Konjunktur in China macht Hoffnung für Weltwirtschaft

Peking - Der globale Wachstumsmotor China legt wieder zu. Die krisengeplagten Europäer und US-Amerikaner hoffen auf Anschub. Aber Ökonomen warnen: Chinas drängendsten Probleme sind noch nicht gelöst.

Chinas Wirtschaft gewinnt wieder an Schwung. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt legte im dritten Quartal 2013 nach einem zuvor langsameren Tempo um 7,8 Prozent verglichen mit dem Vorjahr zu. Das berichtete das Statistikamt am Freitag in Peking. Im vorangegangenem Quartal hatte das Wachstum bei 7,5 Prozent gelegen. Die krisengeplagten Europäer und Amerikaner hoffen auf China als Impulsgeber für die Weltwirtschaft.

„Rings um den Globus legten zuletzt wichtige Frühindikatoren zu, und es besteht berechtigte Hoffnung auf einen moderaten Anstieg des globalen Warenumschlages“, erklärte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Neben den USA habe China als Dreh- und Angelpunkt der Weltwirtschaft eine Schlüsselrolle.

Seit Jahresanfang zog Chinas Wirtschaft um 7,7 Prozent an - das liegt etwas über dem Wachstumsziel der Regierung von 7,5 Prozent. Doch wurde das Ziel immer schon sehr vorsichtig gesetzt und sonst meist um ein oder zwei Prozent deutlich übertroffen. Die Commerzbank überlegt, ihre Wachstumsprognose für China für dieses Jahr von 7,3 Prozent auf 7,8 Prozent anzuheben. Das sind Zahlen, von denen die EU-Länder und die USA nur träumen können. Für ein Schwellenland wie China sind sie aber nicht besonders hoch. Schließlich konnte Peking über drei Jahrzehnte zweistelliges Wachstum vermelden.

Noch steht Chinas Wirtschaft vor grundlegenden Reformen, meint Professor Sun Lijian von der Fudan Universität in Shanghai. Schattenbanken und die gewaltigen Schuldenberge der Kommunen und Provinzen seien drängende Probleme. „Die Welt kann sich nicht nur auf China stützen“, sagte der Wirtschaftswissenschaftler der Nachrichtenagentur dpa. Nur Europa, die USA, China und Japan zusammen könnten die Weltwirtschaft treiben. „Wenn ein Land ein Problem hat, haben alle ein Problem.“

Ministerpräsident Li Keqiang hatte diese Woche betont, die Wirtschaft sei auf dem richtigen Weg, das Jahresziel werde erreicht. Die Regierung werde Strukturreformen weiter vorantreiben, um Chinas Wirtschaft auf den Pfad für ein langfristig ausgewogenes Wachstum zu bringen, zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Ökonomen wie Christian Schulz vom Bankhaus Berenberg loben das Management der Reformen, und sehen darin Chancen für den Westen: „Immer mehr Haushalte steigen in die urbane Mittelklasse auf, und können Konsumgüter aus Europa und Amerika kaufen.“

Allerdings ist noch unklar, ob Chinas Wirtschaft auch im vierten Quartal weiter so stark zulegen kann. Allianz-Ökonom Gregor Eder sprach zwar von einer stärkeren Wachstumsdynamik Chinas, „überinterpretieren sollte man dieses leichte Anziehen der Konjunktur jedoch nicht“.

Und auch die Frühindikatoren für die chinesische Wirtschaft sind teilweise eingetrübt. Im September waren die Exportzahlen überraschend stark zurückgegangen. Die geringe Nachfrage nach Produkten „Made in China“ könnte auf Probleme der Industrie hindeuten. Andere Wirtschaftszahlen für September erfüllten jedoch die Analystenerwartungen: Die Industrieproduktion legte um 10,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Zudem wies das Statistikamt ein Plus von 13,3 Prozent bei den Einzelhandelsumsätzen ausn.

Für den Aufschwung im dritten Quartal scheint zum Teil ein kleines Konjunkturpaket der Zentralregierung verantwortlich. Peking hatte zuletzt mit Eisenbahn- und anderen Bauprojekten wieder mehr Geld in die Wirtschaft gepumpt. Im vergangenen Jahr war das Jahreswachstum auf 7,7 Prozent gefallen - dem niedrigsten Stand seit 1999.

dpa

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