Entwicklungen der letzten Monate

Italien-Chaos und aufgeblähte Börsen: Wie gefährlich ist das?

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Matteo Renzi ist Donnerstag zurückgetreten.

München - Das ungewöhnliche Ende eines ungewöhnlichen Jahres! Während in Italien das politische Chaos droht, schwingt sich der Dax zu neuen Höhen auf. Wie passen die Entwicklungen der letzten Monate zusammen – und wo kann das hinführen?

  • Die Börsen eilen zu neuen Höchstständen. Wie kommt das? Die Jahresendrallye scheint in diesem Jahr doch noch stattzufinden – trotz aller politischen Stolperfallen. Eigentlich reagieren die Börsen empfindlich auf Risiken – der Brexit und die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gelten als solche Unsicherheitsfaktoren. Doch in den USA eilt der Dow Jones seit der Trump-Wahl von Rekord zu Rekord und der Dax konnte am Donnerstag die Marke von 11.000 Punkten nach langem Anlauf endlich wieder überspringen. Sorgen um die Wirtschaft des wichtigen Handelspartners China und später die Eurokrise hatten den Dax zwischenzeitlich unter 8700 Punkte gedrückt.
  • Welche Rolle spielen die Entscheidungen der EZB für die Stimmung an den Börsen? Die Sitzung der Europäischen Zentralbank war das letzte Ereignis, dass einer Jahresend­rallye noch im Wege stand. Und EZB-Chef Mario Draghi erfüllte die Hoffnungen der Börsianer: Die Notenbank verlängert ihr gigantisches Wertpapier-Kaufprogramm und wird den Markt bis mindestens Dezember 2017 weiter mit Milliarden fluten. Wegen der lockeren geldpolitischen Zügel vergleicht Robert Halver, Marktanalyst der Baader Bank, den EZB-Chef Mario Draghi mit dem Geschenke verteilenden Weihnachtsmann. „Er lässt vor einem ereignisreichen Jahr 2017 nichts anbrennen“, sagt der Baader-Experte mit Blick auf wichtige politische Ereignisse, die im kommenden Jahr anstehen.
  • Welche Rolle spielt die politische Hängepartie in Italien? Ausgerechnet nach dem Referendum und dem Rücktritt von Ministerpräsident Matteo Renzi konnte der Dax ein neues Jahreshoch markieren und prallte erstmals seit Monaten nicht an der Hürde von 10 800 Punkten ab. Dabei hatte die Ratingagentur Moody’s gestern den Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Landes gesenkt, von stabil auf negativ. Bereits kurz nach dem Referendum waren die Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen zeitweise gestiegen. Und die Aktien italienischer Banken, die auf einem Riesenberg fauler Kredite sitzen, gerieten unter Druck. Trotzdem reagierten die Börsen mit Kursgewinnen. Der Grund: Renzis Niederlage beim Verfassungsreferendum hatte letzte Zweifel an der Verlängerung des Anleiehekaufprogramms durch die EZB beseitigt – die Milliarden fließen weiter!
  • Wie gefährlich ist diese Entwicklung? Ziemlich. Der frühere ifo-Chef Hans-Werner Sinn schlägt im Handelsblatt Alarm. Die Überziehungskredite der Bundesbank an das Euro-System (Target-Salden) sind im November auf ein Allzeit-Hoch von 754 Milliarden Euro gestiegen. Die Target-Forderungen der Bundesbank umfassen damit fast die Hälfte (49 Prozent) des Nettoauslandsvermögens der Bundesrepublik Deutschland. Die Gefahr: Im Falle eines Auseinanderbrechens des Euros wären erhebliche Teile dieses Vermögens der Bundesbank, mit dem die Länder Südeuropas entschuldet werden, vermutlich abzuschreiben, warnt Sinn.

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