Japans Zentralbank lockert überraschend Geldpolitik

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Die Nationalflagge Japans auf dem Gebäude der japanischen Zentralbank in Tokio. Foto: Franck Robichon

Tokio (dpa) - Japans Zentralbank reißt zur Stützung der schwächelnden Wirtschaft und Ankurbelung der Inflation die Geldschleusen überraschend noch weiter auf.

Unter anderem kauft sie nun Staatsanleihen im Wert von 80 Billionen Yen (582 Milliarden Euro) jährlich, 30 Billionen mehr als bisher. Zugleich senkte die Bank von Japan (BoJ) am Freitag die Wachstumsprognose für die Wirtschaft des Landes für das noch bis März 2015 laufende Steuerjahr von 1,0 Prozent auf 0,5 Prozent.

Flankierend kündigte der staatliche Pensionsfonds - der größte institutionelle Investor der Welt - an, künftig deutlich mehr in heimische Aktien zu investieren. Beide Maßnahmen lösten an der Börse in Tokio ein Kursfeuerwerk aus: Der Nikkei-Index für 225 führende Werte schoss um fast fünf Prozent auf 16 413,76 Zähler und damit auf den höchsten Stand seit sieben Jahren nach oben. Zugleich wurde der japanische Yen auf ein Sechsjahrestief zum Dollar gedrückt.

Die Notenbank unter ihrem Gouverneur Haruhiko Kuroda hatte im April vergangenen Jahres die Geldschleusen weit geöffnet, um Japan aus der jahrelangen Deflation mit stetig fallenden Preisen zu holen. Als Ziel wurde eine Inflationsrate von zwei Prozent ausgegeben, die in zwei Jahren erreicht werden soll.

Doch daran gibt es zunehmend Zweifel. Die Wirtschaft habe sich zwar tendenziell weiter moderat erholt, erklärte die Zentralbank. Auch sei zu erwarten, dass die Wirtschaft über ihrem Potenzial wachse. Die Verbraucherpreise seien jedoch wegen der sinkenden Nachfrage nach der Anhebung der Verbrauchssteuer im April von 5 auf 8 Prozent unter Druck geraten. Hinzu komme der deutliche Rückgang der Ölpreise in jüngster Zeit.

Sollte der Druck auf die Preise anhalten, bestehe das Risiko, dass sich die Überwindung der deflationären Stimmung im Land verzögere, erklärte die Notenbank. Um dies zu verhindern und die bisherigen Fortschritte zu untermauern, halte man es für angemessen, die geldpolitischen Zügel noch weiter zu lockern.

Die Entscheidung war jedoch intern nicht unumstritten. Von den neun Mitgliedern des geldpolitischen Rates stimmten vier gegen eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Zuvor hatten Regierungsdaten gezeigt, dass sich die Inflationsrate im September auf ein Prozent abgeschwächt hatte. Die Ausgaben der Privathaushalte gingen im selben Monat weiter zurück.

Auch das Verhältnis zwischen offenen Stellen und Jobsuchenden verschlechterte sich im September erstmals seit über drei Jahren. Dies deutet darauf hin, dass die Unternehmen sich mit Neueinstellungen zurückhalten. Die Arbeitslosenquote stieg von 3,5 auf 3,6 Prozent. Die schwache Nachfrage dämpft zugleich die Industrieproduktion.

Vor diesem Hintergrund steht Ministerpräsident Shinzo Abe vor der Entscheidung, ob die Verbrauchssteuer im kommenden Jahr wie geplant noch weiter auf 10 Prozent angehoben wird. Damit sollen die horrenden Staatsschulden abgebaut werden. Abe will darüber zum Ende des Jahres entscheiden. In japanischen Finanzkreisen gilt es daher als zunehmend wahrscheinlich, dass die Regierung schon in Kürze weitere Konjunkturprogramme zur Stützung der Wirtschaft auflegen wird.

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