Insolvenz

Unternehmer mit Charisma

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Insolvenzverwalter müssen viele Fähigkeiten nachweisen - von der Unternehmensbewertung bis hin zum Personalwesen.

Insolvenzverwalter müssen juristische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse in einer Person vereinen sowie über ein hohes Maß an Empathie verfügen.

Laut Insolvenzordnung ist als Insolvenzverwalter eine für den jeweiligen Einzelfall geeignete, insbesondere geschäftskundige und von den Gläubigern und dem Schuldner unabhängige natürliche Person zu bestellen. Dabei lässt die relativ lapidare Formulierung allerdings nicht ansatzweise erahnen, welche Anforderungen an die Mitglieder dieser Berufsgruppe tatsächlich gestellt werden beziehungsweise welche Qualifikationen und Fähigkeiten sie mitbringen müssen, wie Dr. Hubert Ampferl, Partner bei der Rechtsanwaltssozietät Dr. Beck & Partner erklärt. „Auf der einen Seite sind hier natürlich umfangreiche Kenntnisse des Insolvenz-, Gesellschafts- und Steuerrechts zu nennen. Andererseits spielt aber auch betriebswirtschaftliches Know-how eine große Rolle."

So werden bei der Insolvenzverwaltung, angefangen von der Unternehmensplanung, der Buchhaltung und dem Controlling, über das Finanz- und Liquiditätsmanagement bis hin zum Personalwesen sowie der Unternehmensbewertung fast alle betriebswirtschaftlich relevanten Bereiche tangiert. Insgesamt schätzt Ampferl den Anteil der Juristen unter den Insolvenzverwaltern dann auch auf mindestens 90 Prozent. Eine der wenigen Ausnahme bildet hier der Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz, der unter anderem die Insolvenzverfahren von Schlecker und Weltbild leitete.

Dr. Hendrik Boss, Partner bei Taylor Wessing, betont dagegen, dass es in erster Linie nicht darauf ankommt, welchen Bildungshintergrund der Verwalter hat, sondern darauf, dass er „ein Unternehmer mit Charisma“ ist, dem die Beteiligten vertrauen und folgen (können). „Das können sowohl Juristen als auch Betriebswirte sein“. Aufgrund der hohen Komplexität vieler Insolvenzfälle ist es einer einzelnen Person heutzutage ohnehin kaum mehr möglich, alle wesentlichen wirtschaftlichen und rechtlichen Bereiche des Verfahrens abzudecken. Kommunikations- und Koordinationsaspekten kommt deshalb eine kontinuierlich wachsende Bedeutung zu. „Gesucht ist somit ein als Unternehmer agierender Verwalter, der die Gesellschaft in einer Ausnahmesituation mit pragmatischen Lösungen wieder auf Kurs bringt oder zumindest mit geringstmöglichem Schaden für alle Beteiligten abwickelt“, so Boss.

Dies erfordert neben einer guten Prozess- und Teamführung sowie der Professionalität, an geeigneter Stelle auch externen Sachverstand hinzuzuziehen, stets auch ein hohes Maß an Überzeugungskraft und Empathie. „Immer wieder muss sich der Insolvenzverwalter in seinen Verfahren nämlich mit den unterschiedlichsten Einzelschicksalen auseinandersetzen, wie Dr. Christian Gerloff von der Sozietät Gerloff Lieber Rechtsanwälte ergänzt. Zudem machen die Ansprache sowie die Verhandlungen mit den verschiedenen Beteiligten einen Großteil des Erfolgs aus. „Insolvenzverfahren lassen sich nur selten allein juristisch lösen. Entscheidender ist vielmehr das Zusammenspiel zwischen den einzelnen Interessensgruppen.“

Blieben last but not least noch die praktischen Erfahrungen, die laut Gerloff auch durch die umfangreichsten theoretischen Kenntnisse nicht zu ersetzen sind. „Wir sehen uns in jedem Verfahren mit neuen Unternehmensproblemen sowie einem breiten Spektrum differierender Verhandlungssituationen konfrontiert, für deren effiziente Lösung der Verwalter im Laufe der Jahre ein immer besseres Gespür entwickelt.“

Davon abgesehen ist es ohne hinreichende Erfahrung aber auch gar nicht möglich, als Insolvenzverwalter eingesetzt zu werden. „In der Regel kommen die Bewerber deshalb zunächst auch aus insolvenzrechtlich orientierten Kanzleien und haben dort bereits bei verschiedenen Verfahren mitgearbeitet und Erfahrungen gesammelt“, so Gerloff.

MARTIN AHLERS

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