Geplatzte Fusion: WestLB will Schaden begrenzen

Passau - Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat sich vom Scheitern der Fusionsgespräche zwischen BayernLB und WestLB enttäuscht gezeigt.

Nach den geplatzten Fusionsgesprächen mit der BayernLB ist WestLB-Chef Dietrich Voigtländer um Schadensbegrenzung bemüht. Auf die Frage, ob jetzt die Abwicklung der WestLB näher rückt, sagte Voigtländer in einem Interview mit dem “Handelsblatt“ (Freitag): “Nein, sicher nicht.“ Die EU-Kommission bezweifelt jedoch die Lebensfähigkeit der WestLB und hält die staatlichen Hilfen für die Bank für zu hoch.

Auch Hilmar Kopper, Ex- Chef der Deutschen Bank, hatte der WestLB zuvor ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Die EU-Wettbewerbsexperten kündigten am Freitag an, die Umstrukturierung der nordrhein-westfälischen Landesbank genauer zu prüfen. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass die Bank schätzungsweise 3,4 Milliarden Euro mehr staatliche Gelder erhalten habe, als bei der Ausgliederung der “Bad Bank“ geplant war. Die EU- Kommission will die Hilfen erst dann genehmigen, wenn eine schrittweise Rückzahlung geplant ist oder es weitere Umstrukturierungen gibt. Kopper hatte am Vortag bei einer Tagung zum Thema Landesbanken über die WestLB gesagt: “Strich drunter machen und abwickeln.“

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Der frühere Chef der Deutschen Bank ist Aufsichtsratsvorsitzender der Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein, der HSH Nordbank. “Niemand braucht die WestLB“, sagte er außerdem. Er könne kein erfolgversprechendes Geschäftsmodell für das Institut erkennen, nicht einmal in Ansätzen. Dies gelte auch für andere Landesbanken. WestLB-Chef Voigtländer sagte dagegen dem “Handelsblatt“, das Institut sei neu positioniert, mache gute Fortschritte als Sparkassen-Zentralbank und unter anderem bei der Finanzierung von Unternehmen. Aus dem Geschäft mit Kunden kämen 86 Prozent der Erträge.

Nur wenige Landesbanken erreichten eine so hohe Quote, sagte Der WestLB-Chef zog wie Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) in Zweifel, dass die Fusionsgespräche mit der BayernLB an mangelndem wirtschaftlichen Nutzen gescheitert sind. “Ohne Detailprüfung können betriebswirtschaftliche Gründe nicht herangezogen werden“, sagte Voigtländer dem “Handelsblatt“. Nach Ansicht der NRW-Regierungschefin sind die Gespräche aus “innenpolitischen Gründen in Bayern“ abgebrochen worden. Dagegen bekräftigte BayernLB-Chef Gerd Häusler im Gespräch mit dem “Handelsblatt“, dass es keinen Druck der Politik gegeben habe. “Weder der Freistaat noch der Bund haben je versucht, uns in die eine oder andere Richtung zu bewegen.“ Es habe auch keine Widerstände im Vorstand der bayerischen Landesbank gegeben. Die BayernLB habe vielmehr bei der “bisherigen ausführlichen Prüfung“ festgestellt, dass kein ausreichender Mehrwert für sie bei der Fusion entstünde.

Voigtländer betonte, der WestLB bleibe zum einen die Möglichkeit eines Zusammenschlusses mit einer anderen deutschen Landesbank. Zum anderen suche der CDU-Finanzexperte Friedrich Merz einen Käufer für die WestLB. Erste Gebote seien am 28. Oktober eingegangen. Eine Notwendigkeit, die in den EU-Auflagen enthaltene Verkaufsfrist für die WestLB zu verlängern, sieht Voigtländer nicht. “Wir haben bis Ende nächsten Jahres Zeit.“

dpa

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