die neben der reinen Insolvenzverwaltung in einem Verfahren anfallen, gerade nicht die eigene Kanzlei, obwohl dies den Umsatz steigern würde. Die Verwalter der Kanzlei beauftragen zum Beispiel für Prozessführungen oder Kündigungsschutzklagen nicht die kanzleieigenen Juristen. So vermeidet die Sozietät von vornherein den Eindruck, sich selbst Arbeit zu beschaffen. Kosten sollen nur anfallen, wenn sie in der Sache begründet sind.

Zudem geben sich die Insolvenzverwalter besondere Mühe beim Verfassen der Berichte, die sie in den Verfahren halbjährlich an die Gerichte und auf Anforderung auch an Gläubiger und Verfahrensbeteiligte schicken. Die Berichte vermitteln einen tatsächlichen und tiefgehenden Eindruck dessen, was im Verfahren wie bearbeitet wurde, und beschränken sich nicht auf Textbausteine. In der Branche unterscheide sich die Qualität, weiß Hofmann. Die Berichte aus seinem Haus müssen für die Gerichte und die Gläubiger schlüssig, informativ und nachvollziehbar sein. „Das bedeutet viel Arbeit“, sagt Hofmann. Arbeit, die sich aber offenbar lohnt.

Mit konfliktträchtigen Insolvenzfällen hat die Kanzlei übrigens auch heuer noch zu tun. Pohlmann ist mit der Aufarbeitung dubioser Fälle des zusammengebrochenen Hartwieg-Imperiums betraut. „Das zuständige Gericht hielt uns dafür am besten geeignet“, sagt Hofmann.

Der illustre Fonds-Verkäufer Malte André Hartwieg war in die Schlagzeilen geraten, nachdem seit September 2014 mehrere Firmen aus seinem Imperium insolvent wurden, unter ihnen dima24, NCI und Selfmade. Insgesamt sollen 150 bis 200 Millionen Euro von mehreren Tausend Anlegern in mehr als 50 Gesellschaften stecken. Problem: Das Firmengeflecht erstreckt sich weit ins Ausland, bis in arabische Gefilde. An viele Konstruktionen kommt man von Deutschland aus kaum dran.

Viel Arbeit für die Anwälte. Die aber durchaus daran Gefallen finden. Ein Kollege, der früher im Wirtschaftsstrafrecht tätig war, bearbeitet gerne Fälle der Kriminalinsolvenz. Womit die Kanzlei auch ihren Wurzeln treu bleibt.

Jürgen Grosche

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