Krones entwickelt revolutionäre Verpackung

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Zukunft made in Rosenheim: Geschäftsbereichsleiter Bruno Schmidt (Mitte) und die Entwickler des Konzepts, Kurt Perl (links) und Wolfgang Huber (rechts), präsentieren die Weltneuheit Krones LitePac vor der Verpackungsmaschine EvoLite.

Rosenheim/Raubling - Jede zweite Flasche, die in Deutschland gekauft wird, wurde von der Krones AG verpackt. Die Firma hat die Marktführerschaft nun mit einer Weltneuheit weiter gefestigt.

Diese Weltneuheut schickt sich an, die Verpackungstechnik für Kunststoffflaschen zu revolutionieren.

Sie gehören in fast jedem Haushalt zum Großeinkauf dazu: Wasser, Schorle, Bier oder Limo, abgefüllt in Kunststoffflaschen, die meist in Sechserpacks durch eine eng anliegende Plastikfolie Stabilität für den Transport erhalten. Der Schrumpftunnel, in dem das Flaschengebinde seine zweite Haut erhält, ist jedoch ein "echter Energiefresser", bedauert Wolfgang Huber, Spartenleiter der Pack- und Palettiertechnik der Krones AG: Im 4,50 Meter langen Tunnel müsse die Folie im Dauerbetrieb bei 200 Grad faltenfrei über die Flaschen geschrumpft werden.

So funktioniert's: Die Weltneuheit im Detail

In Zukunft könnte es sein, dass viele Getränkeabfüller auf das Folienkleid verzichten. Denn das Team von Huber und Entwicklungsleiter Kurt Perl hat die Komplett-Umhüllung aus Plastik durch eine ebenso leistungsstarke horizontale und vertikale Umreifung mit zwei schmalen Bändern ersetzt. Zum neuen Gebindekonzept "Krones LitePac" entwickelten sie die passende Verpackungsmaschine mit dem Namen "EvoLite".

Die Weltneuheiten aus Rosenheim lösten auf der Weltleitmesse für Verpackungstechnik, der Interpack 2011, zur Freude von Bruno Schmidt, ein großes Echo in der Fachwelt aus. 100 Anfragen von Kunden nach diesem "Gebindekonzept der Zukunft" sind seitdem eingegangen, so der Geschäftsbereichsleiter. Die erste Maschine hat das Technikum am zweiten Rosenheimer Betriebsstandort im benachbarten Raubling, wo die Prototypen entwickelt werden, bereits in Richtung Italien verlassen: Ein Wasserabfüller wird in den nächsten Wochen die ersten Flaschen mit der neuen Sekundärverpackung auf den Markt bringen. Nummer zwei geht nach Osteuropa.

"Weniger ist mehr", lässt sich die Idee hinter der Innovation charakterisieren. Das Verpackungsgewicht reduziert sich durch die Umreifung von ursprünglich 14 auf 3,4 Gramm, berichtet Perl. 75 Prozent weniger Verpackungsmaterial, das entspreche 50 Prozent weniger Energie- und Materialkosten, ergänzt er. Die Kunden aus der Getränkeindustrie profitieren, so Huber, außerdem vom Wegfall des Schrumpftunnels und des Moduls, das den Tragegurt einfügt. Die Gesamtanlage verkürzt sich um etwa zwölf Meter. Zu diesen Vorteilen für den Getränkehersteller gesellt sich noch eine verbesserte Packlogistik. Denn die Gebinde lassen sich diagonal stellen, was zu mehr Flexibilität bei der Lagerung führt.

Auch der Endverbraucher im Supermarkt wird die Vorteile der weltweit neuen Verpackungstechnik nach Überzeugung von Huber und Perl spüren. Im Raublinger Technikum führen sie vor, wie leicht sich die mit den zwei Bändern gefestigten Sixpacks transportieren lassen. Das Trageband schneidet nicht in die Hand. Eine patentierte Lasche lässt das Gebinde mit einem kleinen Handgriff ohne Schere öffnen. Der bisherige Plastikmüll entfällt. Wer es ganz genau nimmt, kann die beiden Bänder sogar in die PET-Flaschen stecken und beides der hundertprozentigen Wiederverwertung zuführen, berichten die Entwickler.

Knapp eine Million Euro hat die Krones AG nach Angaben von Schmidt in die Neuentwicklung des Verpackungssystems und der dazugehörenden Maschine gesteckt. Acht Monate habe es gedauert, bis die Idee, die auf bewährten Konzepten in anderen Branchen wie der Baustoffindustrie zurückgreife, zur Serienreife entwickelt worden sei. Mit der Weltneuheit hat die Krones AG nach Schmidts Überzeugung auch "ein kräftiges Signal gesetzt, mit dem wir unsere Stellung als Weltmarktführer erneut unterstrichen haben."

Gebaut wird die weltweit erste Verpackungsmaschine dieser Technik für Getränkegebinde aus PET in Rosenheim, wo sie auch entwickelt und konstruiert wurde. Das Werk, einer der größten Arbeitgeber der Region, unterstreicht damit nach Unternehmensangaben seine Position im Konzern, der sich mehrheitlich in Familienbesitz befindet und heuer weltweit erstmals die 11.000-Mitarbeiter-Hürde knacken wird. Mit dann fast 1000 Beschäftigten stellt das Krones- Werk Rosenheim als Spezialist für das Packen und Palettieren von Flaschen, Gläsern, Dosen und Gebinden den zweitgrößten Produktionsstandort in der Gruppe. Die Weichen für einen weiteren Ausbau durch eine neue Produktionshalle sind bereits gestellt.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

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