Insolvenzverwaltung

Wenn schlechte Zeiten auch gute Seiten haben

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Dr. Stephan Kolmann (rechts) und Carl-Christian Kramer.

Immer häufiger beraten Insolvenzverwalter als Sanierungsexperten Unternehmen schon vor der Zahlungsunfähigkeit.

Würde man Unternehmer befragen, welche Person sie am allerwenigsten in ihrem Unternehmen sehen wollen, stünde wohl der Insolvenzverwalter ganz oben auf der Liste. „Die Angst vor der Thematik Insolvenz ist zwar groß. Aber die Zeiten, in denen der Verwalter ins Unternehmen geht, es zügig zerschlägt und dann die Reste verkauft, sind vorbei. Heute ist der Insolvenzverwalter als Partner des Unternehmens und seiner Stakeholder zu verstehen. Im Vordergrund steht der Erhalt des Unternehmens und damit die Sanierung.“ So beschreibt Dr. Stephan Kolmann, Partner bei der auf Insolvenzverwaltung und Sanierung spezialisierten Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff & Partner, die Aufgabe des Insolvenzverwalters von heute. Sein Kollege Carl-Christian Kramer fügt hinzu: „Den Insolvenzverwalter kann man sich als gerichtlich bestellten Krisenmanager eines Unternehmens mit speziellen Befugnissen vorstellen, welche über solche eines Geschäftsführers hinausgehen. Er wird mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, das Unternehmen flott zu machen.“

Damit erfüllt der Insolvenzverwalter die gesetzlichen Anforderungen, die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen – aber eben immer vor dem Hintergrund, echte Perspektiven zu schaffen. „Die Sanierung führt in aller Regel zu besseren Ergebnissen für die Gläubiger und die übrigen Interessengruppen wie die Arbeitnehmer“, sagt Kramer. „Der Unternehmenserhalt ist wirtschaftlich sinnvoll und vom Gesetzgeber gewollt“, erläutert Kolmann. „Unternehmen und gerade auch dem Unternehmer eine neue Chance zu geben, ist gesellschaftlich inzwischen akzeptiert.“ Deshalb benötigt man heute eine hohe Sanierungsexpertise. Insolvenzverwalter und Sanierungsberater müssen Vertrauen und Transparenz in dem Prozess schaffen und den Unternehmern wie den anderen Interessengruppen als Mediatoren, Kommunikatoren und Motivatoren zur Seite stehen. „Wir sind also juristisch geprägte, unternehmerisch denkende Ratgeber, Strategen und Pragmatiker“, fasst Kolmann zusammen.

Beratung als wichtiges Stichwort

Beratung: Das ist für viele Insolvenzverwalter am Markt das Stichwort, auch für BBL Bernsau Brockdorff & Partner, die in Deutschland zu den größten Insolvenzverwaltern überhaupt gehören. Schon seit langem ist die Kanzlei auch in der sogenannten vorinsolvenzlichen Beratung und allen angrenzenden Bereichen wie der Prozessführung tätig, einschließlich der Abwehr von Haftungs- und Anfechtungsansprüchen. „Unsere Kernkompetenz ist der Umgang mit der Krise“, so Kramer. Folglich sei der Ansatz von BBL, so frühzeitig wie möglich den Unternehmer als Teil der Lösung und das Unternehmen zu begleiten, die Verlustbringer im Unternehmen zu identifizieren und mit allen vorhandenen Möglichkeiten zu reduzieren. Das können Arbeitsrechtsmaßnahmen sein, Fremdinvestments oder auch finanzwirtschaftlich getriebene Lösungen.

„Unsere Beratung kann aber eben auch in ein Insolvenzplanverfahren mit einem sogenannten Schutzschirm, oder in ein herkömmliches Insolvenzverfahren münden“, sagt Stephan Kolmann. „Im Bedarfsfall setzen wir eine erfolgversprechende Sanierung dann im gerichtlichen Verfahren um. Je nachdem, was im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben die beste Lösung für das Unternehmen und die Beteiligten ist.“ Berater seien gefragt, beispielsweise bei den Banken im Rahmen einer Sanierung Vertrauen in die künftigen Pläne herzustellen, um sie an der Seite des Unternehmens zu halten. Deshalb müssten Maßnahmen ohne Tabus umgesetzt werden – wenn der Unternehmer dies mittrage.

PATRICK PETERS

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