Kodak in der Krise

New York - Kodak in Not: Der 131 Jahre alte Fotopionier muss sich gegen einen Bericht über Insolvenzpläne zur Wehr setzen. Die Aktie war am Freitag im freien Fall, die Dementis klingen zaghaft.

Der Fotopionier Kodak steckt in einer bedrohlichen Krise. Der mehr als 130 Jahre alte US-Konzern betonte zwar nach einem dramatischen Kurssturz der Aktie, keine Insolvenz anmelden zu wollen. Kodak dementierte aber nicht ausdrücklich einen Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg, wonach ein Antrag geprüft worden sei. Die Aktie schmolz nach dem Bloomberg-Bericht förmlich dahin: Zum Handelsschluss am Freitag verlor sie fast 54 Prozent auf 0,78 Dollar. Nach der Kodak-Stellungnahme notierte das Papier am Montag vorbörslich wieder um rund 35 Prozent im Plus.

“Kodak will allen seinen Verpflichtungen nachkommen und hat keine Absicht, einen Insolvenzantrag zu stellen“, erklärte das Unternehmen. Kodak dementierte den Bericht über die Überlegungen zugleich nicht ausdrücklich: “Es ist nicht ungewöhnlich für ein Unternehmen im Wandel, alle Optionen zu prüfen und eine Vielfalt externer Berater zu engagieren.“ Auch die Stellungnahme eines Sprechers im “Wall Street Journal“ klang dank einer zeitlichen Einschränkung sehr vorsichtig: “So wie wir heute hier sitzen, hat das Unternehmen keine Absicht, Insolvenz anzumelden.“ Auf direkte Nachfrage von Bloomberg weigerte er sich zu sagen, ob über einen Antrag gesprochen worden sei.

Bloomberg hatte unter Berufung auf drei informierte Personen geschrieben, Kodak prüfe einen Insolvenzantrag. Auslöser für die Überlegungen sei der laufende Verkauf seines Patent-Portfolios. Mögliche Käufer machten sich Sorgen, da ein Verkauf als betrügerisch eingestuft werden könne, falls Kodak tatsächlich insolvent sei, hieß es zur Begründung. Dann könnten Gläubiger mit dem Vorwurf klagen, dem Unternehmen seien Werte entzogen worden.

Kodak bestätigte Informationen von Bloomberg und des “Wall Street Journal“, dass unter den externen Beratern auch die Restrukturierungsexperten der Anwaltskanzlei Jones Day seien. Die Firma berät Unternehmen bei Insolvenzverfahren, aber auch zu anderen Wegen, ihre Finanzen zu verbessern.

Die Sorgen um Kodak sind nicht neu. Schon am vergangenen Montag war die Aktie um fast 27 Prozent gefallen, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, 160 Millionen Dollar aus einer Kreditlinie zu ziehen. Der Zeitpunkt eine Woche vor Quartalsabschluss hatte Anleger alarmiert: Es machte sich die Befürchtung breit, das Unternehmen habe schlicht nicht mehr genug Geld. Kodak wies dies zurück. Ein Sprecher begründete den Griff zum Kredit damit, dass zwei Drittel des Geschäfts im ersten Halbjahr im Ausland anfiel und Kodak beschlossen habe, das Geld nicht in die USA zu bringen - viele amerikanische Unternehmen halten das so aus steuerlichen Gründen.

Mit der Erfindung der Filmrolle präge Kodak die traditionelle Fotografie und machte sie erst zum Massenmarkt. Die Wurzeln des Unternehmens gehen zurück auf das Jahr 1880 als Gründer George Eastman die Produktion von Fotoplatten startete. 1888 folgte die erste Kodak-Kamera, den vollen Namen Eastman Kodak trägt der Konzern seit 1892.

Kodak war jedoch mit dem Übergang von der klassischen zur digitalen Fotografie in Schwierigkeiten geraten - Film-Kameras wurden unpopulär, das Geschäft schrumpfte schnell. Konzernchef Antonio Perez versucht derzeit, das Unternehmen als Druck-Spezialisten neu zu positionieren. Es ist ein mühsamer Wandel mit ständigen roten Zahlen. Um die Finanzen aufzubessern, griff Kodak in den vergangenen Jahren auch zu Patentklagen und bietet derzeit rund 1100 Patente zum Verkauf an. Darunter sind einige Grundsatz-Patente zur Digitalfotografie und zur Anzeige von Bildern.

Zuletzt hatte Kodak Ende Juni noch 957 Millionen Dollar auf der hohen Kante gehabt, allein im ersten Halbjahr verbuchte das Unternehmen einen Verlust von 425 Millionen Dollar. Bis Ende des Jahres sollen die Bargeldreserven mit Verkäufen unter anderem des Patent-Portfolios nach bisherigen Plänen auf 1,6 bis 1,7 Milliarden Dollar steigen.

dpa

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